Lehmbruck-Museum zeigt zum 100. Geburtstag von Heinz Trökes „Eldorado“

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Heinz Trökes’ Gemälde „Tarnkappe“ (1968)

Von Ralf Stiftel DUISBURG - Grelle, klare Farben beherrschen das Bild. Aus der tiefblauen „Tarnkappe“ züngeln stilisierte Flammen. Zwischen zwei gelben Mondsicheln hindurch stößt ein orange-rosafarbener Pfeil vom Himmel. Dies ist nicht die Art Malerei, die man von Heinz Trökes (1913–1997) erwartet hätte. Bekannt ist der Künstler vor allem für seine Werke, die davor entstanden waren, Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Nachkriegsabstraktion stehen.

Das Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg zeigt in der Ausstellung „Eldorado“ nun ein anderes Bild. Es würdigt die Werkphase des Künstlers, die durch seine Reisen nach Lateinamerika geprägt wurden. 1964 erkundete er den Subkontinent in einer ausgedehnten Reise, von der er auch in einer Artikelserie für den Berliner „Tagesspiegel“ berichtete. Seine Kunst erhielt in dieser Zeit wesentliche Impulse durch die Volkskunst in Peru, Bolivien, Guatemala, Mexiko und anderen Ländern. Das Wechselspiel ist in der Studioausstellung schön zu studieren, weil Trökes’ Arbeiten mit Keramiken der Maya und mit Stoffen aus Lateinamerika konfrontiert werden. Die geometrischen Muster, bestimmte organische Formen finden sich als Nachhall auch in einem gemälde wie „Treffpunkt“ (1966).

Die Schau ist eine Hommage an den Künstler, der vor 100 Jahren in Hamborn geboren wurde, heute ein Stadtteil Duisburgs. Statt einer umfassenden Werkschau, die das Haus überfordert hätte, wählte Kurator Michael Krajewski einen weniger bekannten Aspekt aus, eben die Arbeiten der 1960er Jahre. Die rund 80 Exponate stammen aus der Sammlung des Hauses und aus dem Trökes-Nachlass in Berlin.

Der Einfluss der Pop-Art ist ebenfalls nicht zu übersehen. Die Farbigkeit ebenso wie der Rückgriff auf figurative Elemente sind da eindeutig. Und die Arbeit „Eldorado“, die auch der Ausstellung den Titel gab, führt alle Einflüsse zusammen. In dem „Bilderbuch von Amerika“ experimentiert Trökes mit Fotografien, die er in manchen Partien übermalt, aber auch mit Collagetechniken verfremdet. An einer Wand lose neben- und übereinander montiert, stehen luftige Skizzen neben verdichteten Foto-Bearbeitungen wie das bunte Panorama eines Markts am Atitlan-See in Guatemala. Interessant aber, dass Trökes Lateinamerika nicht nur als touristisch-exotischen Ort anschaut, dessen Monumente seine Bildfantasie entzünden. Er hat auch ein Auge für die urbanen, modernen Seiten der Länder, die er bereiste. Ein Blatt zeigt einen Campus, der irgendwo in Europa liegen könnte: „Der Stolz Mexikos“, notiert er auf dem Blatt, „die neue Universitätsstadt“.

Bis 5.1., mi – sa 12 – 18, do bis 22, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0203/ 283 3294,

www.lehmbruckmuseum.de

Quelle: wa.de

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