„Musical Rocks!“ im Konzerthaus Dortmund bietet Hits und Schwächen

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Effektvoll: Rockhymnen getanzt und inszeniert auf dem Partyabend „Musical Rocks!“ im Konzerthaus Dortmund. ▪

Von Andreas Sträter ▪ DORTMUND–Ein rot geschminkter Kussmund formuliert noch beschwörende Formeln, bevor das Ensemble mit der schnellen Nummer „Time Warp“ einsetzt.

Mit dem Kultsong aus dem Musical „Rocky Horror Picture Show“ beginnt die Revue „Musical Rocks!“, die auf ihrer Deutschlandtournee im Dortmunder Konzerthaus gastiert hat. Es ist eine Show der schnellen Szenen und Kostümwechsel, ausschnitthaft und unzusammenhängend. Aber das gehört zum Konzept dieser „Best-Of“-Variante mit Liedern unter anderem aus den Musicals „Miami Nights“, „Elisabeth“, „Evita“ und „We Will Rock You“. „Heute Abend gibt es keine Geschichte, es gibt nur die größten Hits. Das ist ein Konzert, eine Party“, ruft einer der Sänger.

Wenige Sekunden später geht im Schweinwerferlicht ein explosives Gemisch von Tanz und Gesang hoch. Die Darsteller versuchen sich an den Liedern „Aquarius“ und „Let The Sun Shine In“ aus dem Musical „Hair“, das sich vor dem Hintergrund des Vietnam-Kriegs gegen Gewalt und für freie Liebe positioniert. Die Inhalte gehen im Diskosound unter. Die Darsteller hüpfen die Treppen des Konzerthauses hoch und animieren dazu, aufzustehen und mitzuklatschen. Einige Zuschauer nehmen die Aufforderung an, andere bleiben sitzen.

Dann wird das Rotlicht angeknipst. Es ist Zeit für knappe Röcke, Korsagen, aufreizende Strapse und die Aufforderung „Voulez Vous Couchez Avec Moi Ce Soir?“, zu Deutsch: „Wollen Sie heute Abend mit mir schlafen?“. Auf der Bühne stehen hohe Metallkäfige, von wo aus Tänzer in die Tiefe gleiten. Der Disko-Funk-Song „Lady Marmalade“ aus dem Jahr 1974 ist eine Ode an die Prostituierten in New Orleans. Die Bühnenversion in Dortmund ist lahmer als das Original. Dafür kann Solistin Michaela Kovarikova mit der Randy- Crawford-Nummer „One Day I‘ll Fly Away“ punkten. Sie kommt im knappen schwarzen Lederkleid auf die Bühne – und die Hintergrundleinwand trägt sie durch ein digitales Wolkenmeer, während sie den Song mit viel Gefühl und einem leichten Kratzen in der Stimme interpretiert.

Leider sind die Texte meist unverständlich, weil die Tonabstimmung nicht immer passt, und der Zuschauer den Eindruck hat, als würde die vierköpfige Rockband unter dem Bandleader Alexander Grumeth losgelöst von den Sängern spielen. Diese Schwäche offenbart sich zum Beispiel im „High-School-Musical“-Block. Sänger Sasha Di Capri scheint teilweise selber überrascht von der Reihenfolge der Lieder, die er im Medley fast ausschließlich mit Kopfstimme interpretiert. Dass es in den schmalzigen Disney-Stücken um eine Jugendliebe und ums Erwachsenwerden geht, nimmt man ihm und seiner Partnerin Julia Berger nicht ab. Da hilft auch kein betont jugendliches ärmelloses Shirt in Knallrot, unter dem Di Capri zumindest seine muskulösen Oberarme zeigen kann.

Zwischendrin können Zuschauer und Darsteller Luft holen. Zu hören ist der englische Titelsong des Musicals „Die Schöne und das Biest“ in einer betont rockigen Version mit E-Gitarre. Das Bühnenmusical ist eine Adaption des gleichnamigen ambitionierten Zeichentrickfilms aus dem Jahr 1991. Komponist Alan Menken hat mit Tim Rice diese wunderschöne Ballade geschrieben, zu der in Dortmund auf der Leinwand assoziative Begriffe wie „Versuchung“, „Suchen“, „Finden“ oder „Vertrauen“ eingeblendet werden. Immerhin: Hier wird eine Geschichte erzählt. In dem Broadwaymusical geht es um die Liebe zwischen einem Mädchen und einem verwunschenen Prinzen.

Die Video-Rückprojektionen wirken einfallsreich, während die Regie von Dean Welterlein weitgehend uninspiriert ist. Die größte Schwäche sind die Übergänge zwischen den Liedern. Alles wird übertönt von Rockbombast und Discostampfern. Die 110-minütige Show schließt dann mit einer Verbeugung vor den eigenen Kollegen: „There Is No Business Like Showbusiness“.

Quelle: wa.de

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