Die Kunst von Andreas Horlitz in Ahlen

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Andreas Horlitz vor dem „Autoporträt Chronos“ (2011) im Kunstmuseum Ahlen. ▪

Von Marion Gay ▪ AHLEN–An sich ist es nur ein Kreis: Dunkelblau, hellblau umrandet, von flirrendem Blau umgeben. Natürlich die Erde. Sie wird von weißen Linien und Zeichen überlagert. Eine ausradierte Schrift, zerfressen von der Zeit? Die Fotoarbeit „Palimpsest“ (2005) scheint eine geheimnisvolle Botschaft zu erzählen.

Unter dem Titel „Equilibrium“ präsentiert das Kunstmuseum Ahlen eine rund 90 Arbeiten umfassende Retrospektive des Münchner Künstlers Andreas Horlitz. Zu sehen sind Foto- und Papierarbeiten, Platindrucke auf Glas und Spiegel, Fotomontagen und Leuchtkästen aus den letzten dreißig Jahren. Die großartige Ausstellung zeigt die kontinuierliche Entwicklung des 1955 in Bad Pyrmont geborenen Künstlers, der überwiegend in Serien arbeitet.

„Equilibrium“ bezeichnet den Ausgleich eines Spannungszustands, das Ausbalancieren zweier Kräfte, die sich aufheben und einen Moment der Ruhe finden. So lässt Horlitz in seinen Bildern meist zwei Elemente aufeinander treffen, die zunächst gegensätzlich erscheinen.

Wie in der Serie „Reconnaissance“ (1985–1995). Hier verwendet der Künstler Reproduktionen von Werken alter Meister, etwa von da Vinci oder Botticelli, wählt einen Teilbereich aus und überblendet ihn mit einem Zeichen, das wie ein Fremdkörper über dem bekannten Werk liegt. So prangt über dem Fragment eines Fra Angelico-Gemäldes eine stilisierte menschliche Figur. Mit ausgebreiteten Armen und Beinen erinnert sie an ein Ampelmännchen. Während das Bild an sich dunkel ist, leuchtet das Zeichen und wirkt so wie ein Fenster. Während man nach einem Zusammenhang zwischen Bild und Zeichen sucht, fallen Details auf: Der Bauch des Männchens wird von einem schwarzen Umhang bestimmt, der Kopf ist durchgestrichen.

Das Rätselhafte ist typisch für Horlitz Arbeiten. Auch die Leuchtkästen der Serie „Lexicon“ (1987–2011) faszinieren mit ihrer geheimnisvollen Aura. Da ist zum Beispiel das Foto einer Schlange auf rotem Untergrund. Der aufgerichtete, mithilfe von Lichtröhren leuchtende Körper wirkt wie ein machtvolles Zeichen. Es sind an sich banale Dinge wie ein Horn, eine Blüte, ein Seil oder eine Muschel, die Horlitz in seinen Leuchtkästen aufbahrt wie Kultobjekte einer Wunderkammer.

Ebenso geheimnisvoll die aktuelle Serie „Conterfey“ (2011). Die Porträts, zu sehen ist u.a. Schauspieler Ulrich Tukur oder der Künstler selbst, löst Horlitz in schwarze, weiße und graue Pixel auf, sodass sie aussehen wie frühere Zeitungsfotos. Aufgebracht auf Platinglasplatten mit dahinterliegenden Spiegeln reflektieren die Bilder. Die Gesichter sind durchscheinend, wie auf verwitterten Fotografien. Zusätzlich spiegelt sich das Gesicht des Betrachters, sein Gesicht vermischt sich mit dem des anderen. Man ahnt die Flüchtigkeit des menschlichen Daseins, die Vergänglichkeit aller Dinge.

Erstmalig gezeigt wird auch das aus neun Teilen bestehende, zwei mal zwei Meter große Wandtableau „Autoportrait Chronos“ (2011). Ein Muster aus gelben, weißen und bräunlichen Strukturen durchzieht das verspiegelte Bild. Was wie ein abstraktes Gemälde wirkt, ist in Wirklichkeit eine Darstellung von chrono-biologischen Sequenzen. Die Formen markieren alle körperlichen Aktivitäten des Künstlers innerhalb von 24 Tagen und Nächten.

Bis 5.2.2012; di – fr 14 – 18, do 14 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr; Tel. 02382/ 918383

http://www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog 28 Euro

Quelle: wa.de

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