Metallarbeiten von Günter Haese auf Schloss Cappenberg

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Feinarbeit: Der Künstler Günter Haese an seiner Arbeit „Optimus I“ auf Schloss Cappenberg. ▪

Von Anke Schwarze ▪ SELM–Unter den Schritten schwingt der Parkettboden im Schloss Cappenberg und die Ausstellungsobjekte beginnen zu vibrieren. Kleine Spiralen scheinen zitternd ihre Fühler auszustrecken. Zarte Kugelgebilde zucken in einem Geflecht hauchdünner Messingbeinchen. Filigrane Bronzeschirmchen beginnen zu wippen.

Mit der gebotenen Vorsicht können sich die Besucher den empfindlichen und lebendigen Metallplastiken des Künstlers Günter Haese nähern. 70 Plastiken von Haese zeigt die Ausstellung des Kreises Unna unter dem Titel „Kosmen der Stille“. 20 Grafikblätter ergänzen die Werkschau.

Grafiken stehen am Anfang von Haeses künstlerischem Schaffen. Bereits hier spielt er mit linearen Strukturen, die später sein plastisches Werk beherrschen. Monotypien aus dem Jahr 1959 zeigen ein Gewimmel von Uhrrädchen, eingebunden in geometrische Formen und feine Linien. „Ich habe diese Grafiken mit echten Uhrteilen gedruckt“, erklärt Haese. Irgendwann spielte er mit den Uhrteilen auf dem Tisch herum, versuchte, sie räumlich anzuordnen. Von dem Moment an gab Haese die zweidimensionale Kunst auf und eroberte sich den Raum mit feinen Drähten, Spiralen und Federn aus Messing und Phosphorbronze. Seine erste Plastik „Seraph“ (1962) markiert den Beginn einer außergewöhnlichen Karriere.

Einige Objekte bilden würfel- oder kreisförmige Umrisse aus Metalldrähten. Innen stecken Spiralen oder Kugeln, die Haese auf ein Gitternetz aus so feinen Drähten gelötet hat, dass sie zu schweben scheinen. Andere Objekte durchstoßen den Raum in unregelmäßigen, manchmal bizarren Formen. „Janus“, eine Plastik aus zwei versetzten Halbkugeln, erinnert an Raumfahrttechnik. Die langen Stäbe mit den Kugelköpfen von „Ante Portas“ erscheinen wie schwankende Schilfrohre. Gehämmerte Metallplättchen auf Spiralbeinen hocken in Minikäfigen aus gestricktem Messinggarn. Obwohl Haese immer dieselben Materialien und Grundformen verwendet, eröffnet jedes Objekt neue Perspektiven und Reize in seinen mechanischen Bewegungen.

„Diese Anordnung muss man empfinden“, sagt der Künstler. Dem Zufall überlässt er nichts. „Haese weiß genau, wie er seine Materialien ausbalancieren muss“, erklärt Thomas Hengstenberg, Kulturdezernent des Kreises Unna. Haese arbeitet minutiös wie ein Uhrmacher, dessen Materialien er zweckentfremdet. Seine Arbeiten haben ihn schon früh international bekannt gemacht.

An der Kunstakademie Düsseldorf besuchte der 26-jährige Günter Haese im Jahr 1951 die Bildhauerklasse von Ewald Mataré, dem Lehrer von Joseph Beuys. Noch vor Beuys erhielt Haese eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York. Im selben Jahr, 1964, war Haese auf der documenta in Kassel vertreten. Seitdem stellt der Künstler aus, im Ausland öfter als in Deutschland.

In jedem Ausstellungsraum taucht die Form der Spirale auf – jener Form, der auch in der Natur eine mathematischen Gesetzmäßigkeit zugrunde liegt. Ihr absolutes Gleichmaß hat es Haese angetan. Auf kosmische Ordnungen will Haese mit seiner Kunst aber nicht hinausweisen. „Wer etwas darüber hin-aus interpretieren will, kann das tun“, sagt er. Haese schafft seine erfolgreichen Plastiken, weil er an der Wirkung filigraner Körper im Raum interessiert ist. Seine künstlerische Herkunft von der Grafik lässt sich aber nicht verleugnen. Seine Werke sind zwar dreidimensional, haben aber keine Masse. Egal, von welchem Blickwinkel, immer wirken die lineare Strukturen.

Kosmen der Stille – Kunst von Günter Haese auf Schloss Cappenberg

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr;

bis 24. Oktober

di – so 10 – 17.30 Uhr,

Tel. 02306/71170,

http://www.kreis-unna.de

Katalog 22 Euro

Quelle: wa.de

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