Kunsthalle Münster stellt private Kunstsammlungen vor

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Die digitale Leere gibt vielleicht ein gut gemaltes Bild ab: Johannes Hüppis „Frau vor Bildschirm“ (2000). ▪

Von Marion Gay ▪ MÜNSTER–Die Frau wirft einen kühlen Blick über die nackte Schulter. Der Bildschirm vor ihr ist leer. Keine Ahnung, womit sie sich beschäftigt, Johannes Hüppis „Frau vor Bildschirm“ (2000) behält ihr Geheimnis. Ein Gemälde aus der Computerzeit.

Die Kunsthalle Münster präsentiert in der spannenden Ausstellung „Private Kunstsammlungen Münster – Director’s Choice“ rund 50 Positionen zeitgenössischer Kunst aus zwölf Münsteraner Sammlungen. Zu sehen sind zumeist aktuelle Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Installationen, Skulpturen und Videoarbeiten. Neben international bekannten Künstlern wie Ai Weiwei, Candida Höfer und Per Kirkeby finden sich viele, deren Biografien sich mit Münster verbinden.

Anja Jensen zum Beispiel hat ihr Atelier im selben Gebäude. Ihre Fotografie „Treffen am Paradies“ (2002) zeigt den ehemaligen Regierungspräsidenten Twenhöven mit Bischof Demming. Nachts treffen sie sich an der Dompforte, der Politiker mit einem Stapel Akten unterm Arm. Wenn das nicht verdächtig ist.

Die Soundinstallation „Passant“ (2008) von Suchan Kinoshita, Professorin an der Kunstakademie Münster, lässt alle zwanzig Minuten die Wände beben: Das Geräusch des einfahrenden New Yorker 6-Uhr-Zuges ist ohrenbetäubend. Und auch der britische Künstler Phil Collins ist mit Münster verbunden. 2007 hatte er in der Kunsthalle, damals noch AZKM, eine große Videoausstellung. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Menschen, die sich selbst inszenieren, um in die Medien zu kommen. Der Palästinenser auf seiner Fotoarbeit „abbas amini“ (2003) ist so einer. Er hat sich Mund und Augen zugenäht, um auf sein wohl schweres Schicksal hinzuweisen. An den Einstichstellen klebt eine Menge Eiter.

Überraschend viele provokante Kunstwerke haben die Privatsammler zusammengetragen, die allesamt anonym bleiben möchten. So stellt sich Jonathan Meese im Bild „Aus Spass … Diktatur der Kunst träumt“ (2008) als Mischung aus Monster und Westernheld dar. Ein Versuch, seine Position in der schicksalsverhafteten deutschen Geschichte zu definieren.

Nur schwer kann man sich die Bodeninstallation „One Euro Market for Blinky Palermo“ (2005) des thailändischen Künstlers Surasi Kusolwong in einem Münsteraner Wohnzimmer vorstellen. Pinkfarbene Plüschtiere tummeln sich zwischen Plastikeimern, Klobürsten und Badelatschen. Die bunte Landschaft aus aufdringlich fröhlichen Wegwerfartikeln verursacht Unbehagen.

Ebenso intensiv ist Markus Willekes wandgroßes Gemälde „Nuts“ (2004), das seinen Platz in einem Münsteraner Büro für die Ausstellung verlassen hat. Gleißendes Licht fällt durch die Graffiti übersäten Fenster ins Schwimmbad. Die blauen Schattierungen von Wasser und Wänden sind beinah unerträglich grell.

Zum Glück finden sich auch stillere Arbeiten. Etwa die Fotoarbeit „Magischer Determinismus“ (1976) von Johannes Bernhard Blume, das älteste Werk der Ausstellung. Die Annäherung des Mannes an die Kanne wirft die Frage auf, inwieweit wir in der Lage sind, Objekte zu verstehen. Etwas Zeit braucht man auch für die Collage „Journal“ (2010) von Fiete Stolte. Die gekritzelten Notizen auf Briefumschlägen mit unscharfen Fotos erzählen wie ein Reisetagebuch von Paris. Wobei es genauso Amsterdam oder Berlin sein könnte.

Director‘s Choice in der Kunsthalle Münster.

Bis 24.2.2013, di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr

Tel. 0251/ 492-4101

http://www.muenster.de/stadt/ ausstellungshalle 

Quelle: wa.de

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