Matthias Polityckis Gedichtband „London für Helden“

Von Ralf Stiftel ▪ Matthias Politycki: London für Helden. Hoffmann und Campe, Hamburg. 96 S., 18 Euro. Gedichtbände gehören nicht gerade zu den Brennern auf dem Buchmarkt. Dieser aber hat das Zeug zum Hit.

Der Autor, Jahrgang 1955, lebte ein Vierteljahr lang als Writer in Residence in London. Eine seiner produktiven Ideen: eine Tour durch die typisch englischen Pubs, in denen „Real Ale“ ausgeschenkt wird, Bier aus Hausbrauereien, gefertigt nach der britischen Entsprechung zum deutschen Reinheitsgebot. Auf fast 90 Seiten folgen wir Politycki und seinem Begleiter, dem „Pfalzgraf“, dabei, wie sie sich so richtig die Kante geben, alles im Langgedicht mit freien Metren und ungereimt. Ein ungetrübtes Vergnügen war diese Tour de Bier nicht, denn ob London Pride, ob Sherlock Holmes Ale, ob Dog‘s Bollocks oder Skunk Triple FFF, das schmeckte ihnen stets malzig, „und im Abgang nach... Nach verranztem Murmeltier? ‘nem räudigen Kater? Nach Ziegenbock?“ Nein, in Wirklichkeit schmeckten die Ales alle „nach altem Feudel“. Die Helden und mit ihnen die Verse werden immer trunkener (das können sie gar nicht in einer Nacht in sich reingeschüttet haben!), die Gebräue nicht schmackhafter. Aber über einem Goering-Beer und einem Spitfire aus Kent kommen sie ins Gespräch mit den Umstehenden und hören allerlei originelle Witze über den Krieg. Ein famos fabuliertes Heldenepos vom Kampftrinken.

Matthias Politycki liest aus seinem Buch am Donnerstag, 19.30 Uhr, im Harenberg City Center Dortmund.

Quelle: wa.de

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