„Landpartie“: Künstlerbund stellt aus in Ahlen, Beckum und Liesborn

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Leiser Witz: Die Skulptur „Verstrickt“ von Anne Kückelhaus (2006), zu sehen in Ahlen.

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Wie ein riesiger Briefbeschwerer liegt der schwarze Steinquader auf dem Tisch. Die Schublade ist geöffnet, vergilbte Porträtfotos quellen hervor. An der Wand zeichnet sich Lehmstaub ab, wie eine Wolke, die sich verflüchtigt. Die Arbeit „Die Geschöpfe des Prometheus“ (2008) von Manfred Hoinka ist im Kunstmuseum Ahlen zu sehen.

Unter dem Titel „Landpartie“ veranstaltet der Westdeutsche Künstlerbund seine 32. Jahresausstellung, eine Vereinigung von Künstlern, die sich 1946 gründete und heute ihren Sitz in Bochum hat. Das Besondere der aktuellen Präsentation, die vom Land und der Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe gefördert wird, ist die Verteilung auf drei Museen: das Kunstmuseum Ahlen, das Stadtmuseum Beckum und das Museum Abtei Liesborn. Präsentiert werden aktuelle Arbeiten von rund 150 Künstlern. Darunter nicht nur Mitglieder, sondern auch Gäste. Alle hatten sich einer Jury zu stellen. Außerdem gezeigt werden Arbeiten kürzlich verstorbener Mitglieder wie Tom Mosley, Johannes Schlicker und Manfred Vogel, dessen Gemälde „Djemaa El Fna I“ (2007) mit seinen kräftigen Farben an den Süden erinnert. Ausgestellt ist es im Museum Abtei Liesborn, das überwiegend Großformate und Arbeiten Konkreter Kunst von 61 Künstlern vorstellt. Farbintensive Gemälde von Marc Podawczyk, Jürgen Paas oder Roswitha Lüder spielen mit geometrischen Formen, während Renate Neusers Installation „Bodenpflug“ (2009) aus 28 dreizackigen Plüschteilen besteht, die sich im Dreieck über den Boden verteilen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Arbeiten eingeladener litauischer Künstler. So Ceslovas Lukenskas, dessen Wandobjekt „star“ (2009) an rohes, aufgequollenes Fleisch erinnert.

Das Stadtmuseum Beckum konzentriert sich auf kleinformatige Zeichnungen und Grafiken. Helga Regenstein setzt filigrane Skizzen zu Serien zusammen, so dass sie wie Bildergeschichten erscheinen („Cerreto“, 2010). Auch Klaus Küsters mit Fotografien bezogene Zigarillo-Kistchen ergeben ein zusammenhängendes Gebilde. Dagegen wirken die auf Holz gemalten Bilder der Serie „Hafencafé Zeebrügge“ (2009) von Fritz Josef Haubner wie Hinterlassenschaften eines Urvolkes.

Im Kunstmuseum Ahlen gastieren 53 Künstler mit Werken, die vor allem aus den Bereichen Fotografie und Neue Medien stammen. Auffallend häufig zeigen sie unheimliche und lebensfeindliche Orte. Zu sehen sind etwa die grauen, in Nebel gehüllten Industrielandschaften im Video „Fog's Trot“ (2009) von Rona Rangsch. Die Arbeit „Der Reisende“ (seit 2001) von Jens Sundheim und Bernhard Reuss zeigt irritierende Bilder von Überwachungskameras, die auf Strände, Straßen und Kuhweiden gerichtet sind. Außerdem sind bildhauerische Positionen vertreten, so das Objekt „Kugel XXI“ (2001) des verstorbenen Diethelm Koch.

Eine Sonderpräsentation ist dem Künstlerbund-Mitglied Timm Ulrichs gewidmet. Zu seinem 70. Geburtstag wurde das kleine Haus im Ahlener Museumsgarten in einen Ausstellungsraum umgewandelt, in dem Werke wie das Wandobjekt „Hommage to Gertrude Stein“ (1971) zu sehen sind und der Künstler demnächst auch selbst residieren wird.

Ebenfalls 70. Geburtstag feiert der in Münster lebende Fotokünstler Berthold Socha, dessen Arbeiten im Dachgeschoss präsentiert werden. Die rund 70 Schwarz-Weiß-Fotografien aus den letzten vierzig Jahren erzählen von Menschen und ihren Lebensräumen. So zeigt die Werkgruppe „Vor oder nach der Saison – Verlassene Orte“ demolierte Fußballtore oder verbarrikadierte Umkleidekabinen an leeren Stränden. Die Serie „Schau mir in die Augen – Blickkontakte“ rückt dagegen eindrucksvoll den Menschen in den Vordergrund, wie etwa die italienische, vom Leben gezeichnete Bäuerin mit ihrem Sohn.

Landpartie Eröffnung 9.5., 11 Uhr, Kunstmuseum Ahlen. Bis 20.6.,

Ahlen: di – fr 14 – 18, do bis 20, sa, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 91830

http://www.kunstmuseum-ahlen.de

Stadtmuseum Beckum

di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr

Tel. 02521/ 29264

http://www.beckum.de

Museum Abtei Liesborn

di – fr 9 – 12, di – so 14 – 17 Uhr, Tel. 02523/ 98240, www. museum-abtei-liesborn.de

Katalog 18 Euro

Quelle: wa.de

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