Das Kunstmuseum Ahlen zeigt Arbeiten von Wolf Hamm und Ivo Lucas

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Symbolbeladen: Wolf Hamms Bild „Knochensack“ (2006) ist in Ahlen zu sehen.

Von Marion Gay AHLEN - Der Weißkopfadler trägt eine Jeansjacke, ein Soldat zieht sein Pferd, eine dunkle Prozession pilgert zum Kreuz. Dazu Skelette, Ruinen, Stacheldrahtzäune, aber auch Marienkäfer und bunte Blumen. Einen Wust an märchenhaften und alptraumartigen Szenen, Figuren und Symbolen versammelt die Bildcollage „Der große Mittag“ (2014) von Wolf Hamm.

Die beeindruckende Arbeit aus dem achtteiligen Zyklus „Die großen Prozesse“ steht im Zentrum der Ausstellung „Die Eukatastrophe“ mit mehr als 100 Werken des in Berlin lebenden Künstlers im Kunstmuseum Ahlen. Die Schau wird präsentiert im Rahmen von „Intermezzo 2014: Kunst als Bühne. Eine Dramaturgie des Alltäglichen, Teil 2“ mit Arbeiten von Ivo Lucas.

„Eukatastrophe“ ist ein Begriff von J. R. R. Tolkien und bezeichnet die Möglichkeit einer plötzlichen Wendung zum Guten, die überraschend zu augenöffnenden Wahrheiten führt. So nutzt der 1974 in Delmenhorst geborene Hamm seine überbordenden Motive, um sich den Fragen nach der Herkunft und Zukunft der Menschheit zu widmen. Bildsprache und theoretisches Fundament weisen dabei enge Verbindungen zum Symbolismus auf. Figuren aus der eigenen Biografie tauchen auf, es geht um Krieg und Vertreibung, um Tod und Geburt in Zusammenhang mit Natur, christlicher Mythologie und dem finnischen Nationalepos der „Kalevala“. Die „Ahnentafel“ von 2012 zeigt eine blumenumkränzte Frau mit Froschkönig im Arm, Skelette schauen von einer Tribüne auf sie hinab.

Viele der Werke sind Hinterglasmalereien, sie schimmern und leuchten wie Aquarien. Die volkstümliche und zeitaufwändige Technik erfordert absolute Präzision. Da die Acrylfarbe direkt auf das Acrylglas aufgetragen wird, kann nichts übermalt und korrigiert werden. Außerdem entsteht das Motiv zunächst spiegelverkehrt. Um den Malprozess zu kontrollieren, zieht Hamm die schweren Großformate an Stellagen hoch.

Zu sehen sind außerdem Zeichnungen und Grafiken aus den letzten zehn Jahren. Die Serie „Die mündliche Überlieferung“ (2013) zeichnete Hamm mit Tusche aus der Sprühpistole, wodurch die Figuren und Landschaften leicht und fließend erscheinen, flüchtig und anrührend vergänglich. In einer Vitrine ist ein Teil der geheimnisvollen und sehr intimen Sammlung des Künstlers ausgestellt, darunter Skizzenbücher, Tierschädel, mumifizierte Frösche, menschliche Haare.

Parallel präsentiert das Museum mit „Room at the Top“ rund dreißig Gemälde, Grafiken und Objektkästen des Krefelder Künstlers Ivo Lucas. Der Titel bezieht sich auf den Roman von John Braine (deutsch: „Der Weg nach oben“) über gesellschaftlichen Aufstieg. Der 1973 geborene Lucas, der viele Jahre lang schwer krank war und sich seit einem Jahr auf dem Weg der Genesung befindet, nutzt seine Kunst zur Selbstreflexion und als offenes Konzept persönlicher Entwicklung. Ähnlich wie Hamm vermischt er in seinen Malcollagen unterschiedliche Motive, die hier häufig aus amerikanischen Filmen, Ikea-Katalogen, Erotik-Webseiten oder Comics stammen. „A delight in the watching“ (2014) zeigt eine Hand, die einen Apfel hält, neben den Spiegelbildern von Frauen. Sie haben Sprechblasen voll geometrischer Zeichen.

Die Bilder und insbesondere die Objektkästen zeigen beklemmende, voyeuristische Räume und erzählen von Sex, Gewalt und Angst. In ihrer Radikalität und vor dem Hintergrund der Erkrankung des Künstlers sind sie schwer erträglich.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr

Bis 26.10., di – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr

Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog Wolf Hamm 24 Euro

Quelle: wa.de

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