Das Museum für angewandte Kunst in Köln zeigt „Peter Gowland’s Girls“

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Zufällig läuft ein Mann durchs Bild: Peter Gowland fotografierte Venetia Stevenson um 1957 am Strand von Los Angeles. Zu sehen ist die Aufnahme im Kölner Museum für angewandte Kunst.

KÖLN - Es ist eine Fantasie von ewigem, unbeschwertem Sommer. Eine blonde, schöne Frau im engen roten Badeanzug lächelt den Betrachter einladend an. Eigentlich blickt Venetia Stevenson zum Fotografen Peter Gowland, der um 1957 diese Illusion eines Sommerflirts perfekt inszeniert hat. Grandios die Idee, im Hintergrund einen Mann laufen zu lassen, was das Bild wie einen Schnappschuss aussehen lässt.

Mit solchen Tricks sorgte Gowland (1916–2010) für die unvergleichliche Leichtigkeit seiner Bilder. 1954 nannte ihn die New York Times „America’s No. 1 Pin-Up Photographer“, und das war durchaus als Lob gemeint. Rund 200 Fotos, vor allem von leicht oder nicht bekleideten Frauen am Strand oder im Studio, dazu eine Reihe von Kameras, Dokumenten und Broschüren bieten im Kölner Museum für Angewandte Kunst die Möglichkeit, einen stilbildenden Künstler der Nachkriegszeit kennen zu lernen. Die Schau ist eine Übernahme von den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen, die sie zum 100. Geburtstag Gowlands zusammenstellten.

Gowland wurde in Hollywood geboren, seine Eltern waren britische Schauspieler. Als er 13 war, schenkte ihm seine Mutter seine erste Kamera. Er gewann Wettbewerbe mit seinen Aufnahmen und begann 1942, als professioneller Fotograf zu arbeiten. Während er 1945/46 seinen Kriegsdienst in Deutschland ableistete, bot seine Frau Alice erfolgreich seine Pin-Ups bei Zeitschriften und Kalenderverlagen an. Eine erfolgreiche Karriere begann mit mehr als 1000 Coverbildern für verschiedene Magazine, mit Centerfolds im Playboy, mit Kalendern wie dem „Ridgetool Calendar“, der sich vor allem an Mechaniker richtete. Auf einer Aufnahme in der Ausstellung sieht man eine lächelnde Brünette in Dessous mit Rosen, aufgenommen offensichtlich im Schlafzimmer. Etwas irritierend wirkt der gewaltige Schraubschlüssel, der an der Kommode lehnt – für die Zielgruppe eben.

Die Schau profitiert davon, dass Gowland seine Arbeit zum Thema machte. So brachte er das Magazin „Gowland’s Girls“ in immerhin 14 Ausgaben heraus, in denen er sozusagen standardisierte Posen aus seinem reichen Bilderfundus zeigte. Mit seiner Frau verfasste er 25 Lehrbücher, in denen er erklärte: „How to take Glamour Photos“ oder „How to Photograph Women“. Das Paar dokumentierte schon früh seine Arbeit im Studio, so dass in der Schau eben auch reichlich Material über das „Making of“ der Fotos gezeigt werden kann.

Natürlich sind Gowlands Fotos als anregende Unterhaltung für ein überwiegend männliches Publikum gedacht. Aber der Künstler respektierte seine Modelle und ließ sie durchaus aktiv mitwirken. Er arbeitete mit einem Spiegel neben der Kamera, so dass die Frauen sehen konnten, wie sie im Bild wirken. Gowland inszenierte seine Pin-Ups und Modefotos, und viele seiner Bilder wurden ikonische Projektionen einer heilen Freizeitwelt aus Sonne, Sand und Surfbrett. Dabei er setzte oft auf ironische Brechungen der Geschlechterrollen in den USA der 1950er und 1960er Jahre. Ja, auch Gowlands Mädchen ziehen vor dem Spiegel den Lippenstift nach oder sitzen nackt auf einer Schaukel. Aber Madeline Castle stemmt als starke Frau eine Hantel in den Sommerhimmel, und Charlene James posiert am roten Rennauto nicht als Boxenluder, sondern mit Helm und Overall als Fahrerin. Hinreißend ist Gowlands Foto von Judy Tredwell als coole Existentialistin im dunklen Pulli mit Kippe im Mundwinkel und einem Gedichtband des Avantgardepoeten Allen Ginsberg in der Hand. Er ließ Frauen nicht dumm und willig aussehen, sondern selbstbewusst und lebenslustig. Barbara Osterman präsentiert auf einigen Aufnahmen Badeanzüge aus ihrer selbst entworfenen Kollektion.

Gowland sagte einmal, er habe Nackte so zeigen wollen, als trügen sie Kleider. Das kann ein Netz sein oder transparente Stoffe und manchmal auch die Gischt einer Ozeanwelle am Strand. Nebenbei baute Gowland sich selber Kameras und war damit so erfolgreich, dass seine Kollegen sie ihm abkauften, zum Beispiel Yousuf Karsh und Annie Leibovitz.

Er selbst suchte ungewöhnliche Perspektiven und nahm seine Modelle auch schwimmend auf, mit einer Unterwasserkamera.

In seiner Jugend hatte Gowland als Statist beim Film gearbeitet. Er war gut vernetzt mit der Prominenz in Hollywood, und so entstanden auch sehr persönliche Porträts von Stars wie Rock Hudson und Jayne Mansfield. Der Regisseur Alfred Hitchcock streichelt seinen Hund, der Schriftsteller Henry Miller fährt Fahrrad und der Romancier Christopher Isherwood posiert mit seinem Lebensgefährten Don Bachardy.

Bis 14.10., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0221/ 221 238 60, www.makk.de,

Katalog, Kehrer Verlag, Heidelberg, 34,90 Euro

Quelle: wa.de

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