Die Manic Street Preachers überzeugen in Köln

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Wütende Lieder mit einem Schuss Melancholie: James Dean Bradfield von den Manic Street Preachers ▪

KÖLN - Britpop – ja, das seien sie auch mal gewesen, sagt James Dean Bradfield, Sänger und Gitarrist der Manic Street Preachers. Auch zur Manchester-Szene und zum Grunge habe man die Band schon gezählt. Etiketten, auf die das walisische Trio wenig gibt. Seit den späten 1980er Jahren machen sie Gitarrenrock und zählen in Großbritannien zu den Stars der Szene. Am Sonntagabend zeigten sie im Kölner E-Werk eine beeindruckende Werkschau.

Von Jörn Funke

Punk und Glamrock wollte die Band aus der Bergarbeiterstadt Blackwood zusammenbringen, wütende Gitarren, politische Provokation und große Melodien. Zehn Studioalben sind seit 1992 erschienen, derzeit tourt das Trio mit der zweiten Greatest-Hits-Zusammenstellung „National Treasures“. In Großbritannien spielen sie in großen Arenen, auf dem Kontinent in kleineren Hallen.

Die Zuschauer im E-Werk sehen eine energiegeladene Show, 23 Songs in nicht ganz eindreiviertel Stunden, keine Zugabe. Es geht Schlag auf Schlag durch die Bandgeschichte. Das Trio hat eine festgelegte Arbeitsteilung: Drummer Sean Moore verschwindet hinter seiner Schlagzeugbatterie, Sänger Bradfield gibt den maskulinen Rockstar und Bassist Nicky Wire die androgyne Diva – mit Seemannsmütze und Federboa am Mikrofonständer.

Dass da jemand fehlt, wird nicht verschwiegen. Richey Edwards, der vierte „Manic“ verschwand 1995 spurlos – Suizid wird vermutet. Seine Kollegen verneigen sich im E-Werk vor ihm und bedienen dabei alle Rock'n'Roll-Klischees: Ein Hoch auf den Mann, der immer eine gute Zeit in Köln hatte – mit spektakulären Trinkerlebnissen.

Die Tragik der Manic Street Preachers liegt darin, dass Edwards' Verschwinden die Band musikalisch rettete. Nach einer uninspirierten Phase brachte die Verlusterfahrung in der Band einen melancholischen Unterton hervor, der Alben wie „Everything Must Go“ (1996) und „This Is My Truth Tell Me Yours“ (1998) auszeichnet. In Köln verabschieden sie sich mit einem Stück aus dieser Zeit: „If You Tolerate This Your Children Will Be Next“, ein Nummer-eins-Hit über eine unperfekte Welt, mit einer perfekten Melodie.

Quelle: wa.de

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