Museum Folkwang ordnet seine außereuropäische Sammlung neu

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Die Pharaonin Nofretete ist in der Kalksteinplastik verewigt. „Kopf der Nofretete, Amenophis III./Echnaton“ (1353-1336 v. Chr.) steht im Museum Folkwang. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Eine zentrale Frage für viele Museen ist: Wie wird außereuropäische Kunst ausgestellt – Masken aus Afrika, Heiligenbilder aus Fernost? Die Zeiten sind längst vorbei, als man die „Exoten“ zum Bestaunen im Museum auf einen Sockel stellte.

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert nun seine Sammlung außereuropäischer Kunst neu. Im ehemaligen Kabinett des Altbaus wird vor allem der Blick auf die Kunstobjekte thematisiert. Also, wie hat man sich die Objekte und Skulpturen aus fernen Ländern „angeeignet“? Eine Videoarbeit von Ulrike Rosenbach fragt, ob die ethnografischen Fotografien von Frauen verschiedener Kulturen aus dem 19./20. Jahrhundert tatsächlich dem Menschen galten. Rosenbach hat 60 historische Aufnahmen vergrößert, gereiht und mit einer Videokamera aufgenommen. Dabei drehte sie sich zu Trommelrhythmen auf einer Unterlage in das Kabel der Kamera ein. Ein mühsamer Akt, der die Distanz der damaligen Fotografen zu den fotografierten Frauen als absurden Prozess nachstellt. Die Videoarbeit „Frauenkultur – Kontaktversuch“ (1977) stimmt den Besucher im Museum Folkwang auf die außereuropäische Kunst ein.

Daneben sind dreidimensionale Abbildungen von Frauen aus historischen Epochen zu sehen. Weibliche Gottheiten aus Japan, göttliche Mütter mit Kindern, wie die hinduistische Vaishnavi. Und das Porträt der berühmtesten Pharaonin, „Kopf der Nofretete, Amenophis III./Echnaton“ (1353-1336 v. Chr.). Im Vergleich zu den Fotos der europäischen „Völkerkundler“ hat die Kalksteinbüste noch heute eine Anmut und Schönheit, wie sie die Fotos von den außereuropäischen Frauen gar nicht zulassen.

Die Frage nach der Darstellung führt noch weiter in die Sammlung, die Karl Ernst Osthaus (1874–1921) anlegte. Er wollte keine Konvolute zu ethnischen Stämmen und religiösen Riten sichern, sondern künstlerische Beispiele nach Europa holen, um die hiesigen Künstler zu inspirieren. Außerdem versuchte er mit seinem Museum für moderen Kunst (damals in Hagen), eine Weltkunst vorzuführen, die ohne Eurozentrismus auskam. 90 Prozent der Exponate stammen aus der Sammlung Osthaus. Nur wenig sei später noch dazugekauft worden, sagt Kurator Marcel Schumacher.

Hinzugekommen sind beispielsweise in der Fotografischen Sammlung die Fotografien von Germaine Krull, die von 1954 bis 1964 ein Hotel in Bangkok leitete. Ihre tiefe Auseinandersetzung mit dem Buddhismus ist auch ihren Fotografien von Buddhafiguren anzusehen, die sie inmitten der südostasiatischen Natur fand. Aufnahmen aus Angkor Wat (Kambodscha, 1962) zählen dazu. Insgesamt gibt es 2000 Lichtbilder zu Buddhastatuen von Germaine Krull.

Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg bezeugen die Plünderung von buddhistischer Kunst in Pagan, Burma, 1978. Die Statuen sind in Teilen abgeräumt. Löcher finden sich in den Sockeln, wo Kunsträuber weitere Kostbarkeiten vermuteten. Daneben ist ein „Stehender Buddha“ aus Thailand zu sehen. Die Bronzestatue ist vergoldet und nur halb, das heißt, sie wurde von Händlern für den illegalen Markt zersägt. Denn der ganzheitliche Ansatz des Buddhismus erlaubt keine Büsten, Torsi oder Teilfiguren, wie in der europäischen Skulpturengeschichte. Es zählt nur die ganze Figur, der ganze Gott.

Bis 3. November 2013; di-so 10 bis 18, fr bis 22.30 Uhr, http://www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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