Kunstsammlung NRW eröffnet neu

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Von Warhol bis Judd: Es gibt wieder einen Amerikaner-Saal in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Von Ralf Stiftel ▪ DÜSSELDORF–Schwarz und schwer hängen die „Clouds“ von Michael Sailstorfer unter der Decke. 300 mächtige Wolken aus je drei Schläuchen für Lkw-Reifen füllen mit surrealer Wucht die 6,40 Meter hohe „Klee Halle“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Den Platz für eine so ausladende Installation haben sie jetzt am Grabbeplatz: Am Samstag wird das Museum nach zweijähriger Um- und Ausbaupause wieder eröffnet mit einem großen Fest.

Es war Marion Ackermann, der seit 2009 amtierenden Direktorin des Hauses, wichtig, mit Kunst zu eröffnen und nicht einfach leere Räume vorzuzeigen. So bespielt sie die beiden Hallen des neuen Flügels, zusammen rund 2000 Quadratmeter neuer Ausstellungsfläche, mit zwei monumentalen Installationen. Den 6,40 Meter hohen unteren Saal füllen Sailstorfers schwarze Gummiwolken. Dazu passt das diffuse Kunstlicht. Im Obergeschoss bläst der Belgier Kris Martin einen Ballon auf, den die Besucher betreten können als Raum für Gedankenflüge.

Mit der Erweiterung wächst die Kunstsammlung auch räumlich in ihre Rolle als Galerie internationalen Ranges. Der am Dienstag verstorbene Gründungsdirektor Werner Schmalenbach hatte eine Auswahl erlesener Meisterwerke von Paul Klee, Max Ernst, Max Beckmann, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso und vielen anderen zusammengetragen. Das von ihm geprägte museale Selbstbewusstsein will Ackermann pflegen: „Nur Qualität zählt.“ Dazu gehört freilich, dass die klassische Moderne fortgeschrieben wird in die Gegenwart. Die hervorgehobene Präsentation von jungen Arbeiten hat Signalcharakter.

Aktuelle Kunst wird auch am Bau gezeigt: An der Nordwand des Paul-Klee-Platzes ist ein Keramikmosaik von Sarah Morris zu sehen, „Hornets“, das ebenso Blickfang sein soll wie Olafur Eliassons Arbeit mit beleuchtetem Kunstnebel im Eingangsbereich. Und das Rotterdamer Atelier Lieshout gestaltete das Museumscafé neu bis hin zum Geschirr.

Ein kompletter Flügel wurde angefügt. Der Architekt Steen Trojaburg arbeitet im Kopenhagener Büro Dissing + Weitling, das schon den Ursprungsbau von 1986 realisiert hatte. So fügt sich der Anbau ein wie aus einem Guss. Mehr als 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Haus jetzt. Fast 40 Millionen Euro wurden ausgegeben, um das Projekt zu realisieren, das der einstige Ministerpräsident Rau Schmalenbachs Nachfolger Armin Zweite schon 1990 in Aussicht gestellt hatte. Der scheidende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers äußerte seine Freude darüber, dass die Lage dieses „künstlerischen Aushängeschilds“ für Nordrhein-Westfalen endlich verbessert sei. Die Umbauphase wurde genutzt, um auch die Technik des Altbaus zu erneuern. Sicherheit und Klima sind auf neuestem Stand, und das Oberlicht fällt durch neue Lichtsegel.

Marion Ackermann nutzte auch die Gelegenheit, die Sammlung neu zu präsentieren. Die großen Säle strukturieren nun neue Wände zu einer Folge kleinerer Kabinette, die aber immer wieder Durchblicke gestatten. So folgt der Besucher zwanglos einem Rundweg durch die klassische Moderne vom Impressionismus bis zu Gerhard Richter. Die Bilder wurden nicht streng chronologisch gehängt und auch nicht in konsequenten Werkgruppen, sondern in einer assoziativen Folge, die verwandte Werke in einen Dialog bringt. So hängt neben René Magrittes düsterer Vergewaltigungsszene „Die gigantischen Tage“ (1928) Max Ernsts „Carmagnole der Liebe“ (1926), zwei Paare in Umarmung. Das Ensemble aus Mondrian-Bildern wird konfrontiert mit den tänzerischen Abstraktionen Kandinskys und Mirós.

Die Kunstwerke, „Solitäre“ nennt Ackermann sie, haben nun mehr Platz, ihre Wirkung zu entfalten. Nicht alles aber ist neu: Der Amerikaner-Saal wurde zwar verändert, die Grundidee aber blieb, mit einer Einzelwand für Jackson Pollocks „Number 32“ und einer erlesenen Auswahl von Morris Louis über Andy Warhol bis Donald Judd. Diese Rückkehr ist ein überzeugender Auftritt.

Am Samstag ab 14 Uhr wird die Eröffnung der Kunstsammlung gefeiert. Bis zum 25.7. können das erweiterte K20 und das K21 im Ständehaus bei freiem Eintritt besucht werden.

Ein neuer Shuttlebus verbindet kostenlos die beiden Standorte.

Im K21 wird parallel die neue Ausstellung „Intensif-Station“ gezeigt mit 26 Künstlerräumen.

Im K20 wird als erste große Ausstellung eine Werkschau zu Joseph Beuys gezeigt: „Parallelprozesse (11.9.–16.1.2011)

Tel. 0211/83 81 130,

http://www.kunstsammlung.de

Quelle: wa.de

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