Lady Gaga in Köln auf „Artrave“-Tour

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Lady Gaga trat in der Kölner Lanxess Arena auf. Das Management der Popsängerin ließ keine Fotografen zu. Folglich gibt es keine aktuellen Konzertbilder aus Köln.

Von Tim Griese -  KÖLN „Wir alle zusammen sind die große Gaga-Familie, eine der authentischsten Fanbases in der Welt“, ruft Lady Gaga ins nicht ganz ausverkaufte Rund der Lanxess Arena in Köln. „Kunst kennt keine Grenzen. Egal, welche Träume ihr habt, ihr könnt sie erreichen“, peitscht sie die Leute an. Mit ihrem Album „Artpop“ ist die 1,55 Meter kleine Popsängerin auf „Artrave“-Tour. Sie schreitet wie ein Feldherr auf hochhackigen Schuhen umher schimpft, schreit und kommandiert. Subtil ist das nicht, aber unterhaltsam.

Auf dem Laufsteg-Labyrinth, das bis weit über die Hallenhälfte reicht, starten halbnackte Männer in glitzernden Hotpants im Stechschritt, während Frauen große bunte Ballons auf ihren Köpfen balancieren. Später sieht eine der Tänzerinnen aus wie ein Schlumpf, andere räkeln sich in Latexhüllen an mit Luft gefüllten Riesenblumen, die aus dem Boden nach oben fahren, und aus den Papierschnipsel-Kanonen schießen unentwegt Fontänen in die Halle. Das alles ist grell und bunt und vor allem laut und schräg.

Aus dem Kostümierungsmarathon kommt Lady Gaga selbst gar nicht heraus. Sie wirft sich ein halbes Dutzend mal neu in Schale. Am Anfang heften noch pelzige Riesenspinnenbeine an ihrem Rücken, später stolziert sie als Oktopus verkleidet durch die Arena und trägt eine Riesenperücke. Am Ende hat sie ein Monster von knallbunter Rastamähne auf dem Kopf, nachdem sie auf der Bühne umgekleidet wurde und wie einst Luci van Org von Lucilectric, nur in Aggro, über die Stege hüpft. „Artpop ist einfach“, sagt die 28-Jährige über ihre Platte und was daraus entstanden ist. „Bei den Aufnahmen habe ich jeden Tag einen neuen Teil meines inneren Ichs kennengelernt.“ Auf der Bühne scheint sie jeden einzelnen ausleben zu wollen. „Ich bin kein verdammtes Supermodel, ich bin eine Rebellin.“

Ähnlich abwechslungsreich gestaltet sich auch der musikalische Teil des Konzerts. Das Set, das zu großen Teilen aus „Artpop“-Material besteht, atmet die Luft der 80er Jahre. Der namensgleiche Titelsong erinnert vehement an Modern Talking. Auch bei „Sexxx Dreams“ hätte Dieter Bohlen seine Finger im Spiel haben können. „G.U.Y.“ hat etwas von den Songs der jungen Madonna. Und auch „Do What U Want“, bei dem Lady Gaga auf einer überdimensionalen Hand mit pinken Fingernägeln Platz nimmt, bedient sich dieser Klaviatur.

„Manicure“ dagegen ist glatter Stadionrock. Auf der Bühne gibt es gleichzeitig eine Art Einkaufswagenrennen. In „Venus“, einer Disco-Nummer mit schön melodiösem Refrain, stellen sich den 13 Tänzern fleischfressende Pflanzen in den Weg, während Stefani Joanne Angelina Germanotta, wie die Musikerin gebürtig heißt, in String und Bustier auf Outfit-Knappheit setzt. „Yoü and I“ kommt im Southern-Rock-Gewand daher, „Donatella“ setzt auf Electrobeats. „Dope“, das Lady Gaga selbst am Klavier begleitet, ist einer der Höhepunkte des Abends.

Im zweiten Teil des Konzerts ist der Sound wesentlich besser abgemischt. Nach „Dope“ ist noch „Born This Way“, ebenfalls am Klavier in einer Akustikversion, angesagt. Die Klassiker, die frenetisch vom Publikum gefeiert werden, sind in komprimierter Form zu hören. „Just Dance“, „Poker Face“ und „Telephone“ werden in ein Medley gepackt. Von „The Edge of Glory“ gibt’s gar nur die ersten paar Refrain-Zeilen zu hören. Etwas mehr Zeit bekommen „Paparazzi“ und „Alejandro“. „Bad Romance“ ist dann wieder in Gänze zu hören.

Auf den Tribünen stehen sie Kopf, und aus den ersten Reihen donnert es Stofftiere nach vorne.

Quelle: wa.de

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