Das Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt seine Expressionisten

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Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Mädchen auf Fehmarn“ ist in Duisburg zu sehen.

Von Ralf Stiftel DUISBURG - Wie Windgeister schmiegt Ernst Ludwig Kirchner die beiden schlanken Mädchenakte in das Gelb der Düne. Er rahmt sie mit dem fettesten Grün der Palette. Alles in diesem Bild schwingt, ist Rhythmus: Schilf und Gräser und dazwischen die beiden Nackten. Das Gemälde „Mädchen auf Fehmarn“ entstand auf dem Höhepunkt des Expressionismus, 1913, kurz vor der Auflösung der Künstlergruppe „Die Brücke“, kurz vor der Weltzäsur des Großen Kriegs.

Kirchners Bild zählt zu den Schätzen des Wilhelm-Lehmbruck-Museums in Duisburg. Das verwahrt ja nicht nur Skulpturen des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern auch einen Bestand an hervorragenden Gemälden. Jahrelang waren die Bestände des Expressionismus nicht im Revier zu sehen, sondern allenfalls als Leihgaben in den großen Museen anderswo. Das hat das Haus jetzt geändert mit der Ausstellung „Bilder des Aufbruchs“. Mit rund 75 Kunstwerken, der größte Teil davon Malerei, begegnet der Besucher hier einem vorzüglichen Querschnitt durch eine der aufregendsten Epochen der Kunstgeschichte.

Solche Ausstellungen kann man als Maßnahme sehen, um aus der Geldnot eine Präsentationstugend zu machen. Wenn man kein großes Thema bearbeiten kann, dann sieht man im Depot nach, was man Schönes zeigen kann. Aber diese Kunstwerke wurden ja für die Öffentlichkeit erworben. Und es wäre schade, sie wegzuschließen, bloß weil sie sowieso da sind.

In fünf Räumen sind die Bestände ausgebreitet, zum einen chronologisch sortiert, zum anderen aber – und das ist eine feine weitere Pointe – immer wieder begleitet durch Arbeiten des Hauspatrons. Lehmbruck verstand sich selbst als Expressionist. Und er hat auch ein beachtliches malerisches Werk hinterlassen. Seine „Komposition Drei Frauen“ (um 1914) zum Beispiel unterscheidet sich natürlich in vielem von den farbdurchglühten Freiluftakten der „Brücke“-Künstler. Er rückt die Körper viel näher an den Betrachter, er ignoriert geradezu die Landschaft. Er hält die Haut in bleichem Inkarnat, das an Gips oder Kalk erinnert. Und doch erweisen sich diese Frauen in der selbstbewussten Haltung durchaus als Schwestern der Strandnixen Kirchners oder Pechsteins.

So hängen im ersten Raum Meisterwerke des Hochexpressionismus, neben Kirchners Gemälde verwandte Szenen von Otto Mueller und Max Pechstein, von Karl Schmidt-Rottluff die intensive „Landschaft mit Feldern“ (1911). Dazu Arbeiten von Vertretern des Blauen Reiters und des Rheinischen Expressionismus, von August Macke, Alexej von Jawlensky und Heinrich Campendonk. An anderer Stelle sind einzelne Werke wichtiger Künstler zu sehen, zum Beispiel Max Beckmanns grandiose „Rugby-Spieler“ und Oskar Schlemmers 2Fünfzehnergruppe“ (beide 1929).

Ein weiterer Raum ist den Künstlern um Herwarth Waldens legendäre Galerie „Der Sturm“ gewidmet und jenen Tendenzen, in denen sich der Expressionismus mit dem Futurismus berührt. Hier findet man auch Arbeiten des Duisburger Künstlers Johannes Molzahn, zum Beispiel die flirrende Komposition „Der Licht-Bewegung-Kampf – Karl Liebknecht gewidmet“ (1919), dessen rhythmisierte und aufgesplitterte Komposition schon Elemente der Op-Art vorwegnimmt. Hier werden auch markante Beispiele moderner Skulptur gezeigt wie Rudolf Bellings „Dreiklang“ und Otto Gutfreunds „Don Quichote“. Schließlich ist Lehmbrucks Antipode Ernst Barlach, der Lehmbrucks „Aufsteigenden Jüngling“ als „unplastisch“ abgelehnt hat, mit einigen Arbeiten vertreten.

Lehmbrucks Aufenthalt in Paris von 1910 bis zum Kriegsausbruch liefert den Anlass, einige Positionen der französischen Moderne im Vergleich zu zeigen. Brancusis bronzen spiegelnde „Négresse blonde“ (1926) zum Beispiel wird gezeigt, Derains archetypisches „Paar“ (1907), das in seiner blockhaften Abstraktion an ein romanisches Kapitell erinnert, sowie Arbeiten von Archipenko.

Bis 9.2.2014, mi – sa 12 – 18, do bis 22, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0203/ 283 3294,

www.lehmbruckmuseum.de

Quelle: wa.de

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