Mehr als Herz und Schmerz: Helene Fischer in der Westfalenhalle Dortmund

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Helene Fischer ▪

Von Matthias Dietz ▪ DORTMUND–Es ist erst gut drei Jahre her, da wirbt eine 22-jährige junge Frau namens Helene Fischer beim Fantreffen in einer Werler Zeitungsredaktion für sich und ihre Musik. Promotiontour heißt so 'was und wird gern terminiert, wenn Manager sich ihrer Künstler noch nicht so recht sicher sind. Und in der Tat: Das Konzert wenig später in der 900 Zuhörer fassenden Werler Stadthalle ist nicht mal ganz ausverkauft.

Drei Jahre später ist die Sängerin auf der Karriereleiter in atemberaubendem Tempo nach oben gestürmt. Hier und heute in der Dortmunder Westfalenhalle sind's mehr als 6000 Menschen, die sich davon überzeugen wollen, ob all die Lobeshymnen, mit denen die Künstlerin förmlich überhäuft wird, berechtigt sind. Nach mehr als drei Stunden sind Zweifel auch bei denen beseitigt, die Superlativen skeptisch gegenüber stehen.

Dieses blonde Energiebündel da vorn auf der großen Bühne singt, steppt, juchzt und tanzt sich in die Herzen eines Publikums, das altersmäßig erstaunlich gut durchmischt ist. Was sicher an der Art und Weise liegt, mit der Helene Fischer sich dem Thema Schlager widmet. Damals, mit 22, schwankte sie noch, merkte aber schnell, dass die Schublade der Volksmusik zu unaufgeräumt für sie sein würde. Jetzt, anerkennen Kritiker, sei sie zum „Aushängeschild der Schlagermusik-Szene“ geworden. Schlager mit Anspruch – die Zuhörer erfahren, dass das kein Widerspruch sein muss, auch wenn's natürlich ein Abend der großen Gefühle wird; ein Abend freilich, bei dem sich Herz nicht alle paar Zeilen wieder auf Schmerz reimt.

Helene Fischer schlägt musikalische Kapitel auf, die einige wenige der „Hardcore-Schlagerfans“ ratlos werden lassen. Ihr Auftritt als Lady Gaga ist gewöhnungsbedürftig für die, die sich über jedem Bacherl ein Brückerl herbeisehnen. Gleich nach dem ersten Lied hat sie den ersten Hänger. Routiniers überspielen so was, Helene amüsiert sich köstlich. „Liegt wohl daran, dass ich mich so unglaublich auf euch gefreut habe“, gibt sie zu, aufgeregt zu sein. Was ihr prompt erste Bonuspunkte beschert.

Als ein kleiner Junge ihr eine Blume überreichen will und der Steppke ihr einfach nicht nah genug kommen mag, legt Helene sich bäuchlings auf die Bühne und robbt zu dem Kleinen, um sich ihr Präsent abzuholen.

Neben der Band wird Fischer von einem 38-köpfigen Orchester aus Minsk begleitet, was dem Konzert eine besondere Note verleiht. Helene wirbelt hindurch zwischen Violinist und Klarinettist, hat erkennbar Spaß am kleinen Flirt mit dem Mann am Flügelhorn. Sie legt unglaubliches Tempo an den Tag in dieser schwülwarmen Halle.

Nach der Pause ein besonderer Moment. Helene lässt die schwarze Lederjacke in der Garderobe und steht unerwartet im schwarz-gelben Trikot der Borussia auf der Bühne. Für zwei, drei Lieder schwappt die Welle der Glückseligkeit, die die Stadt in diesen Tagen erfasst, herein in die Westfalenhalle. Als 6000 Menschen die BVB-Hymne anstimmen, lacht Helene. Dieses Lied müsse sie wohl erst noch lernen, gibt sie zu.

Als der Applaus nach einer grandiosen Musical-Einlage nicht enden mag, schließt Helene Fischer kurz die Augen. Glücksmomente pur. Für ihr Publikum – vor allem aber für sie selbst.

Weitere Konzerte: 25. Juni in Münster, 26. Juni in Köln.

Quelle: wa.de

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