Museum Folkwang in Essen stellt Fotografien zu „Kleiden – Verkleiden“ aus

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Jürgen Teller fotografierte „Eva Bodenhoff, London, 20. Oktober 1998“, zu sehen in Essen. ▪

Von Marion Gay ▪ ESSEN–Die beiden sind bestimmt Schwestern. Beide haben blonde Haare und ein breites Lächeln. Vor allem aber tragen sie die gleiche Kleidung: Pulli und Jacke, die formlose Hose in die Gummistiefel gesteckt. Die Kleidung verrät aber noch mehr. Anscheinend sind die Frauen auf Rolf Gillhausens Fotografie „DDR von innen“ (1963) auf dem Weg zur (Feld-)Arbeit.

Die Fotografische Sammlung im Essener Folkwang Museum präsentiert unter dem Titel „Kleiden – Verkleiden“ rund 50 Fotografien von 20 Bildautoren, darunter Diane Arbus, August Sander und Juergen Teller. Die Arbeiten stammen aus den letzten hundert Jahren und widmen sich dem Thema der Selbstdarstellung.

Welches Bild vermitteln wir der Öffentlichkeit durch unsere Kleidung? Unter dieser Fragestellung sichtete Inga Schneider, Absolventin des weiterbildenden Studiengangs Kunstkritik & Kuratorisches Wissen der Ruhr-Universität Bochum, die rund 60 000 Fotografien umfassende Sammlung des Museums. Das Thema der Modefotografie ließ sie außen vor, konzentrierte sich stattdessen auf authentische Darstellungen, die sie zu vier Themengruppen zusammenfasste.

Die beiden DDR-Frauen gehören zur Gruppe „Deutsche in Uniform“, genauso wie die Serie „Frauen in Männerberufen“ (1916) von Käthe Buchler. Die Männer waren im Krieg, so hatte die Schaffnerin in ihrer Uniform Autorität zu demonstrieren, ebenso wie die Fensterputzerin und die Postbeamtin. Dagegen erscheint der junge „Herr im Anzug“ (1998) von Zoltán Jókay merkwürdig unbeholfen und eher verkleidet als gekleidet. Trotz den typischen Insignien des Managers – dunkelblauer Anzug und Fliege – nimmt man ihm die wichtige Position nicht ab.

Verloren wirken auch die Jugendlichen in ihren viel zu weiten Hosen und übergroßen Jacken (Serie „Jugend“, 1998 von Albrecht Tübke). Statt cool sehen sie eher aus wie Kinder, die in ihre Klamotten noch hin-einwachsen müssen. Als besonders stylish möchte auch die junge Blondine mit Handy am Ohr wahrgenommen werden. Zur Verdeutlichung hält sie demonstrativ das Cover der „Marie Claire“ vor der Brust (aus „Das Telefon-Buch“, 1998 – 2002, Martin Parr).

Um kulturelle Extreme zwischen Verhülltheit und Nacktheit kreisen die Fotografien von Diane Arbus und Lotte Errell. Während die Braut der kurdischen Hochzeit von 1934 einen dunklen Umhang über Kopf und Oberkörper trägt (Errell), gibt sich die amerikanische Nudistin von 1965 betont locker mit ausladender Schwan-Sonnenbrille.

Interessant ist die Kategorie „Einmal im Jahr“, die Fotografien von regionalen Verkleidungspraktiken versammelt. Homer Sykes Bilder von 1972 dokumentieren eher unbekannte britische Feste wie etwa den „Castleton Garland Day“, bei dem die Männer Röcke über den Kniebundhosen tragen. Beim Durchqueren der Gasse trägt einer der schicken Leute seine Maske lässig über dem Rücken (Chargesheimer „Kölner Karneval“, 50er Jahre). Und geradezu verboten exotisch wirken die schrillen Gäste des Lumpenballs (1930) auf den Fotografien von August Sander.

Bis 14. April; di-so 10 bis 18 Uhr, fr 10 bis 22.30 Uhr; Tel. 0201/8845000

http://www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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