„Lost and Found Orchestra“ in Köln

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Trichterbläser des Lost and Found Orchestra stellen sich in der Philharmonie Köln in Position.

Von Elisabeth Elling -  Köln Jeder nur ein Ton. Mehr geht nicht bei den Instrumenten des „Lost and Found Orchestra“. Die Abflussrohre mit übergestülptem Luftballon, die ähnlich aussehen und näseln wie Fagotte. Die Bretter, die beim Anschlagen plocken wie Marimbaphon-Klötzchen. Die Kunststoff-Rohrstücke, die auf den Boden gedroschen werden und (je nach Länge) einen höheren oder tieferen Boing erzeugen.

Alle machen einen bestimmten Ton, aber eben auch nur einen. Damit eine Melodie daraus wird, müssen die Musiker des „Lost and Found Orchestra“ ihren Einsatz ganz genau und ganz schnell treffen. Was sie perfekt tun.

In der Kölner Philharmonie begeistert das „LFO“ mit komplexen, präzisen und rasanten Choreografien – ganz abgesehen von der mitreißenden Musik. Das viertägige Gastspiel ist die Deutschland-Premiere der rund 20-köpfigen Truppe.

„The Lost and Found Orchestra“ ist die jüngste Erfindung der beiden Stomp-Macher Steve McNicholas und Luke Creswell (2006). Wieder verwenden sie „gefundene“ Instrumente, wie die Besen und Mülltonnen bei Stomp. Auf die Percussions, mit denen Stomp berühmt wurde, werden hier Melodien und Harmonien gelegt, deren Wohlklang oft an Minimal Music erinnert.

Hier singen Sägen und Schläuche. Hier rascheln Maßbänder über einen Gong. Hier treibt ein riesiger Blasebalg eine meterhohe Panflöte an, wobei ein Musiker die Klappen über den richtigen Rohre öffnet. Ein Gestell mit vielen kleinen Blasebälgen wiederum erlaubt vier Spielern, Melodien zu bilden; für die einzelnen Töne sind die Flaschen mit verschiedenen Mengen Wasser gefüllt.

Tourneen des schrägen Klangkörpers sind die Ausnahme, denn diese Orgel-Variante ist nur mit enormen Aufwand zu transportieren und zu stimmen. Und nicht nur sie: Viele der LFO-Kreationen sind empfindlich, etwa die vielen mit Wasser gefüllten Stielgläser. Wird über ihren Rand gerieben, geben sie diese gespenstisch intensiven Töne von sich. Eine Art Glockspiel bilden in zwei Reihen hängende Flaschen, die mit Schlägeln angeklopft werden. Robuster sind die Klangschalen, die einmal Bratpfannen waren, die Blechschränke mit ihren klappernden Auszügen, Topfdeckel und die fünf Meter langen Klimaanlagen-Schläuche. An ihren Enden sind Griffe angebracht, um sie mit Schmackes auf den Bühnenboden zu knallen. Dicke Pastikplatten wibbern, wenn sie gut festgehalten und dann in Schwingungen versetzt werden.

Die Blasinstrumente sind spektakulär: Haushaltstrichtern und Pylonen, mit denen normalerweise Straßenbaustellen abgesperrt werden. Mit Gartenschläuchen und Mundstücken lassen sechs Bläser die knallorangen Plastikgefäße schmettern wie Trompeten und Posaunen.

Einige der Stomp-Putzmänner trommeln auch beim „LFO“. Den Auftakt machen sie mit einer Parodie auf klassische Orchestersitten, genauer: auf eitle Dirigenten. Doch bevor Luke Creswell sich umständlich einen Frack überzieht und ein paar Diktatoren-Posen ausprobiert, haben fünf seiner Musiker schon einmal gezeigt, was man mit den Kästen von vier Celli und einem Kontrabass so alles anstellen kann. Trommeln, klopfen und dagegentreten, aber auch mit angefeuchteten Fingerkuppen drüberreiben und – mit Gänsehauteffekt – mit den Fingernägeln kratzen.

Samstag 15 + 20 Uhr, Sonntag 14 + 19 Uhr; Tel. 0221/280280

www.koelner-philharmonie.de

Quelle: wa.de

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