Münster zeigt „Picasso – die Kommunisten und das Theater

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Farbenfroh und garantiert mit Friedenstaube: Das von Picasso entworfene Tuch für das Weltfestival der Jugend und Studenten für den Frieden in Ostberlin von 1951. ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Die Taube hält einen Zweig im Schnabel. Sie landet auf einem Berg aus Waffen, über ihrem Rücken leuchtet eine gelbe Sonne. Die Lithografie „Taube – Abrüstung“ (1962) ist eines von rund 80 Werken der spannenden Ausstellung „Picasso – Die Kommunisten und das Theater“, zu sehen im Kunstmuseum Picasso in Münster. Die Zeichnungen, Grafiken und Fotografien stammen aus dem Musée d’art et d’histoire in Saint-Denis und werden erstmalig in Deutschland präsentiert. Die Schau verdeutlicht Picassos politisches Engagement für den Frieden und seine Faszination für das Schauspiel.

„Picasso wurde im Oktober 1944 Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, die er mit zahlreichen Kunstwerken unterstützte“, erklärt Museumsleiter Markus Müller. Picasso schwamm damit auf einer Welle mit zahlreichen französischen Künstlern wie André Breton, Louis Aragon und Paul Èluard, die den Kommunismus als Gegenmodell zum Faschismus begrüßten. Picassos politisches Engagement führte dazu, dass das FBI eine Spezialakte über ihn anlegte und dafür sorgte, dass man ihm 1950 die Einreise in die USA verweigerte. Zeitlebens betrat Picasso niemals amerikanischen Boden.

Zu sehen sind mehrere Versionen der berühmten Taube, die weltweit zum Symbol für Frieden wurde. Allerdings wurde das Motiv eher zufällig zum Plakat für den Friedenskongress. Picasso, der von Matisse Mailänder Lockentauben geschenkt bekommen hatte und schon als Sechsjähriger gern Tauben zeichnete, hielt diese Vögel für die aggressivsten und schmutzigsten Tiere überhaupt. Neben den französischen Leihgaben sind auch zehn Tauben-Darstellungen aus dem eigenen Bestand des Picasso-Museums ausgestellt. Zu sehen ist auch ein Tuch, das Picasso für das „Weltfestival der Jugend und Studenten für den Frieden in Ostberlin“ 1951 entwarf. Es zeigt die Taube, umringt von vier Gesichtern in den Hautfarben Schwarz, Rot, Gelb und Weiß.

Picasso blieb zeitlebens Mitglied der Kommunistischen Partei. Allerdings kam es 1953 zu einem Skandal, als Picasso anlässlich Stalins Tod im Auftrag der Partei ein Porträt des russischen Diktators anfertigte, das zunächst auf der Titelseite der linksgerichteten Wochenzeitung „Les Lettres Francaises“ erschien und anschließend in so gut wie allen Zeitungen der Welt. Dieses Porträt, in der Ausstellung zu sehen, zeigt Stalin als jungen Mann. Sein Gesichtsausdruck spiegelt Verträumtheit, vielleicht sogar Verwirrung, und hat mit den üblichen überhöhten Darstellungen Stalins nichts gemein. Das Bild provozierte die Anhänger Stalins in Frankreich und Russland. Angeblich reagierte Picasso auf die Kritik mit Verwunderung und ging danach auf Distanz zur Partei. Man mag sich aber fragen, ob Picasso als raffinierter Selbstvermarkter den Skandal nicht doch beabsichtigt hatte, der seine Berühmtheit letztendlich weiter steigerte.

Zahlreiche Fotografien geben Einblick in die Beziehung zwischen Picasso, Dora Maar, Man Ray und dem in Saint-Denis geborenen Paul Éluard, dem das Musée d’art et d’histoire seine Picasso-Sammlung verdankt.

Picassos Leidenschaft für das Theater dokumentiert die Serie von 22 Handzeichnungen, die der Künstler 1967 für das Buch „Picasso Théatre“ des englischen Kunsthistorikers Douglas Cooper schuf. Zu sehen ist zum Beispiel der Kopf einer Pulcinella-Figur mit rotem Hut, über und über mit bunten Kringeln übersät. Oder die wunderschönen Tuscheskizzen, auf denen menschliche Köpfe, Vorhänge und Requisiten wild miteinander verwirbeln.

Parallel werden in der Ausstellung „Deutsche Malerbücher – Vom Jugendstil zum Expressionismus“ Holzschnitte, Lithografien und Radierungen aus 38 Büchern und Mappenwerken präsentiert. Künstler wie Max Liebermann, HAP Grieshaber und Emil Schumacher treten in Dialog mit literarischen Texten.

Bis 19. 8., di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 0251/ 41 44 710,

www. kunstmuseum-picasso-muenster.de

Katalog 22 Euro

Quelle: wa.de

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