Der Kunstverein Lippstadt zeigt Sinisa Lordan

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Phantesieformen aus Gummi und Luft: Sinisa Lordans „Kolonie“ (konkav-konvexe Schlauchformen, 2007) sind im Kunstverein Lippstadt ausgestellt.

Von Andreas Balzer LIPPSTADT - Eigentlich ist man ja hier, um Kunst zu sehen. Doch jetzt steht man vor diesen klappernden, klackernden und surrenden Apparaturen und fragt sich, welchem Zweck sie dienen.

„Neugiermaschinen“ nennt Kurator Erich Franz die pneumatisch betriebenen Vorrichtungen, die Sinisa Lordan für seine Ausstellung „Soll Ich Sagen Wahrscheinlich“ im Lippstädter Kunstverein angefertigt hat. Eine passende Bezeichnung. Was auf den ersten Blick technisch daherkommt, setzt vor allem eins in Bewegung: die Phantasie des Betrachters.

„Experiment Nr. 1, 2 und 3“ hat der 1959 im kroatischen Sibenik geborene und in Soest lebende Künstler seine Maschinen genannt. Was bei diesen Experimenten genau geschieht, bleibt freilich rätselhaft. Ein Apparat besteht aus einer Art Regal voller einmachglasähnlicher Gefäße, gefüllt mit Sand oder mineralischem Pulver und verschiedenfarbigen Flüssigkeiten. Von Zeit zu Zeit springt die Maschinerie an und setzt kleine Schaufeln in den Gläsern in Bewegung, die das mineralische Material im Wasser verwirbeln, bis es wieder herabsinkt.

Was in dem Metallgehäuse daneben geschieht, kann der Betrachter nur über ein aus dem Inneren übertragenes Videobild verfolgen. Nach einem undurchschaubaren, zufällig erscheinenden Prinzip erzeugen ein Schlitten und ein Pendel Wellenbewegungen in dem Wasserbecken im Inneren der Kastens.

Die dritte Maschine kann der Besucher per Knopfdruck selbst in Bewegung setzen. Auch hier findet sich ein mit farbigem Wasser und Sand gefülltes Glas, das sich bei Aktivierung der Maschine um die eigene Achse dreht und den Inhalt durcheinanderwirbelt. Der eigentliche Zweck dieser Vorrichtungen bleibt freilich im Dunkeln. „In Sinisa Lordans Kunst geht es um die Faszination des Verstehen-Wollens, das zu keinem Ende kommt“, schreibt Erich Franz im Katalog.

Doch ums Verstehen alleine geht es nicht. Diese kuriosen Apparaturen sind für den Kurator auch „Sehnsuchtsmaschinen, Erinnerungsmaschinen“, die an Erfahrungen aus der eigenen Kindheit anknüpfen. Sie machen eigentlich nur das, was Jungen und Mädchen seit jeher getan haben: Sie verrühren verschiedene Materialien im Glas, nur um herauszufinden, was dabei passiert.

Die eigenwillige Mischung aus geradezu wissenschaftlicher Vorgehensweise und rätselhafter Romantik, die schon die „Experimente“ kennzeichnet, prägt auch die Arbeiten im kleinen Raum, in denen sich aus aufgepumpten Fahrradschläuchen geformte Plastiken finden. Da gibt es den „Schläfer“, den „Dickhäuter“ und die „Pioniere“, eine „Kolonie“ ebenso wie den „Einzelgänger“.

Ebenso kurios wie faszinierend ist auch das eine halbe Wand bedeckende „Sammelsurium“. Es besteht aus kleinen Fundstücken, Skizzen und Miniaturen, die oft mit dem Werk des Künstlers verbunden sind, ohne dass der Betrachter immer erkennt, wie. So finden sich da Skizzen zu seinen Apparaturen und eine an ein Film-Storyboard erinnernde Post-it-Serie, die die Zerstörung des World Trade Centers als Abfolge kindlicher Zeichnungen zeigt, ebenso wie Trichter und Siebe, die der Künstler in die Wandinstallation integriert hat.

Bis 4.10., di – fr 16 – 19, mi bis 21, sa, so 11 – 13 Uhr

Tel.: 02941/78713

www.kunstverein-lippstadt.de

Katalog 10 Euro

Quelle: wa.de

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