Liz Magic Laser im Westfälischen Kunstverein

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Die Künstlerin Liz Magic Laser (links) und Kunstvereinsdirektorin Kristina Scepanski in „Public Relations“.

Von Marion Gay Münster - Die Frau im blauen Anzug wirkt wie eine Figur aus der Muppet-Show: Theatralisch breitet sie die Arme aus und schaukelt mit den Schultern. Ihr Kopf ruckt vor und zurück, ihre Hände fliegen durch die Luft.

Die Schauspielerin in Liz Magic Lasers Videoarbeit „Stand behind me“ (2013) performt mit unbewegter Mimik und ohne Ton Reden von acht internationalen Politikern, darunter Obama, Merkel und Netanjahu. Isoliert vom Inhalt und imitiert von der androgynen Schauspielerin erscheinen die Körperbewegungen wie übertrieben-affektierte Theaterübungen, lächerlich einstudiert und unecht. Die Darstellerin hat ihr Publikum im Rücken, ein von Politikern angewandter Trick, einflussreicher zu erscheinen.

Unter dem Titel „Public relations/ Öffentlichkeitsarbeit“ präsentiert der Westfälische Kunstverein in Münster zwei Rauminstallationen und vier Videoarbeiten. Außerdem wird der 80minütige Film „I feel your pain“ (2011) an zwei Abenden im August im Cinema Münster gezeigt.

Die New Yorker Video- und Performancekünstlerin untersucht in ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland aktuelle, vor allem US-amerikanische gesellschaftspolitische Phänomene. Konkret geht es darum, wie Politiker und Medienvertreter mithilfe von Schauspieltechniken und psychologischer Raffinessen die öffentliche Meinung beeinflussen.

Im Café liest man Zeitungen, trinkt Kaffee und diskutiert über Politik. Mit dieser amerikanischen Vorstellung von europäischen Cafés spielt die 1981 geborene Künstlerin in ihrer Installation „Public relations, Café Set“ (2013). Der Kunstverein-Besucher findet hier tagesaktuelle Presse und frischen Kaffee, gleichzeitig läuft das Video „Push Poll“ (2012). Unter „Push Polling“ versteht man die häufig im US-amerikanischen Fernsehen genutzte Strategie, durch geschickt formulierte Fragen Meinung zu konstruieren anstatt sie zu ermitteln. Die Videoarbeit war Lasers Antwort auf eine Einladung des Senders CNN, im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen eine Arbeit zum Thema „Macht“ zu entwickeln. Zu sehen ist eine attraktive Reporterin in einer vordergründig seriösen Umfragesituation. Schnell fällt auf, wie sie die Leute auf der Straße mit Suggestivfragen und einschmeichelnder Gestik in die Falle lockt. Zum Beispiel: „Was bedeutet Ihnen Journalismus?“, „Was sind Ihnen Nachrichten wert?“, „Was bin ich Ihnen wert?“ Dazu tätschelt sie die Wange eines Befragten.

Eine ähnliche Arbeit schuf Laser auch in Münster. Hier spricht die Reporterin einen Passanten mit den Worten an: „Kennen wir uns nicht?“. Während der Mann den Ball auffängt („Kommen Sie aus Münster?“), fährt die Reporterin mit ihren irritierenden Fragen fort, ohne auf Antworten einzugehen. Ein zweiter Bildschirm zeigt einen Mann in der Café-Kulisse, ein professioneller Schauspieler, der sich mit Kommentaren einmischt. Als vermeintlich „kleiner Mann“ gibt er wiederum Meinungen vor und beeinflusst den Betrachter, anstatt ihn mit seinen Beobachtungen in Ruhe zu lassen.

Bis 22. September,

di – so 11 – 19 Uhr

Tel. 0251/ 46 157; www. westfaelischer-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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