Der Maler Wilhelm Wessel in der Villa Wessel Iserlohn

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Ein Echo des Gegenstands ist noch sichtbar: Wilhelm Wessels Bild „Basalt und Muschelgestein“.

Von Marion Gay ▪ ISERLOHN–Wie Lava glüht das Orange-Rot. Daneben, das Grau, wirkt krustig, wie Asche. Dunkle Stümpfe ragen dazwischen auf – Kamine, Ruinen, abgeknickte Baumstämme? Das Bild „Lorca“ (1957) erinnert an Krieg und Zerstörung. Es ist eins von 18 Gemälden des Informel-Malers Wilhelm Wessel, die in der Villa Wessel in Iserlohn zu sehen sind. Die Arbeiten stammen aus den Jahren 1952 bis 1964 und sind Leihgaben aus Privatbesitz, die zum größten Teil erstmalig gezeigt werden.

Die letzte Ausstellung mit Werken des 1971 verstorbenen Künstlers fand 2002 hier statt. Wessel, geboren 1904 in Iserlohn, hatte bei Karl Hofer studiert und arbeitete als Zeichenlehrer, bis er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eintrat. In der Zeit verfasste er die Propaganda-Bücher wie „Mit Rommel in der Wüste“ (1943).

Seine NS-Vergangenheit hinderte Wessel nicht daran, nach 1945 Anschluss an die künstlerische Moderne zu suchen. Nach Aufenthalten in Italien und Frankreich in den 50er Jahren fand Wessel zu seiner abstrakten Formensprache. Zu sehen ist das im Bild „Abendliche Bucht“ (1952), das Boote und Klippen der Insel Ischia erkennen lässt, sie aber gleichzeitig verfremdet. Die Farben sind übersteigert, Boote und Felsen fächern sich in Dreiecke auf. Im gleichen Jahr wurde Wessel Vorsitzender des Westdeutschen Künstlerbundes, wo man heftig darüber diskutierte, welche Kunst denn nun die richtige wäre: die abstrakte oder die gegenständliche?

Wessel löste sich mit dem Bild „Basalt und Muschelgestein“ (1953/4) weiter vom Gegenständlichen. Die klar umrissenen Formen leuchten in kräftigen Farben und wirken wie Früchte. 1954 ist das Jahr, in dem der Künstler die Villa in der Iserlohner Gartenstraße erwirbt und mit seiner Frau, der Malerin Irmgart Wessel-Zumloh, darin Wohnung und Atelier bezieht. Hier entstehen Bilder wie „Im Grau“ (1955) und „Fantome du Blanc“ (1957), in denen sich nichts Gegenständliches mehr finden lässt. Wessel konzentriert sich auf die Farbe, die er dick aufspachtelt, die an manchen Stellen aufplatzt und darunter liegende Farbschichten frei gibt, und so an Erdkrusten erinnert. Auch Collagen sind zu sehen, wie z.B. „Gelber Gartenplan“ (1957), in das der Künstler Scherben, hölzerne Fundstücke und Steine einbaut, sodass eine bunt gesprenkelte Fläche entsteht, die wie ein Stückchen Landschaft wirkt. „Heraldisch“ (1962) dagegen strahlt vor allem Ruhe aus. Die schwarze Form umspannt das steinähnliche Gebilde wie ein Gerüst, das Braun dahinter leuchtet in vielen Nuancen, Linien unterbrechen die Farbflächen.

Bis 27.6., di – fr 15 – 19 Uhr, sa 12 – 16 Uhr, so 11 – 17 Uhr,

Tel. 02371/14238

http://www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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