Che Malambo in der Kölner Philharmonie

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Energie und Rhythmus: Zwei Boleadoras werden von einem Gaucho geschwungen und im Hintergrund tönen die Bombos, die Zylindertrommeln, in der Kölner Philharmonie.

KÖLN Der tiefe und schwere Klang der Bombo erfüllt die Philharmonie in Köln. Zwölf Trommler spielen mit zwei Sticks auf ihren Ziegenfelltrommeln, dann tanzen die Argentinier dazu. Rhythmus und Bewegung, Technik und Schrittfolgen verstrahlen Kraft und Strenge. Ein sehr wuchtiger Auftritt.

„Che Malambo“ nennt sich das Projekt, das Gilles Binas entwickelt hat. Der französische Choreograf, der einst zur Compagnie von Maurice Béjart zählte, hat den Tanz der Gauchos, den Malambo, zu einem Bühnenereignis gemacht. Es geht um Stolz, um Auseinandersetzungen, um Kraft, Mut und Machismo.

Die Tänzer treten nun an, um dem Duell eine ästhetische Erscheinungsform zu geben. Damals als die Gauchos noch Rinder im Süden Argentiniens hüteten, wurden Konflikte mit schnellen Schrittfolgen befriedet. Wer bewegte sich am besten, wer hatte den spektakulärsten Auftritt, im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht um argentinische Folklore, denn als das Land im 19. Jahrhundert neu verteilt wurde – die Spanier waren besiegte worden (1810–1825) –, da gingen die Gauchos leer aus. Statt Pferde und Kühe auf eigene Rechnung zu halten, mussten sie für Großgrundbesitzer arbeiten, was vielen nicht gefiel.

Es zog sie in die Städte vor allem nach Buenos Aires, wo sie ihre Kultur beibehielten, aber am Rand der Gesellschaft lebten. Heute gibt es noch 150 000 Gauchos in Argentinien, und der Malambo findet neue Anerkennung.

Die Schritte der Tänzer erinnern an Figuren aus dem Flamenco und dem Tango. Die Tänzer treten mit den Hacken auf, stoßen aber auch mit der Fußspitze und den Seiten ihrer festen Schuhe auf. Sie stehen mit breiter Brust da, bewegen sich kraftvoll und heftig gegeneinander. Neben Gruppenszenen, Formationstanz und Soli dominiert das tänzerische Duell den Malambo.

Das ist dramaturgisch allerdings wenig abwechslungsreich, aber die Dynamik und Energie ist sicht- und spürbar. Es geht um eine mythische Männerwelt mit modernen wie schicken Accessoires. Schmale Koteletten, kurze Bärte, lange schwarze Haare, Tätowierungen, Muskeln und ein Imponiergehabe zählen zu den Showelementen in der Philharmonie. Das gefiel vor allem dem weiblichen Publikum.

Es gab Szenenapplaus und Bravorufe in Köln – für die tänzerische Leistung. Höhepunkt ist der Zapateo, bei dem die Fuß- und Beinarbeit an wilde Pferde erinnern sollen. Das Tempo der Tänzer ist erstaunlich. Und als sie zu den Boleadoras greifen, ein Lasso, das mit Steinen beschwert ist, werden die Bewegungen artistisch. Die Boladoras surren durch die Luft. Harte Plastikkugeln schlagen aufs Parkett. Im roten Licht oder im harten Spotlight werden herrliche Bühnenbilder zum Malambo produziert. Solche Nummern passten auch ins Varieté.

Das Publikum war begeistert. Und es hätte nicht der Textzeile „Viva Colonia“ bedurft, die ein Gitarrist anstimmte. Wirkungsvoller war seine Ballade und die langsam gespielte Musik, die Sureno genannt wird, eine Spielart des Malambo. Es wurde auch barfuß getanzt, ein wenig Typenkomik versucht. Aber vor allem setzt Choreograf Gilles Binas auf die Überwältigungsstrategien eines rasanten Tanzes, der seine mitreißenden Rhythmen mit der Identität des argentinischen Mannes verbindet.

Bis 5. 8.; Tickethotline: 01806 101011 (20 Cent aus dt. Festnetz); Tel. 0221/280 280 www.koelner-philharmonie.de

Quelle: wa.de

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