Morgner-Stipendiatin Adriane Wachholz in Soest

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Stipendiatin Adriane Wachholz vor einer ihrer noch namenlosen Installation im Morgner-Haus in Soest ▪

Von Bettina Boronowsky ▪ SOEST–Im Soester Wilhelm-Morgner-Haus ist nichts mehr, wie es war. Die Künstlerin Adriane Wachholz hat Wände verschoben, verdecktes Mobiliar freigelegt und einen Rundgang zugestellt. Sie hat den vorhandenen Raum zugunsten ihrer Installationen neu definiert.

Im Gegenzug stellt sie diese Installationen ganz auf den Raum ab, spannt Schnüre von Wand zu Wand, greift Gestaltungselemente wie Lamellen, Leisten und Rohre auf und wiederholt sie zeichnerisch bis ins Unendliche. Auf diese Weise eröffnet sie dem Betrachter einen anderen Blick auf Bekanntes, macht erstaunliche Entdeckungen möglich und provoziert manchen Aha-Effekt.

„Der Kamin und sein Inneres“ hat Wachholz ihre Ausstellung überschrieben. Der Gedanke dahinter: „Man glaubt immer, man weiß, wie so ein Kamin von innen aussieht. Aber weiß man's wirklich? So ähnlich ist es auch mit den Räumen des Morgner-Hauses.“

Mit der Ausstellung beschließt die 31-jährige Münsteraner Künstlerin ihren halbjährigen Aufenthalt als Wilhelm-Morgner-Stipendiatin in Soest. Die Geförderten sollen sich von der Stadt anregen lassen und möglichst auch das Soester Kulturleben befruchten, sieht die Ausschreibung vor. Adriane Wachholz hat diese Bedingung auf besondere Weise erfüllt. Ihre „Kamin-Innenschau“ reflektiert eher unbeabsichtigt den Funktionswandel des Morgner-Hauses und die damit einher gehenden Änderungen in der Soester Kulturszene.

Die von Wachholz freigelegte Garderobe beispielsweise erinnert an die 1960er Jahre. Das Morgner-Haus war ein Mehrzweckbau mit Theatersaal und Jazzkeller. Später diente es als Ausstellungsstätte, Archäologen-Lager, Bilder-Archiv. Zwischendurch war ernsthaft daran gedacht worden, den Bau zu verkaufen, ein Kino einziehen zu lassen.

Zuletzt geriet das Haus vor sechs Jahren in die Schlagzeilen, als hier „die erste private Galerie in einem öffentlichen Museum“ eröffnet wurde. Die aber hat im Sommer ihre Türen geschlossen. Der Mietvertrag war abgelaufen, der Galerist zog sich zurück.

Jetzt scheint der Weg für das Haus klar: Mittelfristig soll ein Museum entstehen, das sich vor allem den westfälischen Expressionisten widmet und wechselnde Schauen aktueller Kunst präsentiert. Wie dieses Konzept realisiert werden kann, zeigte jüngst die Schau der zehn Finalisten des Wilhelm-Morgner-Preises. Sie war im gesamten Haus zu sehen und kontrastierte zu der Dauerausstellung mit städtischem Kunstbesitz im Saal.

An der Geschichte des Hauses, die Wachholz thematisiert, lässt sich der Wandel im Soester Kulturleben ablesen: Von der rein kommunalen Kulturverwaltung hin zu privat initiierten und geförderten Veranstaltungen. Eckhard Ruthemeyer, Soester Bürgermeister, preist gerne und oft dieses „bürgerschaftliches Engagement“.

Bestes Beispiel dafür ist Adriane Wachholz‘ Wirken: Ihr Wilhelm-Morgner-Stipendium wurde vor fünf Jahren von einer Gruppe engagierter Bürger, dem Kultur-Parlament, und einer privaten Stiftung wiederbelebt, nachdem es acht Jahre zuvor aus finanziellen Gründen eingeschlafen war.

Adriane Wachholz ist die dritte Stipendiatin. Mit ihr endet die erste Runde. Die Fortsetzung ist dank engagierter Sponsoren gesichert.

Eröffnung heute, 18 Uhr. Bis 13.2.; di – sa 10 – 12 und 15 – 17, so 10.30 – 12.30 Uhr. Zum Schluss der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Tel. 02921 / 1 35 24

http://www.adrianewachholz.de

Quelle: wa.de

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