Die Künstler Gil & Moti im Kunstmuseum Bochum

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Brot und Süßes: Gil & Moti haben für den Araber Youssef (Mitte) gearbeitet, der in Kopenhagen ein Geschäft unterhält. Die israelischen Künstler stellten sich unentgeltlich zur Verfügung: „Available for you“, zu sehen in Bochum. ▪

Von Achim Lettmann ▪ BOCHUM–Nassar verkauft in Kopenhagen Lebensmittel. Der Araber ist unbesorgt, auch wenn er mit den dänischen Nachbarn nicht immer einer Meinung ist. „Zu 70 Prozent versteht man sich“, sagt er und wird dabei gefilmt. Das Video über den Araber in Europa zeigen die israelischen Künstler Gil & Moti im Museum Bochum. Beide haben für ihn unentgeltlich gearbeitet, weil sie ihm helfen wollten, den schwierigen Alltag zu meistern. Ab Sonntag ist ihre Ausstellung „Gil & Moti – Totally Devoted to You“ („ganz für sie da“) zu sehen.

Für ihre Kunstaktion in Kopenhagen und Rotterdam („Available for you“) machten sie sich verfügbar. „Unsere Väter beschäftigten Araber in Haus und Garten“, sagte Moti in Bochum, „wir arbeiten für Araber.“ Er will das Miteinander umkehren und fühlbar machen. Denn das Verhältnis Herr und Bediensteter ist eine soziale Erfahrung zwischen Juden und Palästinensern, weiß Moti. Außerdem waren sie einem Bäcker in Kopenhagen behilflich und einer alleinerziehenden Araberin, die nicht kochen konnte. Also haben Gil & Moti Fleischbällchen mit den Kindern geformt. Ein Grundsatz ihrer Arbeit ist die Frage, wie verhält man sich heute, um eine gemeinsame Zukunft zu haben? Die Ausstellung in Bochum dokumentiert an anderer Stelle, dass israelische Künstler bereits in den 50er Jahren die Beziehung zu Arabern thematisiert haben. Gil & Moti stehen in der jungen Tradition moderner Kunst in Israel.

Die Künstler wohnen seit 1998 in Rotterdam zusammen. Sie verschmelzen Kunst und Leben. Bei ihren Aktionen und Projekten haben sie die Methode der „scheinbaren Naivität“ entwickelt. Die Ausstellung in Bochum transportiert Stimmung und Konzept. Ein großes Ehebett steht für das „Hochzeitsprojekt“ der beiden 2001 in Rotterdam. Sie machten ihre Eheschließung öffentlich und verbrachten die Flitterwochen im Foyer des Rathauses. Der Bürgermeister hatte sie getraut. In Bochum kann man sich bequem aufs Bett setzen, ein Video ansehen und über Kopfhörer lauschen, was Gil & Moti mit Interessierten gesprochen haben zum Thema Schwulen-Ehe. Meistens sei das, was Menschen denken, nicht identisch mit dem Gesetz, ist Motis Erkenntnis. Er lächelt, wirkt sympathisch und erklärt freundlich die Situation vom Individuum in der Gesellschaft, von Randgruppen.

Gil & Moti zählen sich dazu. Und sie provozieren, wenn sie die Anonymität berühren, in der Homosexuelle immer noch leben. Das Projekt „Dating Gil & Moti“ fand im Internet statt. Sie suchten arabische Liebhaber in entsprechenden Chatrooms. Wenn sie fündig wurden, machten sie ihre Aktion kenntlich und lernten so jemanden kennen, der die Öffentlichkeit meiden muss. Mit ihrem Dialog haben sie Normalität begründet, Gespräche zwischen Menschen, die als Schwule in ähnlichen Probleme haben. Es gab in sechs Jahren rund 100 Freunde, die letztlich von ihrem Dasein als Homosexuelle berichteten. Gil & Moti haben Aquarelle gemalt, Porträts, erotische Darstellungen, Stadtbilder, Interieurs... Eine Bilderwand ist zu sehen.

„Kunst beeinflusst das Denken von Menschen“, sagt Moti. Das Künstlerduo will den Diskurs anstoßen, um die Distanz zu Minderheiten zu verkürzen. Letztlich wird auch in der Kunst von Gil & Moti die Härte von politischen Konflikten und die Schieflage im Krisengebiet Naher Osten spürbar. Neben dem Werk anderer Künstlerpaare wie Gilbert & George und Christo & Jeanne-Claude ist beiden das soziale Engagement wichtig. In Bochum lässt sich das spüren.

Freundlich, warmherzig, erkenntnisreich und sozial.

Gil & Moti. Totally Devoted to YouMuseum Bochum. Eröffnung, Sonntag, 11 Uhr, bis 8. Mai. di-so 10 – 17, mi bis 20 Uhr; Katalog, Verlag Hatje Cantz, Ostfildern, 20 Euro.

Eine Nacht im Museum 15 April, ab 22 Uhr, Essen, Aktionen, Frühstück; für junge Erwachsene. Tel. 0234 / 9104230

Israelisches Frühstück 17. April; die Künstler kochen, servieren, stellen Fragen, dokumentieren.

Quelle: wa.de

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