„Max und Moritz“ tanzen in Essen

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Ritzeratze: Max (Breno Bittencourt, links) und Moritz (Denis Untila) sägen gleich in die Brücke eine Lücke. Szene dem Essener Aalto-Thaeter. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ ESSEN–Ritzeratze sägen sie an der Brücke, und gleich wird Schneidermeister Böck nass. Auch der dritte Streich der beiden erziehungsschwierigen Bengel glückt. Ihre Schadenfreude toben „Max und Moritz“ (Breno Bittencourt, Denis Utila) in artistischen Sprungkaskaden und fantastischen Pirouetten aus. Der arme Böck hingegen hustet in Breakdance-Verrenkungen, bis die Gattin ihn mit dem riesigen Bügeleisen trocken dämpft.

Michael Kropf bringt die Choreografie von Edmund Gleede (uraufgeführt 1984 in München) auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters. Eine kunterbunte, komische und gut konsumierbare „Ballettkomödie nach Wilhelm Busch“.

Dass auch er säge, und zwar am Renommee des Essener Aalto Ballett Theaters, das wird seinem Direktor Ben Van Cauwenbergh vorgeworfen: Bunte und bewährte Belanglosigkeiten bringe die Sparte unter seiner Ägide (seit 2008) heraus; ambitioniert seien allein die Auslastungszahlen von regelmäßig über 90 Prozent. Auch für viele „Max-und-Moritz“-Vorstellungen gibt es nur noch Restkarten. Munition für Kritik an Van Cauwenbergh liefert die Produktion aber nicht. Sie will die ganze Familie unterhalten, und diesen Anspruch löst sie äußerst vergnüglich ein. Das Publikum bejubelte die Premiere.

Kostüme (Friedrike Singer) und Bühne (Manfred Waba) zitieren detailgenau die Holzstiche von Wilhelm Busch (1865): Die enge Küche von Witwe Bolte ebenso wie das alkoholisch befeuerte Orgelspiel von Lehrer Lämpel. Possierliche Maikäfer krabbeln aufs rotweiß-karierte Federbett von Onkel Fritze und greifen nach seiner spitzen Nase.

Oft wird das klassische Ballett parodiert –  auch wenn sich die Komödie überwiegend seiner Ausdrucksformen bedient. Da scharren Witwe Boltes Hühner auf dem Bühnenboden und schlagen ihre am Ellbogen geknickten Arme als Stummelflügel. Auf Spitze tanzen sie vor dem Hahn an – dem es ganz egal ist, dass sie fast so elegant schreiten wie Schwäne.

Dazu gibt es ein opulentes Stepptanz-Finale, Max und Moritz kloppen sich in Slapstickmanier, und der dicke Müller kommt mit seinem ausgestopften Hinterteil nicht hoch, sondern gibt in einem Breakdance-Move eine sich um die eigene Achse kugelnde Windmühle.

Die Musik nahm Gleede von Gioacchino Rossini. In Essen spielen die Bochumer Symphoniker unter Volker Perplies, und sie setzen pfiffige Pointen, ohne jedoch die Musik zu karikieren. Das getragene „Lamento“ wirkt von allein urkomisch, wenn Witwe Bolte – auch sie hier auf Spitze – umständlich und dramatisch ihr totes Federvieh vom Baum pflückt. Hier trifft die Choreografie genau Buschs Verhohnepiepelung seiner piefigen Mitbürger.

Termine: 9., 11., 14., 26., 28. April; 4., 6., 9. Mai; 6., 7., 8. Juli. Kürzere Vormittagsvorstellungen gibt es für Schulklassen; Tel. 0201/ 8122200

http://www.aalto-ballett-theater.de

Quelle: wa.de

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