Londoner Trio The xx spielt seine Songs in Köln

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Schwermütige Klänge: Oliver Sim von The xx ▪

Von Frank Zöllner ▪ KÖLN–Ihre Grundhaltung: äußerst lässig. Zudem wirken The xx so distanziert wie ihre Musik, wobei sie einen höchstgradig souveränen Eindruck machen. Das junge Londoner Trio stellte im ausverkauften Kölner Palladium zum Abschluss einer nur drei Konzerte umfassenden Mini-Tournee durch Deutschland ihre Interpretation von moderner Pop-Musik vor.

Bevor Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie Smith einen Blick auf sich freigeben, sind sie hinter einem weißen Vorhang verhüllt, der mit kunstvoll ineinander verwobenen Lichteffekten angestrahlt wird.

Nach dem Auftakt mit „Angels“ vom aktuellen Album „Coexist“ folgt mit „Heart Skipped A Beat“ ein erster Song des bahnbrechenden Debütalbums von 2009. Und von Anfang konzentrieren sich die Drei auf ihre Musik, die eine Mischung aus mal klaren, mal sphärischen und reduziert-minimalistischen Klängen sind, produziert durch Gitarre (Croft), Bass (Sim), Keyboards und Percussions (Smith).

Dazu zaubern sie eine reduzierte und unterkühlte Lichtshow, die sie durch Schattenspiele wie Gespenster oder nur als Umrisse erscheinen lassen. Die verwendeten Grundtöne weiß, blau und grün passen perfekt zur Industrie-Kulisse des Veranstaltungsortes. So fühlt sich der Betrachter wahlweise in die Tiefsee, ins ewige Eis oder an einen anderen wenig lebensfreundlichen Ort versetzt.

Das Ganze wird getragen von einem dumpfen Klangteppich, über dem Düsternis andeutende und hingetupfte Gitarrenakkorde von Oliver Sim und Romy Madley Croft liegen, während im Hintergrund Smith pulsierende Beats produziert.

Während Croft meist stoisch ihre Gitarre spielt und mantrahaft ihre Gesangspassagen vorträgt, leistet sich Sim ein paar eruptive Ausbrüche. Ab und zu halten die beiden mit ihren Instumenten in der Bühnenmitte Zwiesprache – genau wie mit ihren mysteriösen Texten in „Fiction“, „Reunion“ und „Tides“ vom zweiten Album „Coexist“.

Das war eines der meist erwarteten Werken in diesem Jahr – und fügt sich zudem mit dem namenlosen Debüt zu einem perfekten Gesamtkunstwerk, bei dem im Mittelteil die Songs wie „VCR“, „Islands“ und das kunstvoll verfremdete „Shelter“ nahtlos und ohne Pause vorgetragen werden.

Das funktioniert auch vor fast 5000 Fans, da diese meist andächtig und wie hypnotisiert dem Treiben auf der Bühne lauschen – allerdings hält dieses Erlebnis nur etwa 70 Minuten an. In dieser Zeit haben sie aber 18 ihrer 22 Lieder gespielt.

Der Wave-Elekronik-Pop-Triphop-Dub-Mix ist eine kunstvolle Mischung aus Joy Division, Massive Attack, Sonic Youth, Mogwai und auch The Notwist. In der Zugabe wird dies vor einem gigantischen X hinter der Bühne optisch untermalt – mal mit Lichtpunkten zum Song „Stars“ beleuchtet, mal wie eine Eisskulptur zum „Intro“ des ersten Albums produziert. The xx sind eben visuelle und musikalische Ästheten.

Quelle: wa.de

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