Knut Wolfgang Maron fotografiert „Ein Leben“, zu sehen in Mülheim

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Knut Wolfgang Maron fotografierte seine Mutter für das Projekt „Leben“, zu sehen in Mülheim. ▪

Von Annette Kiehl ▪ MÜLHEIM–Das erste Bild zeigt Marianne Maron kurz nach dem Besuch beim Augenarzt mit schwarzer Augenklappe. Erschöpft und in sich gekehrt sitzt die alte Dame zu Hause am Küchentisch, den Kopf auf die Hände gestützt.

Ihr Sohn, Knut Wolfgang Maron, beginnt in diesem Moment, ihr Leben und auch ihre zunehmende Gebrechlichkeit mit der Kamera zu dokumentieren. Fünf Jahre lang, bis zu ihrem Tod mit 82 Jahren. Später fotografiert Maron im verlassenen Haus die Gegenstände, die seine Mutter ein Leben lang umgaben: Schwere Einmachgläser, die übereinander gestapelten Töpfe auf dem Herd, eine Schachtel, in der ein Schlüssel wie ein Schmuckstück aufbewahrt wurde. Aus diesem fotografischen Langzeitprojekt erarbeitete Maron die Serie „Ein Leben“. Sie beschäftigt sich mit Alter und Vergänglichkeit, Tod und Trauer, Nähe und Intimität. Das Kunstmuseum Mülheim präsentiert diese Fotografien nun in einer Ausstellung.

250 Bilder umfasst der Zyklus und sie beschreiben nicht nur die persönliche Lebenswelt und Alltagsstruktur der Mutter, sondern auch die Prägung einer Kriegsgeneration. Sparsamkeit und Ordnung sind wichtige Fundamente, Luxus blitzt selten auf: Ein Putzlappen ist durch den jahrelangen Gebrauch zerfasert, eine altertümliche Brotschneidemaschine ist abgewetzt, Schuhkartons wurden der besseren Übersicht halber beschriftet. Maron hat im Haus mit zurückgenommenen, warmen Farben fotografiert und bei aller Privatheit und Nähe eine diskrete Haltung bewahrt. Stets ist sein Respekt gegenüber den persönlichen Dingen und dem Menschen zu spüren.

Maron, 1954 in Bonn geboren, versteht sich als Vertreter einer „Subjektiven Fotografie“. Im Studium an der Folkwang-Hochschule orientierte er sich an seinem Lehrer Otto Steinert, der eine Fotografie jenseits der Reportage und Illustration etablieren wollte. Symbole, Metaphern und Poesie sind dabei wichtig und dies wird auch in „Ein Leben“ sichtbar: Der langsame Verfall im Haus, die verschrumpelten Kartoffeln, die Relikte aus lange vergangenen Jahrzehnten deuten auf die zunehmende Schwäche der Mutter. Doch Maron geht in seinen Arbeiten über diese Ebene des Persönlichen hin-aus.

Dem Porträt seiner Mutter mit schwarzer Augenklappe stellt er die Aufnahme einer Waschküchentür gegenüber. Durch das geriffelte Glasfenster der grauen Holztür sind beige Kleidungsstücke verschwommen erkennbar, ein orangefarbener Schal strukturiert die Ansicht und setzt einen Akzent. Fast erinnert die Fotografie an abstrakte Farbmalerei.

Mit seiner besondere Perspektive hat sich der in Essen, Berlin und Wismar lebende Maron einen Namen in der Kunstszene gemacht. Bereits Anfang der 1980er Jahre stellte das Essener Folkwang-Museum seine Arbeiten aus, heute ist Marons Fotografie gerade in Ostdeutschland, aber auch in Frankreich und den USA gefragt. Die Serie „Ein Leben“ wird 2013 in der New Yorker Ausstellungshalle White Box präsentiert.

Die Schau

Ein ausmerksames und konsequentes Fotoprojekt.

Knut Wolfgang Maron: Ein Leben. Im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr. Bis 13. Januar 2013, Di, Mi, Fr 11 - 17 Uhr, Do 11 - 21 Uhr, Sa, So 10 - 17 Uhr; Katalog 25 Euro. Tel. 0208/4554171. http://www.kunstmuseum-mh.de

Quelle: wa.de

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