Museum Folkwang in Essen zeigt „Peintures“ von Pierre Soulages

+
Spielt raffiniert mit dem einfallenden Licht: Pierre Soulages Werk „Peinture, 159 x 202 cm, 30 Octobre, 2015“ ist im Folkwang in Essen ausgestellt. Museum

Essen - Dieses Bild erschließt man sich, indem man davor die Position wechselt. Von der Seite her erkennt man besonders deutlich den dramatischen Kontrast zwischen dem gleichmäßig matten Schwarz der Fläche und dem Glanz der wuchtigen Kerben, die horizontal hineingeschnitten wurden. Diese Streifen fangen das Licht ein und werfen es in den Raum wie Scheinwerfer. Diese starke Wirkung erzielt das Bild, obwohl es in tiefem Schwarz gehalten ist.

Schlicht „Peinture“ nennt Pierre Soulages seine Werke. Das französische Wort bedeutet nicht nur Gemälde, sondern schließt auch Bedeutungen wie Malweise und allgemein Malerei ein. Und so heißt das oben erwähnte Bild „Peinture, 159 x 202 cm, 30 Octobre, 2015“, einfach die präzise Beschreibung von Format und Entstehungstag. Zu sehen ist es im Essener Museum Folkwang. Die Studioausstellung „Le Noir“ belegt, dass nicht nur Masse für ein Ereignis sorgen kann. Gerade fünf Werke des französischen Malers sind zu sehen, darunter drei ganz aktuelle, aber die können einen Betrachter lange beschäftigen.

Soulages, geboren 1919, ist längst ein Klassiker der Moderne in Frankreich. 1994 erhielt er den japanischen „Praemium imperiale“, der als Nobelpreis der Künste gilt. Seine Werke wurden auf den ersten drei documentas in Kassel gezeigt. Das Centre Pompidou widmete ihm 2009 eine Retrospektive. Seit 2014 ist sein Werk in einem eigenen Museum in seinem Geburtsort Rodez zu sehen.

Sein Rang wurde auch hierzulande schon früh erkannt. Das Folkwang-Museum zeigte 1961 eine Retrospektive. Und es besitzt zwei frühe Gemälde, das erste wurde 1960 angekauft, und der Vergleich macht deutlich, wie Soulages seinen Umgang mit dem Schwarz verändert hat. Auch in „Peinture, 92 x 65,5 cm, 22 Novembre, 1952“ herrscht es vor. Aber hier überdeckt eine Art in breiten Pinselschwüngen ausgeführtes Schriftzeichen einen dunklen, aber deutlich farbigen Grund. Hier malt Soulages das Licht noch, lässt es mit hellen Momenten unter dem Schwarz aufblitzen. Und seine Formgebung fügt sich in den Zeitstrom der in den 1950er Jahren herrschenden Abstraktion, eher zeichenhaft-kalligraphisch als informel.

Seit 1979 malt Soulages fast ausschließlich monochrom schwarze Bilder. Das eingangs beschriebene, gerade ein Vierteljahr alte Werk wurde offenbar zunächst gleichmäßig mit einem Brei aus schwarzer Acrylfarbe bedeckt, in das Soulages dann die Linien kerbte, nicht mit einem Pinsel, sondern mit einem Stiel. Die Textur der Oberfläche macht hier das Licht sichtbar. Der Künstler erweitert die Möglichkeiten der Malerei. Dies ist einerseits ein Bild, in dem der Strich, die Hand sichtbar ist. Aber es ist ebenso Objekt, ein Relief, das der Betrachter räumlich erfährt. Man muss sich nur von den verblüffenden Effekten verzaubern lassen.

Monumental füllt „Peinture, 162 x 362 cm, 29 Avril 2015“ eine Wand. In vier übereinandergelegten Streifen reiht Soulages dabei schräg gestellte vertikale Striche aneinander. Das wirkt wie eine archäologische Bodenschicht, eine Versteinerung, naturwüchsig, mit seinen Nuancen in der Oberfläche, wo die Glätte manchmal durch Maserungen oder Einlagerungen gebrochen wird. Das Werk ist ein Diptychon, gemalt auf zwei Tafeln, die aber nicht nebeneinander hängen, sondern übereinander. Und auch hier geht es darum, mit dem Schwarz das Licht einzufangen, darzustellen, sichtbar zu machen. An einem Tag mit Sonne sieht der Besucher, wie das Bild auf unterschiedliche Helligkeit und Lichteinfälle reagiert. Schwarz, das macht der Künstler wunderbar nachvollziehbar, ist tatsächlich eine Farbe. Und diese Bilder sind keine schwarzen Löcher an der Wand, sie wirken manchmal verblüffend hell.

Einen schönen Kontrast dazu bildet „Peinture, 195 x 130 cm, 14 Mars, 1955“. Das Schwarz ist in diesem Frühwerk noch eine Art Fluidum, in das hellere Rechtecke wie Leuchtkörper gestellt sind, seltsam körperlos und schwebend. Und wieder kommt die Helligkeit hier aus der Tiefe, muss sich durch das Schwarz, um es herum zum Betrachter vorarbeiten.

Bis 26.6., di – so 10 – 18, do bis 20 Uhr, Tel. 0201 / 8845 444, www.museum-folkwang.de,

Katalog 5 Euro

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare