Das Kunstmuseum Bochum zeigt die Scherenschnitt-Arbeiten von Kurt Rehm

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Ein bunter Strudel aus aufmontierten Formen: Kurt Rehm mit einem Scherenschnitt im Kunstmuseum Bochum.

Von Marion Gay BOCHUM - Ein gelber Halbmond unter einer roten Haube, dazu zwei wolkenähnliche Formen und drei gekrümmte Linien: Das kleinformatige Bild zeigt eine farbintensive Miniaturlandschaft aus ausgeschnittenen und auf schwarzen Karton montierten Formen.

Es ist eine von rund 70 Scherenschnitt-Arbeiten des Mülheimer Künstlers Kurt Rehm im Kunstmuseum Bochum. Die faszinierenden Werke zeigen einen Mikrokosmos von abstrakten Formen, auf schwarzem Karton arrangiert zu poetischen, oft tänzerisch-leichten Kompositionen.

Der 1929 in Duisburg geborene Künstler schuf in den letzten sechs Jahrzehnten in weitgehender Zurückgezogenheit ein beeindruckendes Werk von Bleistiftminiaturen, schwarz-weißen Tuschezeichnungen und Papierschnitten. Immer formal reduziert, von betörender Leichtigkeit, mit sensiblen Linienführungen. Häufig wird darauf verwiesen, dass der Japanaufenthalt des jungen Rehm (1937 bis 39) sein minimalistisches und oft asiatisch wirkendes Werk beeinflusst habe, doch „Ich weiß nicht, ob es einen direkten Einfluss gibt“ sagt der Künstler selbst. „Was mich faszinierte, waren die kleinen Streichholzschachteln, die mit Abbildungen japanischer Farbholzschnitte beklebt waren.“ Er ist nie nach Japan zurückgekehrt, er wäre vermutlich nur enttäuscht gewesen, so Rehm.

Die Kriegsjahre verbrachte Rehm im oberschlesischen Gleiwitz, bis die Familie 1947 nach Duisburg zurückzog. Im Jahr darauf studierte Rehm an der Werkkunstschule Düsseldorf, anschließend an der Stuttgarter Kunstakademie bei Willi Baumeister, dessen Arbeiten er bis heute sammelt. Ab der 60er Jahre arbeitete er über 30 Jahre lang als Werbegrafiker.

Die ausgestellten Arbeiten sind quadratisch und kleinformatig. Immer sind es sieben Formen, organisch geschwungen, meist mit filigran auslaufenden Enden. Sie umschließen einander und erinnern an Muscheln oder Meereswesen. Oder fügen sich rhythmisch aneinander wie Schriftzeichen oder Gräser. Manche Formen scheinen wie in einem Strudel herumzuwirbeln, andere wirken wie Reflexionen im Wasser. Dabei sind die schwarzen Negativformen genauso von Bedeutung. Manchmal tauchen sie wie Berge oder Zähne zwischen den aufmontierten Formen auf. Es ist erstaunlich, wie sehr diese formal reduzierten Miniaturen Assoziationen an stille Landschaften wecken. Rehm verzichtet auf Titel, da er keine Deutungen vorgeben möchte. Eine kleine Schere ist sein Werkzeug, die Schnitte sind oft so fein, dass man sie für Tuschelinien halten könnte.

Fünf frühe Arbeiten Rehms aus dem Bestand des Museums ergänzen die Ausstellung. Zu sehen ist etwa eine kleinformatige Tuschearbeit von 1955. Schon hier ist die Formensprache reduziert, aber dennoch beschwingt. Die angedeuteten Musiknoten scheinen auf den durchhängenden Linien zu balancieren. Eine andere frühe Arbeit wirkt wie eine persische Miniatur. Arabeskenhafte Formen tummeln sich zwischen gebogenen Linien, ein Sammelsurium winziger Formen, märchenhaft und anrührend zart.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr

Bis 18.1.2015; di – so 10 – 17, mi 10 – 20 Uhr; Tel. 0234/ 9104230

www.kunstmuseumbochum.de

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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