Mehmet Gülers Bilder auf Schloss Cappenberg

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„Genuss der Sonne“ (1997) nennt Mehmet Güler sein Gemälde, das auf Schloss Cappenberg zu sehen ist.

SELM - Mehmet Güler ist ein erfolgreicher und zufriedener Künstler. Seit 1977 sei er freischaffend, erzählt der 69-Jährige, der seine Kunst fortwährend verkaufen konnte. Das zu sagen, ist ihm wichtig.

Von Achim Lettmann

Güler zählt zu den Künstlern aus der Türkei, die international anerkannt sind, und deren Stil und malerische Handschrift einen hohen Wiedererkennungswert haben.

Am Sonntag wird auf Schloss Cappenberg in Selm (11.30 Uhr) eine retrospektive Ausstellung eröffnet: „Mehmet Güler. Im Rausch der Farben“ zeigt rund 140 Bilder. Es ist nicht die erste, denn schon 1999 waren Güler-Bilder auf Schloss Cappenberg zu sehen. Thomas Hengstenberg, Fachbereichsleiter des Kreises Unna, hatte bereits vor 35 Jahren Mehmet Güler an anderer Stelle präsentiert.

„Ich wollte immer etwas Neues“, sagt Güler, um zu belegen, dass er sich nicht auf eine visuelle Methode verlassen hat. Schöpferische Arbeit finde nur durch Wandel statt, sagt Mehmet Güler, wer immer das gleiche Konzept verfolgt, der produziere nur.

Güler ist in Malatya (Ostanatolien) geboren. Er verließ die Heimat, um in Ankara und Kassel zu studieren. Trotz seiner Position als Hochschullehrer in der türkischen Hauptstadt ging er 1977 wieder nach Deutschland. Er spürte, dass sich die politische Entwicklung in seinem Land gegen ihn richtete. Weil er in Kassel 1976 an der Kunsthochschule ein Diplom abgelegt hatte, zog es ihn mit seiner Familie wieder in die hessische Stadt. In den ersten Jahren beschäftigte er sich noch mit den inneren Bildern aus der anatolischen Dorfwelt. Mitte der 1980er Jahre interessierten ihn die Gegensätze von orientalischer und westlicher Kultur. Güler wurde zu einem Vermittler, ohne dass er in seinen Bildern politisch wurde. Das Weiß stehe für Freiheit, dunkle Farben für eine Gesellschaft, die mit Religion und Riten auf Tradition setze, sagt Güler. So schieben sich in vielen seiner abstrakten Bildkompositionen hohe schlanke Formen in ihren Farbkonstrasten aneinander. Solche Berührungen und Begegnungen bilden das vitale Zentrum seiner Malerei. Ob dabei etwas Aufblühendes, eine entschlossene Bewegung oder eine tiefe Perspektive entsteht, alles strebt zu einer kompositorischen Balance – wie in „Genuss der Sonne“ (1997). Für Mehmet Güler ist Toleranz eine Voraussetzung zur Weiterentwicklung der Kulturen.

Die aufrechten Formen, die mal mehr mal weniger abstrakt in seinen Bildern zu sehen sind, gehen auf die Frauen in seinem Heimatdorf zurück. Drei Bilder aus den 1980er Jahren (zum Beispiel „Ein neuer Anfang“, 1988) zeigen Dorfbewohnerinnen, die neben breiten Tüchern stehen. In Ostanatolien werden sie gespannt, um Schatten zu gewinnen. Bäume sind in der kargen Landschaft selten. „Mich hat das Leben von Frauen berührt“, sagt Güler, der auch seinen podestfreien Skulpturen mit schmalen Hüften und langen Beinen weibliche Attribute verleiht: „Sich behaupten“ und „Verletzlichkeit der Frau“ sind zwei getitelt.

Güler zeichnet auf die Leinwand, er schreibt darauf, er wird gestisch und tobt sich mit Farben aus. Und gerade in seinen großen Formaten nimmt die Kraft dieser Farben zu. Wie in einem Gemälde von 2008, das das Flimmern des türkisfarbenen Wassers an türkischen Stränden, einen Steg mit Menschen und Badende abstrahiert. Es ist eine warme wohltuende Botschaft in Farbe. Auch sein aktuellstes Bild findet in Rot und Blaugrün eine Balance, die optimistisch ist und ausdrückt, was Mehmet Güler derzeit fühlt: „Glück ist ... was du hast.“

Eröffnung am Sonntag, 12.10., um 11.30 Uhr. Bis 12. April 2015; di-so 10 bis 17 Uhr; Katalog 24 Euro, www.kulturkreis-unna.de

Quelle: wa.de

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