Kurt Kocherscheidts Malerei in Bottrop

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Kurt Kocherscheidts Gemälde „Ohne Titel“, 1992, zu sehen im Bottroper Museum Quadrat.

Von Achim Lettmann -  BOTTROP–Kurt Kocherscheidt hat viel erlebt, gesehen und erfahren. Erzählen, bebildern und weitergeben will er es auf seine Weise – malerisch und abstrakt. Der Österreicher (1943–1992) gehört zu den Künstlern, die mit ihren Bildern eine innere Arbeit leisten, die existenziell ist.

Die Gemälde, die im Bottroper Quadrat ausgestellt sind, scheinen hermetisch auf den ersten Blick. Lässt man sich allerdings auf die Präsentation ein, wird eine malerische Archaik erfahrbar. Kocherscheidts Bild „Ohne Titel“ von 1992 deutet nur noch eine runde Form an, aber bleibt vor allem eine Fläche, die sich in die Tiefe öffnet. Der Künstler bringt Farbschichten auf, mit großem Quast und breitem Spachtel. Die Wucht seines Malprozesses ist sichtbar, gerade wenn man nah herangeht. Schwarz, Ocker, Beige und Orange bestimmen das Bild. Dieses Farbmaterial drängt auseinander, fließt zusammen, lässt Öffnungen frei und hängt doch ineinander. Die Farbbehandlung evoziert Leben und Vergehen, Wachstum und Tod. Es scheint sogar nach Ewigkeit zu riechen, so intensiv ist die Wirkung, die Kocherscheidts Kunst auslöst. Letztlich ist für den Maler die Farbe der Ort des Geschehens, ein Ort für Erfahrungen. Im Bottroper Museum Quadrat ist die Ausstellung „Kurt Kocherscheidt. Im Fluss der Bilder. Malerei“ bis Juni zu sehen.

Schwerpunkt der Schau sind eben diese späten großformatigen Bilder, die Kocherscheidts Begegnung mit der Natur spiegeln. Anfang der 70er Jahre reiste der Künstler zu den Quellen des Amazonas nach Südamerika. Hiermit beginnt auch die Ausstellung. Fünf Arbeiten auf Papier belegen, wie Kocherscheidt die unvergleichlichen Landschaften darstellte. Mit Bleistift und Buntstift zeichnet er eine Wasserfontäne, die aus einem monolithischen Block quillt („Quelle in den Anden, II“, 1973) . In dem Blatt „Uferquelle“ (1973) schießt Wasser aus einem berggroßen Fels, während ein Ureinwohner mit dem Kanu darunter entlangfährt. Der Horizont ist rötlich gelb.

Kocherscheidt wirkt mit seinen Bildern wie ein Suchender. Zwei Arbeiten von 1976 sind mehrdeutig, so dicht rückt der Maler an die Gegenstände heran. „Wegweiser“ könnte plastisch einen Stecken und Schuh oder auch einen Richtungsanzeiger im Gebirge zeigen. In „Rauchende Erdäpfel“ scheint der Dampf aus der Erde und den Kartoffeln zu kommen. Undurchdringlich wirkt dieses Gemälde, das eben kein Stillleben ist, sondern Ahnung von einer dumpfen Energie hat.

Ironisch wirkt der Titel des Bildes „Grieselsteiner Besinnlichkeit“ (1981). Ohne Zentrum korrespondieren einige Farbgebilde lose im Raum miteinander. Grün, Braun, Gelb und Beigetöne wirken verspielt und verplaudert im Gegensatz zu den archaisch anmutenden Spätwerken.

„Halbmond“ (1990) zählt dazu. Wie ein flächiges Epos, das keine narrativen Spuren hinterlassen hat, schlägt Kocherscheidt mit der Farbe Orange einen Grundton an, der auch eine Haltung zum Leben meint. Kurator und Museumsleiter Heinz Liesbrock schreibt, dass sich Kocherscheidt durch das Bild „ein Gegenüber, in dem die eigentlich wesensmäßige Trennung von Innen und Außen aufgehoben ist“, erschafft. Solche Emulsionen aus Form und Farbe sind andächtig und erhaben.

Bis 16. Juni; di-sa 11 bis 17 Uhr, so 10 bis 17 Uhr; Katalog 34 Euro; Tel. 02041/29716

Quelle: wa.de

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