Das Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt K. O. Götz

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Wirbel und Geschwindigkeit: Karl Otto Götz’ Bild „Lop“ ist in Duisburg zu sehen.

DUISBURG - Der erste Eindruck vor den Bildern von Karl Otto Götz ist: Schnell. In rasanten Kurven schwingen sich die breiten Pinselstriche über meterbreite Leinwände. In „Lop“ (1956) zum Beispiel scheint die Farbe sich erst in einen Strudel einzuwickeln und dann in einer Diagonale rechts unten aus dem Bild zu fallen. Natürlich bewegt sich nicht wirklich etwas in einem Gemälde. Aber Götz bringt den Blick des Betrachters auf Touren.

Von Ralf Stiftel

Seinen 100. Geburtstag feierte der in Aachen geborene Künstler im Februar. Nun feiert das Duisburger Museum Küppersmühle ihn mit einer großen Retrospektive. Rund 80 Arbeiten umreißen ein Werk, das sich konsequent entwickelt hat. Die Schau war zuerst in Berlin zu sehen, wurde aber für Duisburg noch erweitert.

In den frühesten Bildern aus den 1930er Jahren experimentierte Götz mit gespritzten Farben. Hier sieht man noch „Vogelmenschen“, die sich überlagern, surreale Formen. Die Nazis erteilten ihm 1935 ein Mal- und Ausstellungsverbot. Er arbeitet heimlich weiter.

Nach Kriegsende entwickelt Götz umfangreiche Aktivitäten. Er beteiligt sich an Ausstellungen der CoBrA-Gruppe und lernt in Paris die aktuellsten Entwicklungen kennen. Dort sieht er auch die Arbeiten des US-Malers Jackson Pollock. Von ihm übernimmt Götz das Ideal der schnellen Malerei und das Arbeiten auf einer am Boden liegenden Leinwand. Ein deutscher Pollock, wie man ihn auch bezeichnet, ist er aber nicht. Götz erfindet eine ganz eigene Technik. In Duisburg sieht man das Bild, das den Übergang markiert: „7.9.52 – letztes Ölbild“. Die Ölfarbe, berichtet er später, trocknete zu schnell, war zu langsam. So malte er mit Gouache, also wasserlöslicher Farbe, in einen feuchten Grund aus Leim, den er anschließend mit dem Rakel bearbeitete. So konnte er diese ebenso dynamischen wie großzügigen Linien entwickeln, die so charakteristisch für ihn sind. Fotos von ihm im Atelier zeigen ihn über die Leinwände gebeugt, mit besengroßen, selbstgefertigten Pinseln. Anfangs gab er den Bildern keine Titel, sondern nur das Datum. Später, angeblich auf Bitte eines Galeristen, wählte er Kunstwörter.

Er war überaus erfolgreich, stellte bei der Biennale von Venedig aus und beteiligte sich an der documenta II in Kassel, hatte große Einzelausstellungen und wurde 1959 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Viele seiner Studenten wurden später selber berühmt, Gerhard Richter, Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Kuno Gonschior.

Es ist ein großer Vorzug der Duisburger Räume, dass sie eine so großzügige Hängung erlauben. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung, war Götz im Atelier – und malte die erste Fassung von „Jonction“, einen abstrakten Kommentar zu den Ereignissen. Im Monumentalformat, mehr als fünf Meter breit, wirbeln da schwarze Strudel in meterbreiten Schlieren aufeinander zu wie eine Meereswoge, die sich an Felsen bricht. Die Pinselzüge bewegen sich von rechts und links aufs Zentrum zu, sozusagen auf eine Vereinigung hin. Götz 1991 schuf noch weitere Fassungen, eine davon ist auch noch ausgestellt. Auch diese Riesenbilder haben hier genug Raum, um ihre visuellen Energien zu entfalten.

Kuratorin Ina Ströher hat die Arbeiten in Themenräumen geordnet. Ein Höhepunkt ist gewiss der Raum, der die großen schwarz-weißen Tafeln aus den 1990er Jahren versammelt. Die Farbaskese prägt Götz’ Schaffen, viele seiner Bilder wirken in ihrer zurückgenommenen Farbigkeit wie enorm vergrößerte Kalligraphien. Aber um 1990 entdeckt Götz den Reiz der Farbigkeit in der Serie „Giverny“. Das ist der Ort in der Normandie, an dem Monet seine späten Seerosenbilder malte. Götz füllt in seinen Bildern die Fläche mit Schwüngen von kräftigen Blau-, Gelb-, Rottönen.

In den letzten Jahren hat Götz fast seine Sehkraft verloren. Umso erstaunlicher ist ein Gemälde wie „I-Elemente I“ von 2010, vier Meter breit mit zwei weißen Pinselzeichen, von denen das linke in feine Spritzer ausläuft. Auch wenn das Motiv zurückgenommen ist, entfaltet sich darin doch noch die Dynamik dieses Hochgeschwindigkeitsmalers.

K. O. Götz im Museum Küppersmühle, Duisburg. Bis 15.6., mi 14 – 18, do – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0203/ 30 19 48 10, www. museum-kueppersmuehle.de

Katalog, Wienand Verlag, Köln, 30 Euro.

Parallel zeigt das Museum Kunstpalast in Düsseldorf eine Hommage à K. O. Götz mit Arbeiten aus der Sammlung Willi Kemp. Bis 17.8., di – so 11 – 18, do bis 21 Uhr, Tel. 0211/ 566 42 100, www.smkp.de

Quelle: wa.de

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