Murray Perahia spielt im Konzerthaus Dortmund

DORTMUND    Schon die Besetzung versprach edles Musizieren: Die Academy of St. Martin in the Fields spielte Murray Perahia im Konzerthaus Dortmund. Von Edda Breski

Strawinsky, Mozart, Bach und Haydn standen auf dem Programm, Perahia spielte und leitete zwei Klavierkonzerte. Ein stiller Musiker ist er, stets auf tiefgründiger Sinnsuche. Auch in Dortmund lässt er sich nicht im Vordergrund bejubeln, sondern tritt zwischen das Orchester. Ihm ist er seit Jahren als erster Gastdirigent verbunden.

Mozarts Klavierkonzert Nummer 23 A-Dur beginnt in Dortmund mit einem geradezu esoterischen Kopfsatz. Die Academy lässt mit einem weiten, warmen Klang aufhorchen; Perahia aber hüllt seinen Part in Wolken – bei aller Feinheit, allem Ebenmaß. Dann der zweite Satz: so tragisch tiefgründig, so dramatisch-edel. Perahias Interpretation verweist auf Mozarts große Seelenmusik, das Drama, wie in den düsteren Stürmen des ein Jahr später entstandenen „Don Giovanni“. Und Perahia findet einen seltenen Dialog mit seinem traumhaft spielenden Orchester. Bevor sich der Zuhörer noch davon erholt hat, ist der dritte Satz fast vorbei: freudig, im Schlussgestus triumphal.

In Bachs g-moll-Klavierkonzert Nr. 7 gestaltet er den Klavierpart wie mit dem Silberstift. Hinzu kommt eine Betonung des Pulses in der Musik, ein schweres Atmen und dramatisches Pochen im Mittelsatz. Der Finalsatz folgt: Perahia spielt einen subjektiven Bach voller subtiler Eigenwilligkeiten. Überraschenderweise spielt er mit Partitur und Umblätterer – den Mozart hatte er auswendig bewältigt.

Als reiner Dirigent betätigt sich Perahia bei Haydns 92. Sinfonie, „Oxford“ betitelt. Ein heiterer Haydn, voll Grazie und Einfälle. In der Introduktion sowie im Mittelteil des Adagios lauscht er tief in die Musik hinein, betont das Ausschwingen in die Generalpausen hinein. Straff hält er den Puls durch, lässt das ferne, heitere Anfangsthema im zweiten Satz sich aussprechen, um im Mittelteil unerbittlich voranzutreiben. Der vierte Satz moussiert wie Champagner.

Die wunderbare Academy kann zur Not jederzeit allein spielen: Das beweist sie mit Igor Strawinskys „Basler“ Streichkonzert (1946): Die graziös-nervöse Grundstimmung, die zuckenden Terzspiele bewältigen sie mit britischer Gelassenheit.

Murray Perahia und die Academy of St. Martin in the Fields spielen am 31.5. in Duisburg beim Klavierfestival Ruhr. http://www.klavierfestival.de

Quelle: wa.de

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