Kurzfilmtage Oberhausen mit Ito Takashi

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Hoffnungsvolle Nähe: Szene aus dem Kurzfilm „Saigo no Tenshi“ (Last Angel, Japan, 2014) von Ito Takashi.

Von Achim Lettmann -  OBERHAUSEN Die Vorstellung seiner Filme war gleich ausverkauft. In Oberhausen gab es am ersten Festivaltag schon keine Karten mehr für Ito Takashi, Teil eins. Der Japaner ist eine internationale Größe des Experimentalfilms.

Sein Erstling „Spacy“ (1981) ist ein Meisterwerk und beschäftigt auch heute noch Studenten an der Universität für Kunst und Design in Kyoto, wo Takashi als Professor unterrichtet. Weil ihm die Internationalen Kurzfilmtage ein dreiteiliges „Profil“ mit 23 seiner Kurzfilme widmen, ist Takashi im Ruhrgebiet zu Gast und stellt auch seinen aktuellen Film vor. „Saigo no Tenshi“ (Last Angels, 33 Min., 2014) läuft im Internationalen Wettbewerb um den Großen Preis der Stadt Oberhausen. 59 Filme aus 31 Ländern werden in der Hauptsektion präsentiert, ausgewählt unter 4553 Einreichungen aus 98 Ländern. Die Zahlen lassen die Größenordnung des 61. Festivals erahnen, das wieder von Lars Henrik Gass geleitet wird.

Ito Takashi begrüßte das Publikum in der Lichtburg, dem Festivalkino, wie es von einem Japaner erwartet wird. Er fotografierte in den großen Saal hinein – Klischee erfüllt. Vor der Projektion von „Last Angel“ sagte er, Menschsein bedeute für ihn Unsicherheit. Er berührt mit dieser Arbeitsidee ein Grundmotiv seines Schaffens. Takashi erzeugt immer etwas Unheimliches, ohne das offensichtlich wird, wie ihm dieser visuelle Kunstgriff gelingt. In „Last Angel“ geht er behutsam vor. Eine junge Frau tritt auf die Straße, Mantel und Schirm schützen sie vor dem Regen. Ihr Weg wird von Gleisen gekreuzt, ein Schilderwald warnt, Stromkabel wirken unübersichtlich, ihr Alltag erfordert Achtsamkeit. Takashi reduziert Farben, lässt seine Darsteller rätselhaft erscheinen, und entwirft so eine brüchige Spannung. Ein Junge schlägt mit einem Baseballschläger zu, später nimmt er eine Pistole an sich. Und was resultiert daraus, fragen die Bilder, die immer wieder Angst, Befürchtung und Illusion antippen und dabei sehr empfindsam in Großaufnahmen mit ihren Figuren umgehen. Takashi bietet Bilder zu einer minutiösen Intraspektion der menschlichen Seele.

Dagegen haut die Künstlerin Laure Prouvost (Frankreich) ihre Botschaft heraus. Dicke Schriftzüge auf Schwarz dominieren im Schnittwechsel mit unruhigen Szenen die Leinwand, die an Kunstperformances erinnern. „We know we are just pixels“ (Wir wissen, wir sind nur Pixel, 5 Min., 2014) hat die Gewinnerin des britischen Turner-Preises (2013) im Wettbewerb selbst vorgestellt. Sie zeigt schon lange ihre Videos in Oberhausen, hat Preise gewonnen („The Artist“, 2010) und belegt, wie sich das Festival im letzten Jahrzehnt zur Kunstszene und Videokunst geöffnet hat. Prouvost liebt den provokativen Clinch mit dem Publikum („Du bist uns wirklich wichtig“). Ihre Figuren tragen bemalte Pappen als Masken und machen eine Show daraus, wie Filmfiguren Aufmerksamkeit erzeugen. „Möchtest Du einen Kaffee?“

Aktuelles bietet der Internationale Wettbewerb in mehreren Beiträgen. Der Dokumentarfilm „Integration“ (17 Min., 2014) von Oleksiy Radynski (Ukraine) lässt Menschen auf dem Maidan zu Wort kommen: „Alle haben genug von den Verbrechern, die in Luxus leben.“ Es ist ein politisches Statement.

Sehr persönlich reagiert der Syrer Khaled Mzher auf Bürgerkrieg und Vertreibung. Er dreht „Wada“ (Vorhersehung, 28:30 Min. 2015), den einzigen deutschen Film im Internationalen Wettbewerb. Mzher porträtiert einen emigrierten Syrer, der wieder zurück will, weil ihn die Not seiner Familie in Syrien treibt, obwohl er längst eine Frau und einen Sohn in Berlin hat.

Bis 5. Mai, www.kurzfilmtage.de

Quelle: wa.de

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