Lichtkunst-Ausstellung in Unna

+
Sieht nichts, ist aber unübersehbar: Die Skulptur „Eye of Light“ von HC Berg, zu sehen in Unna. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ UNNA–Gläserne Tentakel schlängeln sich aus der Nische im Gewölbe der einstigen Lindenbrauerei. Grell blitzt es aus ihnen den Betrachter an. Fast eine Tonne wiegt die Skulptur im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna, und sie verkehrt auf ebenso aggressive wie poetische Art die Regeln der Wahrnehmung. Das „Eye of Light“, das Lichtauge, des finnischen Künstlers HC Berg sieht nicht, aber es explodiert geradezu ins Bewusstsein.

Bergs Arbeit steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung „Licht 21“. Museumsdirektorin Ursula Sinnreich will mit diesem letzten Beitrag zur Reihe „Mapping the Region“ der Ruhrkunstmuseen den Schub des Kulturhauptstadtjahres nutzen. „Licht 21“ ist darum mehr Projekt als Schau, wird begleitet von Künstlergesprächen und einem Symposium im März, bei dem Designer, Architekten, Raumplaner über die Funktion von Licht im 21. Jahrhundert sprechen, einer Zeit, die laut Sinnreich von Lichtszenarien geprägt ist.

Drei Positionen bringt „Licht 21“ nach Unna. HC Berg arbeitet eher skulptural. Das monumentale „Eye of Light“ ist eine raumfüllende Installation, wobei der stählerne Augenball, dem die gläsernen Sehlinien entspringen, in einem Kubus frei im Raum hängt. Außerdem werden gläserne Wandkästen des 1971 geborenen Künstlers gezeigt, die organische Formen wie Blätter und Schmetterlinge in Glas nachmodellieren, so dass der Eindruck leuchtender Vivarien entsteht. Eine andere Arbeit arbeitet mit Schrift, die spiegelverkehrt in eine Glaswand graviert ist. Nur mit Abstand ist die Sentenz des Lichtkunst-Altmeisters James Turrell zu entziffern, als Schattenwurf, sonst steht die unlesbare Gravur im Vordergrund. Eine wunderbar ironische Dialektik liegt in der Arbeit, dass Turrell davon spricht, einen Gedanken ohne Worte auszudrücken, während sich im Entziffern seiner Worte das Kunstwerk sinnlich erschließt.

Die Wiener Künstlerin Brigitte Kowanz hatte bereits eine Ausstellung in Unna. Ihr Lichtquader „Lateral Thinking“ zeigt den Titel als weißen Neon-Schriftzug und ein Arrangement von Spiegeln, das dem Betrachter den Eindruck vermittelt, in einen unendlichen Schacht zu sehen – die analoge Version eines virtuellen Raumes. Außerdem hängt an der Wand ihre schon verschollen geglaubte Arbeit „Lichtgeschwindigkeit“, eine Zahl, die die Zeit benennt, die das Licht braucht, um die Strecke desmeterlangen Schriftzugs zurückzulegen. Kowanz hatte die Arbeit für die RWE geschaffen. Der Energiekonzern sponsort die Schau – und in dem Zusammenhang erinnerte man sich. Nun ist das Zentrum um ein Exponat und im Anschluss um eine Dauerleihgabe reicher.

Die Schweizer Künstlerin Christine Benz arbeitet mit medialen Bildern. In der Videoprojektion „Take It Or Leave It“ arbeitet sie mit Wortgegensatzpaaren, die wie Reklametafeln für Waren aus dem Dunkel scheinen. „Stay“ und „Go“ oder „Today“ und „Tomorrow“ ruft es dem Betrachter entgegen. Auf schlüssige Weise wird so die Strategie von Werbesuggestion unterminiert.

Zur Eröffnung am Samstag ab 11 Uhr freier Eintritt. Bis 27.3. 2011, di – fr 14 – 18, sa, so 13 – 18 Uhr, Tel. 02303/ 103 770, http://www.lichtkunst-unna.de, Katalog in Vorbereitung

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare