Die Ludwiggalerie Schloss Oberhauen zeigt „Hollywood Icons“

Geheimnisvoll inszenierte George Hurrell 1931 die Schauspielerin Lupe Velez. Foto: John Kobal Foundation

berhausen – Die Schauspielerin Lupe Velez taucht wie aus einem weißen Strudel auf. Nur ihr Gesicht erscheint in dieser Gischt aus Pelz. Das Bild ist streng symmetrisch komponiert, der Fotograf George Hurrell nutzte 1931  überaus effektvoll das Schwarz-Weiß, um den Star als exotische, geradezu übermenschliche Schönheit erscheinen zu lassen.

Zu sehen ist die Aufnahme in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen. Die Ausstellung „Hollywood Icons“ präsentiert mehr als 200 Aufnahmen von der Stummfilmzeit bis in die 1960er Jahre. Es sind sogenannte Standfotografien, im Auftrag der großen Filmstudios aufgenommen für Werbezwecke. Die Standfotos sollten das Interesse wachhalten an den Stars der Goldenen Ära Hollywoods wie Clark Gable, Greta Garbo, Gene Kelly, Marlene Dietrich, Humphrey Bogart. Entsprechend gering geschätzt waren sie zunächst, ein reines Gebrauchsmaterial. Im Lauf der Zeit aber haben die Fotografen eine eigene Ästhetik entwickelt.

Heute sind einige dieser Aufnahmen wirkliche Ikonen, die losgelöst vom Anlass sofort Erinnerungen wecken. Man denke nur an das grandiose Porträt von Audrey Hepburn, das Bud Fraker 1961 für „Frühstück bei Tiffany“ aufnahm: das Perlencollier, die Zigarettenspitze, der frontale Blick, der dem Betrachter vorgaukelt, nur und genau er sei gemeint.

Auf diesen Effekt sind viele der Porträts angelegt. Erotik spielt eine wichtige Rolle in dem Geschäft. Otto Dyar poträtierte 1932 Bette Davis als zugleich verführerische wie unschuldige Schönheit. Ihr Blick weicht dem Betrachter aus, aber ihre Schulter ist entblößt, ein geschicktes Verwirrspiel aus Lockung und Distanz. Bob Landry lichtet Rita Hayworth 1941 in einem knappen Bustier auf einem Bett für das Life Magazine ab. Das Bild wird zehntausendfach an US-Soldaten verteilt.

Hollywood war allerdings prüde, befolgte seit 1934 den „Hays-Code“, benannt nach einem Politiker. Zu viel Sex gab es im Western „Geächtet“ (The Outlaw), den Howard Hughes 1941 mit Jane Russell drehte. Der Film kam erst zwei Jahre später und mit Schnitten in die Kinos. Vorab aber wurde kräftig geworben mit Fotos, auf denen George Hurrell die Darstellerin im Heu zeigt, mit herabgerutschtem Kleid, halb entblößtem Busen und provokativem Blick. Im Film konnte man das nicht sehen. Aber das Interesse wurde erfolgreich geweckt.

Die Großmeistern der Starfotografie wie Clarence Sinclair Bull, Eugene Robert Richee, Robert Coburn und William Walling verstanden sich seinerzeit als bloße Handwerker. Gleichwohl betrachtet man ihre aufwendig inszenierten Werke heute durchaus als kunstvolle Kreationen. Man staune nur darüber, wie Walling 1932 Charles Laughton in einem Durchbruch fotografiert, der die Bildfläche in ein weißes und in dunkles Feld teilt, so dass man sozusagen nur den halben Mann sieht und seine Hände an dem Brett. Sylvia Sidney lichtet Walling 1943 auf einer Glasplatte ab, in der sie sich spiegelt, so dass man das Antlitz der schönen Frau doppelt sieht. Und Anthony Ugrin nahm 1953 die Pop-Art vorweg, indem er für „Wie angelt man sich einen Millionär?“ Marilyn Monroe mit Spiegeln verfünffacht.

Perfektion war angesagt in diesen Produkten einer Illusionsfabrik. Überaus kunstvoll setzt zum Beispiel Robert Coburn 1938 das Licht, um Hedy Lamarr im Profil besonders plastisch erscheinen zu lassen. Durch etwas Gegenlicht bekommt ihr Profil Schärfe – man glaubt, eine Skulptur zu sehen. Besonders dankbar, für den Fotografen aber herausfordernd, waren Tanzfilme. John Miele und Eric Carpenter zeigen Fred Astaire in der Luft. Und für „Singing in the Rain“ (1952) hüllt Virgil Apger in einer Atelieraufnahme Gene Kelly in einen Wirbel aus Regenschirmen. Richee hatte auch ein Bild aus dem Film aufgenommen, aber die Regenszene wirkte wohl – ohne die Bewegung – neben dem gestellten Motiv zu statisch und dunkel.

Manche Fotos wirken wie moderne Trailer, die auf ein Bild konzentriert wurden. Scotty Welbourne zeigt 1941 für „Entscheidung in der Sierra“ Humphrey Bogart mit zwei Pistolen, der einen überlebensgroßen Schatten wirft.

Perfektion war manchmal ohne Nachhilfe nicht zu haben. Die Studios beschäftigten Retuscheure. In Oberhausen sieht man eine Aufnahme doppelt, die Robert Coburn 1944 von Charles Boyer und Irene Dunne gemacht hat. Neben der offiziellen Version hängt das Original, auf dem Coburn jede Falte, jeden Krähenfuß für den Retuscheur markiert hat. Einige Aufnahmen aus den Studios zeigen, wie die Fotografen ihre Modelle platzieren, das Licht setzen, zum Beispiel auf einem Bild mit Scotty Welbourne und Ida Lupino. Den Fotografen war bewusst, was sie taten. Laszlo Willinger konstatierte 1986, ein Fotograf der 1980er Jahre fotografiere, was da sei. „I photographed what there ought to be“, er habe aufgenommen, was da sein sollte.

Die Aufnahmen dieser faszinierenden Schau stammen aus der Sammlung von John Kobal (1940–1991), einem einflussreichen Filmhistoriker, der mehr als 30 Bücher geschrieben hat. Der in Ungarn geborene Journalist und Schriftsteller war zunächst selbst Schauspieler, ehe er zur BBC wechselte. Schon früh ließ er sich von den Standfotografien faszinieren und begann sie zu sammeln. Später lernte er zahlreiche Fotografen kennen. Sein Nachlass ging in die John Kobal Foundation über, die an zwei Standorten in New York und London mehr als 200 000 Bilder verwahrt. Am Ende der Schau sieht man einige Aufnahmen, die Kobal mit Filmgrößen zeigen – Lana Turner, Alfred Hitchcock, Jane Russell, aber auch dem Pop-Künstler Andy Warhol. Er kannte sie alle. Und seine Schätze lassen eine Glanzzeit des Kinos erneut strahlen.

Bis 15.9.,

di – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0208/ 412 49 28, www.ludwiggalerie.de

Booklet 5 Euro

Quelle: wa.de

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