Kunstverein Arnsberg zeigt drei Künstler aus Berlin

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Die „Blumenbank“ (von 2005) hat Alexej Meschtschanow in den Kunstverein Arnsberg gestellt. ▪

Von Marion Gay ▪ ARNSBERG–Die Neonröhren sehen aus wie vom Baumarkt. Nur wer genau schaut, dem wird die Manipulation der Aufkleber auffallen. „Eyjafjallajökull“ steht zum Beispiel auf einer der Leuchten aus der Serie „The Hygienic Colours“ (2010) von Alexej Meschtschanow. Er ist einer von drei in Berlin lebenden Künstlern, deren aktuelle Arbeiten im Kunstverein Arnsberg zu sehen sind.

So zeigt der Norweger Oystein Aasan unter dem Titel „Honky Tonk“ eine Installation aus Holzelementen, die sich wie ein Regal durch zwei Räume des Kunstvereins zieht. Wie beim Jazz geht es dem 1977 geborenen Künstler darum, Rhythmus darzustellen, indem er die dreieckigen und rechteckigen Elemente unterschiedlich hoch und weit in den Raum hin-einragen und mit Licht und Schatten spielen lässt. Eine zweite Installation, die dauerhaft verbleiben wird, dient im Büroraum als Bücherregal.

Zeichnungen und Filme des Spaniers Ignacio Uriarte sind unter dem Titel „Auf dem Papier“ zu sehen. Ein Video zeigt einen Stapel Kopierpapier, der gleichmäßig an- und abschwillt, an der Wand hängt Kästchenpapier, auf dem jedes zweite Kästchen mit Kugelschreiber ausgemalt ist. Auf grauem Schreibpapier zog der 1972 geborene Uriarte, der nach seinem BWL-Studium in einem Büro arbeitete, die Linien mit Bleistiften unterschiedlicher Härte nach, so dass sie in verschiedenen Schwarz- und Grautönen erscheinen.

Auch der 1973 in Kiew geborene Meschtschanow beschäftigt sich mit praktischen Alltagsgegenständen. Unter dem Titel „The Hygienic Colours“ finden sich Objekte, die leicht verändert ihre eigene Funktionalität hinterfragen. So besteht das Objekt „Stuhl Nr. 21“ (2010) aus einem gewöhnlichen Freischwinger, dem der Künstler ein robustes Untergestell verpasst hat, mit dem er ein bisschen wie ein Stuhl aus dem Sanitätshaus wirkt. Auch die „Blumenbank“ (2005) steht nicht mehr auf ihren Holzbeinen, sondern steckt in einem Korsett aus Kunststoff. Ebenfalls ein Gestell montierte Meschtschanow auf ein Porträtfoto des Künstlers Johannes Itten („Der Knopf“, 2010), diesmal erinnert die Form an ein Lenkrad, die Halterung zielt auf Ittens Herz.

Jeder der Künstler stellt in seinen Arbeiten Fragen nach der Funktionalität, in den fünf Räumen vermischen sich die Werke miteinander. Dennoch handelt es sich nicht um eine Gruppenausstellung, sondern ausdrücklich um drei Einzelausstellungen. Wirklich überzeugen kann das Konzept jedoch nicht, auch bleiben die Objekte meist zu nah an ihrer ursprünglichen Funktion. Selbst mit klobigen Beinen bleibt der Stuhl ein Stuhl, ein Regal bleibt Regal.

Seit des frühzeitigen Weggangs des künstlerischen Leiters Necmi Sönmez im Sommer 2008 wird der Kunstverein von der Kunsthistorikerin Kathrin Ueberholz geleitet, gemeinsam mit dem Berliner Künstler Vlado Velko, der für die Auswahl der Künstler verantwortlich ist. Unter Velko, der selbst 2008 in diesen Räumen ausstellte, scheint der Kunstverein Arnsberg zu einem Forum für junge, internationale Künstler aus Berlin geworden zu sein, die sich erstmals institutionell präsentieren und deren Arbeiten vor allem die Grenzen und Toleranzbereiche der Kunst in Frage stellen.

Die Schau

Drei unterschiedliche Positionen von Künstlern aus Berlin, die konzeptschwach präsentiert werden, und deren Arbeiten Originalität vermissen lassen.

Meschtschanow, Uriarte, Aasan im Kunstverein Arnsberg. Bis 19. September; mi-fr 17.30 bis 19 Uhr, so 11 bis 15 Uhr; Tel. 02931/ 21122

http://www.kunstverein-

arnsberg.de

Quelle: wa.de

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