Der Männerversteher: Mario Barth auf Schalke

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Im Einklang mit seinen Fans: Mario Barth auf Schalke. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ GELSENKIRCHEN–Schon bevor Mario Barth die 50 Meter breite Bühne betrat, ließ das Publikum in der ausverkauften Schalke Arena eine La Ola nach der anderen herumgehen. Die letzten zehn Sekunden vor seinem Auftritt wurden heruntergezählt wie zu Silvester der Jahreswechsel. Und als er endlich dastand, da kam er erst nicht zu Wort, weil 52 000 Besucher Fangesänge anstimmten.

Der Berliner Komiker ist ein Phänomen. Immer wieder füllt er Fußballstadien, vor ein paar Tagen zum Auftakt in Frankfurt, jetzt in Gelsenkirchen, der nächste Termin Leipzig ist bereits ausverkauft, der Abschluss in Berlin wird es wohl auch sein. Und dabei ist definitiv er der Star, nicht die durchaus erfolgreichen Popbands im Vorprogramm, das den Abend auf sechs Stunden dehnt. Ob Sido oder die Hälfte des Duos Madcon (ein Sänger saß auf dem Flughafen fest), sie werden freundlich aufgenommen. Aber richtigen Jubel entfesselt der Typ im T-Shirt mit dem Mikro.

„Geil“ findet Barth den Erfolg seiner Stadion-Tour mit dem Programm „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“. „Das ist nur hier möglich, ihr seid die geilsten Fans“, ruft er ihnen zu. Dann gibt er die Marschrichtung vor. Die Frauen im Publikum, die würden beim Rausgehen sagen: „So sind wir halt.“ Und die Männer würden sagen: „Er versteht uns.“

Der 38-Jährige beherrscht aber auch die Sprache der Kerle, überfordert sie nicht mit allzu langen Sätzen oder schwierigen Begriffen, wirft ihnen immer wieder mal ein „Geil“ oder „Kacke“ oder „Arsch“ hin. Wenn ein Gag nicht so schnell zündet, wie Barth das gern hätte, dann macht er es wie angeblich seine Freundin, wenn er sie nicht versteht. Er erklärt das nicht (was bei einem Witz auch tödlich wäre). Er wiederholt den Gag einfach noch einmal, lauter. Zum Beispiel, wie er seine Freundin im Baumarkt fragt: „Riechs du nix? Hier brennt‘s!“ Und sie antwortet: „Ich hör nichts.“ Bis das Publikum gemerkt hat, dass hier eine Stelle zum Loslachen ist.

Selten hatte ein Possenreißer ein so einfältiges Themenfeld für seine Späße. In zwei präzise einstündigen Auftritten erzählt er von den Verhaltensauffälligkeiten seiner Freundin, deren Namen er vorsichtshalber verschweigt. Auf eine Viertelstunde dehnt er die Beschreibung davon, wie er vor dem Baumarkt einparken will, sie aber nicht in der Lage ist, ihn einzuweisen. Und blendet dabei die Frage aus, warum ein gestandener Kerl nicht in der Lage ist, ohne weibliche Hilfe in eine Parkbox einzufahren. Aber wer will das wissen, wenn er seinen Kameramann einweist, bis das Bild auf der Projektionsleinwand exakt dem entspricht, was ein Rückspiegel zeigt. Treuherzig versucht er, den Quatsch mit Ausschweifungen und abstrusen Details glaubwürdiger zu machen. Seine Mittel sind begrenzt: Stimmen imitieren, Tonfälle treffen, Figuren charakterisieren – das alles ist ihm nicht gegeben. Er mimt den reinen Toren, der die Seltsamkeiten der Damen bestaunt, eben diese Mädels und die doofen anderen.

Ironie kennt Barth nicht. Er präsentiert sich identisch mit seiner Bühnenrolle, als Kumpel seiner Fans. Immer wieder fuchtelt er mit den Armen, als wolle er einen aufbrandenden Lachsturm eindämmen, um endlich zur Pointe zu kommen. Er kichert, prustet ins Mikrophon, als müsse er über seine eigene Geschichte lachen. Und ganz wichtig: Er beteuert oft: „Das ist eine wahre Geschichte. Ihr lacht darüber, aber ich musste sie erleben.“ So ist das eben in der Welt des Männerverstehers: Jungs machen alles richtig. Frauen verhalten sich irrational.

Sie hören sich Barth trotzdem gern an. Vor dem Auftritt blendet die Technik auf den Leinwänden Handyfotos aus der Arena ein mit Fansprüchen. Das Bild eines Paars ist beschriftet: „Sie will. Er muss.“ Vielleicht die seltsamste Verirrung in weiblichem Verhalten, über die er aber keine Witze reißt. „Frauen musse nich verstehen“, berlinert er, „die musse lieb haben.“

Weitere Auftritte: Essen 5.11., Dortmund 17.12.,

http://www.mario-barth.de

Quelle: wa.de

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