Kunstverein Arnsberg mit zwölf Künstlern: „Public abstraction, private construction II“

Von Marion Gay ▪ ARNSBERG–Ein Regenbogen verbindet die verschiedensten Landschaften miteinander. Spiralförmig zieht er über Wüsten und Wiesen, über Wälder, Schluchten und Seen. In der Fotoinstallation von Peter Coffin erscheint die Natur schrill-bunt, wunderschön und wenig real.

Die Arbeit gehört zur Ausstellung „Public abstraction, private construction II“ im Kunstverein Arnsberg. Zu sehen sind Positionen von zwölf jungen, nationalen und internationalen Künstlern, die sich mit dem öffentlichen Raum auseinandersetzen. Sechs Künstler bespielen mit ihren Arbeiten die Räume des Kunstvereins, während die anderen zu unterschiedlichen Zeiten Projekte und Aktionen in der Arnsberger Altstadt durchführen werden.

Die Videos und Fotografien verstehen sich als kleine Fingerzeige in Richtung Alltag, wo sich im allzu Bekannten manchmal Unerwartetes versteckt. Es geht darum, die Dinge, an denen wir achtlos vorübergehen, wahrzunehmen und mit neuer Bedeutung zu füllen. So zeigt die Dia-Serie von Armando Andrade Tudela Lastwagen auf den Straßen Südamerikas. Auffällig ist dabei, dass die Lkw keine nüchternen Beschriftungen haben, sondern mit grafischen, farbintensiven Mustern und Zeichen übersät sind. So wirken die Fahrzeuge beinah wie Kunstwerke.

Laut Kathrin Ueberholz, Leiterin des Kunstvereins, sieht sich das Forum als eine Art „Sehschule“. Die manchmal auf den ersten Blick banal wirkenden Arbeiten sollen den Besucher sensibilisieren, dass er sein Umfeld intensiver wahrnimmt, er in den alltäglichen Dingen Kunst und Ästhetik erkennt. Zum Beispiel zeigt das Video von Anne de Vries einen blauen Himmel mit Wolken, wie er an vielen Tagen zu sehen ist. In einer Art Powerpoint-Präsentation verschieben sich die Himmels-Bilder, gleiten übereinander, überlagern sich. Man bekommt das Gefühl, durch die Wolkenschichten zu fliegen. Ähnlich reduziert geht auch das Video von Sebastian Gräfe mit Landschaft um. Im Mittelpunkt ist das Meer. Wellen rollen an den Strand, ziehen sich zurück. Um das An- und Abschwellen zu verdeutlichen, kommt und geht der Künstler im Rhythmus der Wellen, ganz so, wie Kinder mit dem Meer spielen.

Zwei Künstler setzen sich in ihren Videoarbeiten mit der Stadt Tirana auseinander. Anri Sala zeigt heruntergekommene Straßen, in denen die baufälligen Häuser bunt gestrichen sind. Die Bilder wecken ambivalente Gefühle, indem sie die Stadt trostlos und gleichzeitig fröhlich zeigen. Marco Lulic lässt dagegen drei Personen in futuristischer Kleidung in einem Park zwischen abstrakten Skulpturen tanzen. Die Szene könnte in Disneyland, Hollywood oder auf dem Mars spielen.

Die einzelne Arbeit ist weniger von Interesse als die Idee, die hinter dem Kunstwerk steht, erläutert Ueberholz das Konzept der Ausstellung. Wie kommt ein Künstler zum Beispiel darauf, dass sich ein Kran selbst heben soll? Um diese Absurdität dreht sich die Aktion von Wilfredo Prieto, der das Experiment im Laufe der Ausstellung auf dem Arnsberger Neumarkt durchführen will. Paradoxe Straßenszenen zeigen auch die Fotografien von Nevin Aladag. Während einige Passanten flüchtig durch das Bild huschen, verharrt ein Mann in der Bewegung.

Quelle: wa.de

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