Mondlandung: „Sommer 1969“ im Naturkundemuseum Münster

Auf dem Mond: Der Pilot der Mondlandefähre Edwin „Buzz“ Aldrin posiert für ein Foto, das Neil Armstrong aufnahm, zu sehen in der Ausstellug „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“ im Naturkundemuseum Münster. Foto: nasa

Münster – Echtes Mondgestein, ein Trainingsschuh der Astronauten und echter Mondstaub sind in der Ausstellung „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“ zu sehen. Wie hat dieses eruptive Ereignis auf Menschen gewirkt, fragt die Schau vom Museumsamt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Es geht ab Karfreitag im Naturkundemuseum, wo 123 Objekte, sechs Medienstationen und über 100 Fotografien zu sehen sind, nicht nur um Fortschrittsoptimismus, sondern auch um die kleinen Dinge.

Denn der Mondstaub brachte den Handstaubsauger auf den Weg. Der gefährliche Staub vom Mond musste von den Astronauten-Anzügen herunter, bevor es zurückging. So entwickelte die Nasa ein Gerät mit Akku, wie es ganz ähnlich später in unserem Alltag Verwendung fand.

Außerdem entkräftet der Mondstaub der Apollo-11-Mission hartnäckige Verwörungstheorien, wonach die Nasa nur TV-Bilder gesendet habe, aber gar nicht auf dem Himmelkörper gewesen sei. Neil Armstrong – nur eine Fake News? „Nein“, weiß Kurator Felix Banzhaf vom Museumsamt, Mondstaub habe kleine Krater auf jedem Körnchen und scharfe Kanten. „Sand und Staub von der Erde sind immer rundgeschliffen“, sagt Banzhaf, der auch an die Triangulation (Kreuzpeilung) erinnert, die seinerzeit von der Sternwarte in Bochum vorgenommen wurde. Die Wissenschafter um Heinz Kaminski konnten aus dem Funkverkehr zwischen Housten/Texas und Apollo-11/Mond (in der Distanz zu Bochum) nachweisen, dass die Sendesignale tatsächlich vom Planeten stammten.

Gibt es auch eine Verbindung zu Westfalen in Sachen Mondlandung? Hierzulande seien die Menschen ähnlich begeistert gewesen, wie andernorts in Deutschland, sagt Jan Ole Kriegs, Direktor des Naturkundemuseums. Es gibt also keine ethnologische Besonderheit, wonach Westfalen 1969 besonders somnambul waren. Aber für Ladbergen, nordöstlich von Münster, hatte Neil Armstrong, erster Mensch auf dem Mond, eine Nachricht. Sein Urgroßvater kam aus Ladbergen und war 1864 über Bremerhaven ausgewandert. Er wollte nicht zu den Preußen, die Krieg mit Dänemark führten. Und so standen Verwandte vom Kötterhof am 13.10. 1969 auf dem Rollfeld in Köln, um Neil Armstrong zu herzen, der auf Promotiontour in Europa war. Eine herrliche Geschichte, die den WDR zu einem TV-Bericht veranlasste – zu sehen in einer der Medienstationen der Ausstellung.

Es gibt zahllose Storys um die Mondlandung vom 20. Juli 1969, als um 22.20 Uhr der Mondlander aufsetzte und gegen 4 Uhr Neil Armstrong ausstieg. Wer die TV-Bilder damals gesehen hat, wird sie nicht vergessen! Der WDR sendete 28 Stunden lang.

Nicht nur die Begeisterung wird in Münster thematisiert. Die Ausstellung ist ausgesprochen vielfältig und ausgewogen. Der Raketenantrieb wird nicht als Ingenieurskunst gefeiert, sondern als Kriegstechnik eingeordnet. In Münster sind die Spitze einer V2 (aus Blech) und ein Sauerstoffzerstäuber dieser NS-Waffe zu sehen. Darunter liegt ein KZ-Anzug, den Zwangsarbeiter in Mittelbau-Dora getragen haben, wo die V2 im Zweiten Weltkrieg produziert wurde. Wernher von Braun hatte die V2 entwickelt. Dass seine dreistufige Saturn-V-Rakete nicht nur Atom-Sprengköpfe transportierte, sondern auch Menschen ins All bringen sollte, war die Reaktion der USA auf den Sputnik-Satelliten, den die UdSSR 1957 in eine Erdumlaufbahn gebracht hatten. John F. Kennedys Rede 1962 „We chose to go to the moon“ („Wir beschließen, zum Mond zu gehen“) forcierte den Wettlauf. Ein Video dazu macht Zeitgeschichte spürbar. Wirklich packend.

Wie intensiv der Mond die Fantasie beschäftigte, wird mit Publikationen von Jules Verne, Heinrich Heine („Der Mond ist aufgegangen“, 1827) und H. G. Wells („Die ersten Menschen im Mond“, 50er Jahre) belegt. Und die Reihe „Perry Rhodan“ lebte in den 70er Jahren vom Zukunftsoptimismus, der im „Sommer 1969“ anhob.

In Münster sind herrliche Beispiele aus privaten Sammlungen zu sehen. Sogar Musik von Frank Sinatra („Fly My to The Moon“, 1969), Elton John („Rocket Man“, 1972) und Friedel Hensch sind auf der Hörstation gespeichert. Der Schlager „Der Mond von Wanne-Eickel“ (1962) erlebte im Sommer 1969 sein Comeback. Auf den dummen Spruch „Wir sind Mond“ ist aber niemand gekommen.

Die Ausstellung

Eine detail- und abwechslungsreiche Schau zur Faszination um einen Himmelskörper.

Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber im Naturkundemuseum Münster. 19. 4. – 23. 6.; di-so 9 – 18 Uhr; Begleitbuch 14,50 Euro; Tel. 0251/591 6050; www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de;

Die Wanderausstellung geht nach Bergkamen 30.6.–25.8., Lüdenscheid 1.9.–27.10., Bielefeld 3.11.–26.1. 2020, Lippstadt 2.2. –29.3. 2020, Dortmund 5.3.–28.6. 2020, Minden 4.7.– 27.9. 2020 und Iserlohn 4.10.–29.11. 2020

Quelle: wa.de

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