Maik und Dirk Löbbert in Münster

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Ein dezenter Rhythmus für den Raum: Die Arbeit von Maik und Dirk Löbbert in der Kunsthalle Münster.

Von Ralf Stiftel MÜNSTER - Wo fängt hier die Kunst an? Die Kunsthalle Münster ist unter dem Dach eines alten Getreidespeichers im Stadthafen untergebracht. Der Raum ist kein anonymer white cube. Er trägt seine Geschichte sichtbar in sich. Zum Beispiel in einer Gestängekonstruktion unter der Decke. Mit Oberlichtern, die meistens verhängt sind, damit Video- oder andere Projektionskunst gezeigt werden kann.

Jetzt aber liegt alles frei. Das gehört schon zur Installation, die Maik und Dirk Löbbert für die Kunsthalle geschaffen haben. Vor allem aber haben sie den großen Ausstellungsraum mit 67 ungefähr 5,50 Meter langen grauen Aluminiumstäben gegliedert, die vom Boden aufragen. Sie wurden einfach an das Gestänge unter der Decke angelehnt (und mit Kabelbinder gesichert). Es ist, als hätte jemand graue, vertikale Geraden gezogen. So entstand ein lichter, aber rhythmisierter Raum, eine Art geometrische Strukturierung. Die Wahrnehmung erinnert an einen lockeren Wald. Der Betrachter kann dabei kaum unterscheiden, was zur festen Struktur des Gebäudes gehört und was hinzugefügt wurde. Und so verbindet die Arbeit Elemente der Lichtkunst und der minimalistischen Skulptur. Wer will, kann die Gliederung des Raums durch vertikale Linien weit in die Kunstgeschichte zurückführen, bis zu den hochentwickelten Säulen in gotischen Kathedralen.

Dabei folgt das Arrangement der Stangen keinem geometrischen Maß. Sie haben leichte Neigungen, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Wie präzise die Arbeit durchdacht wurde, zeigen Maik Löbberts Erklärungen zum Material. Die Stangen mussten aus Aluminium sein, Holz hätte anders ausgesehen. Weil nur das Metall so gerade steht, Holzstangen in dieser Stärke würden sich durchbiegen.

Das Brüderpaar, im Ruhrgebiet geboren, Maik 1958, Dirk 1960, hat gemeinsam eine Professur für Bildhauerei und Kunst an der Kunstakademie Münster. Sie verändern in ihren ortsbezogenen Installationen mit kleinen Eingriffen die Wahrnehmung. In der Kunsthalle machen sie das Volumen des Raums bewusst, beziehen sich auf seine Geschichte als Lager.

Für einen Kontrast zur großen, ruhigen Installation sorgt noch eine Videoarbeit. Auf den vier Wänden sind in mehreren Feldern Videos zu sehen. In jedem Bildfeld dreht sich anfangs eine Scheibe, ein Gerät auf einem Spielplatz. In unregelmäßigen Abständen werden in einzelnen Feldern andere Filmsequenzen eingeblendet. Die Löbberts nennen sie Skizzen. Maik: „Wir sind keine Filmemacher, das sind eher Impressionen.“ So sieht man Handtücher im Wind wehen. Oder eine Aufsicht des Ludgeri-Platzes in Münster, wo die fahrenden Autos hübsch mit der Rotation des leeren Spielgeräts korrespondieren. Es gibt eine Straßenansicht aus New York und dann auf einmal ein Wildschwein, das sich an einem Baumstamm schubbelt.

Bis 28.9., di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr,

Tel. 0251 674 46 75, www.kunsthalle.muenster.de

Quelle: wa.de

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