Kunst aus Korea und NRW im Osthaus-Museum

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Verkrüppelte Tradition: Yeesookyungs „Translated Vase“ (2011) ist in Hagen zu sehen.

Von Marion Gay HAGEN - Die Schubladen des Museumsschranks sind geöffnet, darin ein Sammelsurium von Landkarten, Büchern, Fotografien, Zeichnungen und Fundstücken. In Na Hyuns künstlerischem Projekt „Babylon“ (2013) geht es unter anderem um den Berliner Trümmerberg „Teufelsberg“, der ein Pendant im koreanischen Seoul hat.

Die Ausstellung „Transfer: Korea – NRW“ im Osthaus Museum Hagen präsentiert vier Positionen zeitgenössischer Kunst aus Südkorea im Dialog mit vier künstlerischen Positionen aus Nordrhein-Westfalen. Die Schau ist Teil des 9. Internationalen Künstler- und Kunstaustauschprogramms des NRW Kultursekretariats, das 14 Künstler aus Korea und NRW eingeladen hatte. Zeitgleich finden in der Kunsthalle Düsseldorf und im Kunstmuseum Bonn „Transfer“-Ausstellungen statt, im Dezember folgen Präsentationen in Seoul. Ein Ausstellungskatalog und ein Journal dokumentieren den Austausch. In Hagen zu sehen sind Installationen, architektonische Raum-Modelle, Skulpturen sowie Gemälde, Zeichnungen und Fotografien.

Überraschend sind vor allem die koreanischen Arbeiten. So die großformatigen, unglaublich detailreichen Fotocollagen der 1972 geborenen Seoung Won Won, die unter anderem in Düsseldorf studierte. Das Bild „The Ark of Obsession“ (2013) zeigt eine Insel aus Booten und übereinandergeschichteten Häusern mitten im aufgewühlten Ozean. Das wirkt wunderschön und märchenhaft und gleichzeitig erschreckend apokalyptisch. Die Künstlerin bearbeitet ihre Fotografien am Computer, fügt Tiere, Planeten, Industriemüll hinzu, bis sie fast zu „Wimmelbildern“ werden. In „The Star Apartment of the Eldest Son“ (2013) sind die Spielzeuge außer Kontrolle geraten. Dinosaurier, Affen, Autos und Planeten haben das Haus zum Einsturz gebracht, das Teleskop ist auf die Milchstraße gerichtet, Planeten stürzen auf das Dach.

Die Objekte von Yeesookyung erinnern an typisch asiatisches Kunsthandwerk, irritieren aber schnell. „Translated Vase“ (2011), ein Objekt aus zusammengefügten blau-weißen Keramikscherben, sieht aus wie ein Wesen voller Geschwülste. Die Bruchstellen sind mit goldenen Linien nachgezeichnet. Dadurch treten die Verletzungen deutlicher hervor, gleichzeitig sieht das Gitter auch aus wie ein Schutz, wie eine Art Rüstung.

Der 1974 geborene Kira Kim war bereits 2010 bei der Ausstellung koreanischer Kunst im Kunstmuseum Bochum vertreten. In seinen Arbeiten geht es um den Zusammenhang der Warenwelt mit ihren Logos und Slogans mit der Bildsprache politischer Propaganda. Das altmeisterlich wirkende Ölgemälde „Contemporary Still Life“ (2009) im opulenten Holzrahmen versammelt Fast-Food-Ikonen wie den Hamburger und die Coca-Cola-Flasche mit zerknüllten Verpackungen amerikanischer Imbissketten. Andere Ölgemälde zeigen die englische Queen und Hitler mit blauem Auge, dazu ein Vogelschiss auf der Jacke oder ausgemergelte Nackte im Hintergrund.

Beklemmend auch die Installation des Düsseldorfer Künstlers Seb Koberstädt aus niedrigen Laminatwänden mit Bierflaschen. In immer gleichem Abstand, wie Soldaten oder Security-Personal, säumen die Flaschen Wände und Nischen.

Eröffnung Samstag, 16 Uhr

Bis 12.1., di – fr 10 – 17, do 13 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02331/ 2073138

www.osthausmuseum.de

Katalog 20 Euro

Quelle: wa.de

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