Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt Skulpturen von Leunora Salihu

+
Arbeiten von Leunora Salihu, zu sehen in Duisburg: „Gregor“ (von links), „Turm“ und „Bogen“ . ▪

Von Annette Kiehl ▪ DUISBURG–Leunora Salihus Skulpturen geben sich ganz offen. Man kann durch sie hindurch blicken und erkennt mühelos, aus welchem Material sie bestehen und wie sie zusammengesetzt sind: Teppich, Spanplatten, Schrauben. So einfach ist das zum Beispiel beim „Ur-Raum“. Doch irgendetwas irritiert an dieser eiförmigen Höhle; Form und Funktion passen doch nicht zusammen. Eine Täuschung?

Mit dem englischen Begriff „Junction“ ist Salihus Ausstellung in der Seitenlichtgalerie des Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museums betitelt. Das kann Abzweigung oder auch Kreuzung heißen und deutet wohl auf die Verbindung von Gegenständlichem und Abstrakten in ihrem Werk.

Die Künstlerin, 1977 in Pristina im Kosovo geboren, ist die dritte und vorerst letzte Wilhelm-Lehmbruck-Stipendiatin. Sie hat als Meisterschülerin bei Bildhauer Tony Cragg an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und ihr präziser Blick auf das Material erinnert an ihren Lehrer. Eben diese intensive Auseinandersetzung mit verschiedenen Stoffen, mit ihrem Veränderungspotenzial und der Wirkung, ist die Basis für ihre reizvollen Arbeiten, die das Skulpturenzentrum um einen modernen Akzent bereichern.

Der „Ur-Raum“ ist das zentrale Objekt der Schau. Er ist aus Spanholz zusammengesetzt und mit typisch grauem Büroteppich ausgekleidet. Die Schrauben, die die Elemente zusammenhalten sind sichtbar, so dass es vollkommen klar ist, wie profan dieses Werk mit dem mystischen Titel konstruiert ist. Und doch ist dieser Raum im Raum interessant und rätselhaft: Ist er ein Rückzugsort, ein futuristischer Sessel, ein Ausguck?

Ähnlich wie bei diesem offenen, überdimensionalen Ei, so wirken auch die anderen Werke als abstrakte Weiterentwicklung vertrauter Formen. Aus kreisförmigen Scheiben hat Salihu unterschiedliche Skulpturen gestaltet. Sie bilden ein hohes Gefäß und einen runden Torbogen. Hier macht die Stipendiatin die raue und unregelmäßige Struktur des verwendeten Eisens deutlich, das doch aus der Ferne in seiner künstlerischen Form so glatt und gleichmäßig wirkt.

Überhaupt kalkuliert die Künstlerin den Blick des Betrachters ganz offensichtlich in ihre Arbeiten ein. Stets sind zumindest Teile der Skulptur transparent, so dass eben jedes Werk eine Art Guckloch in den Ausstellungsraum hinein bildet. Die Möglichkeiten und die Wirkung der gewählten Stoffe und Formen dekliniert sie jeweils in verschiedenen Zusammenhängen durch. Ihre Position im Raum betont die Ausstrahlung, so dass die Schau den Reiz der einzelnen Werke spiegelt und verstärkt.

Ganz geschickt spielt Salihu dabei mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten in Bezug auf klassische Bildhauerei, wie sie eben auch im Lehmbruck-Museum gezeigt wird. So platzierte sie einige ihrer Stücke auf Sockeln. Ganz elegant und gefällig wirkt das zunächst, doch tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen dem Kunstwerk und seiner Präsentationsfläche: Einige Podeste wirken zunächst wie gewöhnliche Tische, doch sie irritieren durch ihre seltsame und irgendwie unzweckmäßige Gestaltung. Andere greifen die Form der Skulptur auf und wirken somit als Verlängerung des eigentlichen Objektes. Was ist hier Kunst, was ist Hilfsmittel – und wo liegen die Grenzen? Die Künstlerin lässt den Betrachter rätseln.

Bis 4. März 2012. mi-sa 12 bis 19 Uhr, do 12 bis 21 Uhr, So 11 bis 19 Uhr. Tel. 0203/2832195, http://www.lehmbruckmuseum.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare