Udo Lindenberg feiert in Oberhausen: „Ich mach‘ mein Ding“

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Übergroß und überglücklich: Udo Lindenberg beim Konzert in Oberhausen.

OBERHAUSEN - Nie war er so angesagt wie heute: Der nur äußerlich alternde Panik-Rocker Udo Lindenberg wurde in Oberhausen zum Start seiner NRW-Auftritte gefeiert.

Von Achim Lettmann

Selbstverliebt war Udo Lindenberg schon immer. Mit losen Sprüchen, unverkennbarem Outfit und der Querdenker-Pose des Rockmusikers ist er seit über 40 Jahren unüberhörbar. Nach seinem Echo-Preis 2009 und zahlreichen neuen Stücken („Stark wie zwei“), die viel von den alten haben, feiert sich der Wiedergänger eigener Anarcho-Thesen („Bunte Republik Deutschland“) in einer Hallen-Tour: „Ich mach‘ mein Ding.“

Weitere Termine:

24. März: Gerry Weber Stadion Halle

30., 31. März und 2. April: Lanxess-Arena Köln

Lindenberg startete in der Oberhausener König-Pilsener-Arena seine NRW-Auftritte. Mit kleiner Verspätung schwebt das dickbauchige Luftschiff ein und dockt am Bühnenrand an. Zwei „gestrapste Katzen“ lassen ihn raus und heißen den Panikmagier willkommen. Udo liebt junge, schöne Frauen, die ihn begleiten und unterstützen. Und Lindenberg blendet mit einer Video-Skyline zwischen New York und Metropolis einen fantastischen Bildrahmen für sein irdisches Musikschaffen ein. Heute muss alles etwas größer wirken. Warum eigentlich?

Udo Lindenberg feiert sich selbst, weil es die alten und die vielen neuen Fans so wollen. Nach Erfolgen mit Jan Delay („Reeperbahn“) und Clueso („Cello“) ist Udopia noch größer geworden. Lindenberg ist richtig glücklich darüber und thematisiert die eigene Lebensleistung mit Selbstironie. In Oberhausen läuft eine gezeichnete Animation, die Udo als Comicfigur mit Hut, Brille und schleichendem Gang karikiert: sein Wohnhotel Atlantis und Hamburg, seine Wahlheimat. Das Lindi-Einmal-Eins ist an andererstelle gar zum Polit-Musical geworden: „Hinterm Horizont“ in Berlin.

„Es geht immer weiter“, sagt Udo Lindenberg aus „Gronau an der Donau“, nach dem er seine „Lindianer“ begrüßt und das Konzert zum „Kumpeltreffen“ ausgerufen hat: „Geile Gegend hier im Pott.“ Und vielleicht hat er sich selbst damit am meisten überrascht. Denn es gab Konzerte, da haben ihm Sängerinnen und Gaststars die Show gerettet. Heute nicht, heute ist Udo Lindenberg (65) topfit. Dass mit dem Alkohol erwähnt er so, als ob er im Familienkreis an ein altes Übel erinnert. Vorbei, nicht mehr spürbar. „Er ist sich immer treu geblieben“ klingt auch viel besser. Seine Freude an Dauer-Partys ist zum Kult geworden. Ein Stück wie „Boogie Woogie Mädchen“ knüpft da an, während die Background-Sängerinnen als Hostessen strahlen.

Das Konzert muss in der Freizeitgesellschaft glatt und sauber sein. Dazu gehört auch helles Streulicht, Laserbilder, und Udos Wechsel auf die zweite Plattform. In Großaufnahme ist er mit weißem Handtuch im Nacken zu sehen, wie ein Champion nach dem Kampf. Zum Stück „0-Resus-Negativ“ klettert ein Vampir aus der Kiste und beißt den Sänger in den Hals. Ein Schauspiel mit akrobatischer Einlage (vom Vampir). Manchmal wirkt Lindenberg mit seinen fummeligen Luft-Gitarren-Intros und Zappeltanz wie ein Oldie aus panischen Zeiten. Oh je. Aber wenn alle in der ausverkauften Arena „Cello“ singen, dann ist das ergreifend. Balladen sind sein Stärke. „Was hat die Zeit mit uns gemacht?“, „Das Leben“ zelebriert er mit seinen Gitarristen auf dem Bühnensteg, „Vakuum“ ist eine Akustikversion und bei „Meine erste Liebe“ wird er intim und nostalgisch: „Wir waren nur in totaler Aufruhr.“

Udo holt sich von den Sängerinnen Josephin Busch, Nathalie Dorra und der Frau, die sich erotisch in einer Plexiglaskugel verbogen hat, seine Küsschen ab. Auch das ist in der Udo-Familie so üblich.

Das Panikorchester setzt auf gradlinigen Rock. „Straßenfieber“ klingt krachend und treibend. Bassist Steffi Stephan wird als Musiker der ersten Stunde besonders gefeiert. Zeitlose Rockmusik, auch das ist ein Grund für Lindenbergs Erfolg.

Und der erste Deutschrocker leistet weiter Widerstand gegen Rechtsnationale („Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch“). Er beschimpft den „Oberganoven Putin“ und die Chinesen, die „rumeiern“, statt für den „arabischen Frühling“ zu stimmen. Mit dem „Sonderzug aus Pankow“ wird die Zeitgeschichte in Bewegung gesetzt. Heute klingt das Stück ostalgisch, was es in den 80er Jahren ganz und gar nicht war.

Zum Ende wird die Halle zum Dröhnland. Ovationen, Udo-Rufe und ein herrliches Tohuwabohu auf der Bühne („Andrea Doria“, „Reeperbahn“) sorgen für Partystimmung. Udo legt die Havanna an, Rauch steigt auf, und er hat wieder recht: „Es war ein affengeiles Konzert.“

Quelle: wa.de

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