Museum Abtei Liesborn zeigt Max Liebermann und deutsche Impressionisten

Eine Studie in Ölfarben: Max Liebermanns „Reitknecht am Strand“ (1902), zu sehen im Museum Abtei Liesborn, wo die Ausstellung „Inspiration Licht“ gezeigt wird. Foto: marcher

Liesborn – Max Liebermann hat seine Sommer gern in Holland verbracht. Das Meer, die Wellen, der Horizont wurden seine Motive in Verbindung mit Menschen, die sich in ihrer Freizeit vergnügten. Liebermanns Gemälde mit Reitern und Pferden haben den deutschen Impressionisten bekannt gemacht – neben Max Slevogt und Lovis Corinth. Das Museum Abtei Liesborn besitzt seit 2011 eine Studie mit Ölfarben des Künstlers – gestiftet vom Sammler Friedrich Johenning. Untypisch für Liebermann (1847–1935) verharrt der „Reitknecht am Strand“ (1902), ist hier bewegungslos, während die Wellen auflaufen und das Meer dieses eigentümliche Paar mit Holzschuhen und Scheuklappen ungerührt umspült. Dass der Kopf des Knechts oberhalb der Horizontlinie zu sehen ist, gibt ihm kompositorischen Halt vor der grauen unruhigen See.

In Liesborn ist zu diesem Gemälde eine Ausstellung entstanden, die das malerische Interesse feiert, alle Wirkungen des Lichts auf Mensch und Natur in einem Moment bildnerisch einzufangen. Die Schau „Inspiration Licht“ spürt aber nicht den flirrenden und stark farbigen Tableaus des französischen Impressionismus nach, sondern führt auf, wie realitätsnah die deutsche Variante dieses Malstils ausfiel: „Impressionisten aus dem Süden zu Gast bei Max Liebermann“ ist der Untertitel der Präsentation, die am Freitag um 18 Uhr eröffnet wird.

Mit dem „Süden“ ist das Schwabenland gemeint. Wie in Dresden, Düsseldorf, München und Berlin entfernten sich auch in Stuttgart immer mehr Künstler von den Vorgaben der Akademien. Zu ihnen zählten auch Otto Reiniger, den Liebermann zu Präsentationen der Berliner Secession einlud, Hermann Pleuer und Christian Landenberger, der beispielsweise den Bielefelder Hermann Stenner 1910 in seine Malklasse aufgenommen hatte. Gemälde der etwas jüngeren Künstler Eugen Stammbach (1876–1966) und Erwin Starker ergänzen die Ausstellung.

Insgesamt werden 76 Bilder präsentiert. 29 Liebermann-Grafiken kommen von der Kunsthandlung Hülsmeier aus Osnabrück. Die Stiftung Schloss Flachsenfeld (Aalen) und das Museum Sammlung Nuss (Weinstadt) stellen die schwäbischen Bilder zu „Inspiration Licht“.

Der „Reitknecht am Strand“ ist im Museum von Grafiken umgeben. Hinter „Junges Mädchen zu Pferd“ (1912, Radierung) verbirgt sich Liebermanns Tocher Käthe mit Hut. Der Künstler zeigt den „Reiter am Strand“ (1911, Holzschnitt) mit Zylinder, der sein Pferd auf die Hinterbeine setzt und hält. Das „Pferderennen“ (1920, Holzschnitt) begeistert Liebermann wie der feierliche „Corso auf dem Monte Pincio“ (1913, Lithografie). Mal erprobt der Maler die Linie, wie er sie führen muss, um Bewegung auszudrücken und den Akteuren Körperlichkeit zu geben. Mal arbeitet er daran, wieviel Kontur eine Skizze braucht, um Pferd und Reiter in Aktion zu halten. Biergarten, Parkszenen, Dünen und Kartoffelfelder sind sein Themen. Zwei Radierungen zu „Alte Frau mit Ziegen“ (um 1900) werden in Liesborn als Vorstudien zu seinem bekannten Gemälde gezeigt.

Während die Liebermann-Grafiken das Interesse des Künstlers an der Bewegung belegen, fächert die Schau den Impressionismus an schwäbischen Beispielen auf. Hermann Pleuer (1863–1911) fing in seinen Bildern den Lichtimpuls ein – vor allem in seinen Landschaften. In „Flusslandschaft“ (1899) wird ein Sandstück vom Gelb seiner Palette so aufgeladen, das es fast ein Eigenleben in der Naturansicht erhält. Auch im Bild „Seitenkanal in Venedig“ (1897) spiegeln sich die Gelb- und Orangetöne der Fassaden so lebhaft im Lagunenwasser wider, dass die Gondel in der schattigen Bildmitte an Bedeutung verliert. Von Pleuer ist ein ganzes Konvolut in Liesborn zu sehen. Er gilt vor allem als Maler von Dampfloks und Bahnhofsszenen im Süden Deutschlands. Sein Ziel war es auch, immer wieder das Licht bei Nacht in seinen Bildern sichtbar zu machen („Badende Mädchen bei Mondschein“, 1896).

Otto Reiniger widmete sich dagegen ganz der Landschaft. Waldansichten, Bachläufe und Ausschnitte einer prachtvollen Natur, wie in „Buchenwald im Herbst“ (1897), gehen ganz in Braun, Gelb und Grün auf.

Dagegen stellt sich der „Crevettenfischer“ (1910) von Carlos Grethe der Tristesse einer mühsamen Arbeit am Strand. Sein Gemälde „Yacht / Hamburg“ (1906–1909) überrascht denn auch weniger mit Farbenpracht, als mit einer ironischen Erzählhaltung. Müde Seeleute sind als Tagträumer an Deck verteilt. Der Kapitän schaut stoisch ins Weite. Was macht die Frau an Bord? Grethes Bild irritiert in der Tradition des Sujets Hafenansicht und geht auch so auf Distanz zum Bildkanon der Akademiemalerei.

Die Schau

Der deutsche Impressionismus wird in seiner schwäbischen Spielart vorgestellt. Anlass ist Max Liebermanns Studie „Reitknecht am Strand“.

Inspiration Licht im Museum Abtei Liesborn.

Eröffnung am Freitag 18 Uhr. Bis 13. 10.; di-fr 9–12 Uhr und 14–17 Uhr, sa/so 14–17 Uhr; Katalog 14,90 Euro, Tel. 02523/98240; www. museum-abtei-liesborn.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare