Malerei von Pia Fries in Iserlohn

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Sieht nach Objekten aus, ist aber abstrakt: Das Gemälde „Chion“ (2006/7) von Pia Fries, zu sehen in Iserlohn. ▪

Von Marion Gay ▪ ISERLOHN–Die Formen aus Rosa, Hellblau und Orange scheinen sich aufeinander zuzubewegen. Wie wildgewordene Zuckerstangen oder Lollis, dick mit Guss versehen. Sie flutschen über den weißen Untergrund, kreisen über Pfützen aus weichem Abricot und zartem Türkis.

Das Bild „Hollar“ (2006-7) ist eins von 15 Werken von Pia Fries, präsentiert in der Villa Wessel in Iserlohn. Die in Düsseldorf und Berlin lebende Künstlerin erhielt den mit 15 000 Euro und einer Ausstellung dotierten Iserlohner Kunstpreis der Bürgerstiftung der Sparkasse. Zu sehen sind Ölgemälde und Arbeiten auf Papier aus den Jahren zwischen 1999 und 2011.

Seit seiner Einführung in 2003 wurde der Iserlohner Kunstpreis nun zum fünften Mal verliehen. Er ehrt bereits etablierte Künstler aus dem Bereich Malerei und Skulptur, Preisträger waren unter anderem David Nash und Leiko Ikemura. Alexander Klar, Direktor des Museums Wiesbaden, erklärte die Entscheidung der Jury: „Die Malerei von Pia Fries changiert zwischen abstrakten Gesten und Gegenständlichkeit. Auf kräftige Holzplatten aufgegossen und mit Hilfe von Spachteln, Walzen und Pressen geformt, entwickelt die Farbe auf ihren Bildern ein Eigenleben als pastoses Relief, auf dem die Materialität der Farbe eine herausragende Rolle spielt.“

So ragen die intensiven Ölfarben auf dem Bild „Chion“ (2006/7) teilweise fingerdick von der Holzplatte auf. Blau, Rot und Weiß stehen voneinander getrennt nebeneinander, während sich gegenüber Rosa und Blau zu einem Schlammton vermischen. Das erinnert ein bisschen an Zahnpasta oder verrührte Eiscreme, nicht zuletzt wegen der Bonbonfarben, die in ihrer Zuckersüße manchmal schwer zu ertragen sind. Sämtliche Bilder der Ausstellung scheinen aus einer Serie zu stammen, immer gibt es pastellfarbene Siebdruckflächen, die mit Ölfarbe übermalt oder ergänzt werden. Nach gegenständlichen Bezügen sucht man vergebens, es geht um Farbe und um die Stofflichkeit von Farbe. Oft erscheinen die Bilder wie Collagen, die Ölfarbe erinnert an etwas Aufmontiertes, an einen Streifen Stoff oder Gummi. Wie bei der Arbeit „Lackbaum“ (2007): In die grüne Ölfarbe ist ein dichtes Gewebe aus Strukturen eingeritzt, die oberen Formen überlappen sich und erinnern an Blätter. Das Ganze wirkt organisch und dreidimensional.

Die 1955 in Beromünster in der Schweiz geborene Pia Fries studierte Bildhauerei, bevor sie an die Kunstakademie Düsseldorf wechselte, wo sie Meisterschülerin von Gerhard Richter wurde. Seit 2009 hat sie eine Professur für Malerei an der Universität der Künste in Berlin.

Bis 22.1.; di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr

Tel. 02371/14238

http://www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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