Ministerin Schäfer eröffnet kulturpolitischen Dialog

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Ministerin Ute Schäfer hörte in Düsseldorf Kulturschaffenden zu ▪

Von Ralf Stiftel ▪ DÜSSELDORF–Ute Schäfer sucht den Dialog. Die Landeskulturministerin hat am Samstag Kulturschaffende ins Düsseldorfer Ministerium geladen, um die Probleme im Austausch mit den Betroffenen zu besprechen. Offensichtlich hat sie von Fehlern der Vorgängerregierung gelernt. Die hatte ein Gutachten von externen Fachleuten erstellen lassen, das folgenlos blieb. Die Sozialdemokratin spricht lieber mit der Szene als über sie sprechen zu lassen. Der kulturpolitische Dialog soll zur festen Einrichtung werden.

Die Eröffnungsrunde hatte ein Thema: „Hülle statt Fülle?“ Thema sollte sein, ob es sinnvoll ist, ständig neue Museen und Konzerthäuser zu bauen, oder ob man die begrenzten Mittel nicht besser dazu nutzt, die Nöte der bestehenden Einrichtungen zu stützen. Unter der Moderation der Journalistin Christiane Hoffmans und des Ruhr.2010-Geschäftsführers Oliver Scheytt äußerten sich Museumsdirektorin und Intendanten. An dieser Form sollte man noch arbeiten. Es kamen ja durchaus bedenkenswerte Sorgen zur Sprache. So sagte Kasper König, Direktor des Kölner Museums Ludwig, dass die Häuser unterfinanziert seien und forderte Fördermittel vom Land zum Beispiel für das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Museum für ostasiatische Kunst in seiner Stadt. Marion Ackermann, Direktorin der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, nannte das Zentrum für Lichtkunst in Unna als Beispiel für ein „tolles spezialisiertes Museum“. Nur: Wenn man nach Unna fahre, sei das Haus zu. Und immer wieder hörte man die Klage, dass Kulturschaffende in der Politik keine Ansprechpartner fänden. Benedikt Stampa, Intendant des Konzerthauses Dortmund, beklagte den „Wind der Ignoranz“, der über sein Institut hinwegwehe. Stefan Hilterhaus vom Tanzzentrum PACT Zollverein in Essen schlug sogar Fortbildungen für Politiker vor.

Zum Thema trug das allerdings nichts bei. Es gab zwar Positionsbestimmungen. König sagte, es brauche keine neuen Museen, die bestehenden müssten besser werden. Und Stampa meinte, im Moment erreiche sein Haus drei Prozent der Bevölkerung, da wären selbst dreimal so viele Konzerthäuser nicht genug. Aber es fehlte eine argumentative, mit Fakten fundierte Diskussion zur Frage.

Vielleicht hatte man die falschen Gesprächspartner eingeladen. Vielleicht hätte Norbert Hilchenbach, Intendant des Hagener Theaters, mehr zu erzählen gehabt, dessen Haus von Schließung bedroht ist, während im Kulturhauptstadtjahr ein neues Museumszentrum eröffnet wurde. Oder Klaus Weise, der Bonner Intendant, der wegen der Einsparungen an seinem Haus geht. Oder Peter Carp, den Oberhausener Theaterchef, der mit Kreativität immer neuen Kürzungen trotzt.

Vielleicht wurden falsche Fragen gestellt, zum Beispiel die, was aus dem Ensemble der verstorbenen Choreografin Pina Bausch in Wuppertal werde. Hilterhaus erwiderte, dass es wichtiger sei, junge aktive Kreative zu fördern, als eine marktgängige Ikone zu musealisieren.

Immerhin: Die Ministerin hat den Kontakt aufgenommen. Der Dialog kann nur nützen. Am 8. Oktober wird er fortgesetzt mit dem Thema „Massenkultur versus Elite“.

Quelle: wa.de

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