Klavierfestival Ruhr startet mit Thibaudet und Sloane

+
Entspannte Partner zur Eröffnung des Klavierfestivals Ruhr: Jean-Yves Thibaudet am Piano, Steven Sloane am Pult in der Essener Philharmonie. ▪

Von Edda Breski ▪ ESSEN–Zum Auftakt wurde den Ohren geschmeichelt: Das 24. Klavierfestival Ruhr ist eröffnet. Das Eröffnungskonzert der Bochumer Sinfoniker unter ihrem Chef Steven Sloane in der Essener Philharmonie versuchte eine Verbindung von Glanz und Glamour mit Eingängigem. Auf dem Programm standen Ravel, Bernstein und Gershwin, die den BoSys und ihrem Chef erlaubten, Drive und Klangvolumen zu entfalten. Als Solist war der Franzose Jean-Yves Thibaudet der Gegenpol: ein Musiker, der seine Parts lieber vorsichtig abtastet als den Tastenlöwen zu machen. Star dieses Abends war nicht der Flügel.

BoSy-Chef Steven Sloane lieferte dieses Konzert, deren Vorreden das Ruhrgebiet mit seinem kulturellen Bestand feierten, Gelegenheit, seinen und den Status seines Orchesters im Ruhrgebiet zu unterstreichen. Sloane, vor zwei Jahren künstlerischer Leiter der Ruhr.2010, wirbt seit langem exzessiv für ein Konzerthaus für Bochum und sein Orchester. Das soll nun kommen, wenn auch als groß angelegtes Haus der Kunst für feste Ensembles und die freie Szene. In Essen ließ Sloane das Orchester groß auftrumpfen, mit großen Klanggemälden in der zweiten „Daphnis und Chloé”-Suite und im G-Dur-Klavierkonzert von Maurice Ravel. Die Farbmischungen, die parallelen Führungen der Instrumente betonte Sloane mit Lust, seine Musiker durften zeigen, was sie können, die Tutti leuchteten und funkelten. Satt und prall und prächtig klang das, allerdings auch etwas schwerfällig, denn die Tempi nahm Sloane deutlich zurück zugunsten des Klangeffekts. In der Suite flossen die Farben ineinander, die Musik kam beinahe zum Stillstand.

Thibaudet spielte das Ravel-Klavierkonzert extrem gleichmäßig und weich bis zur Diffusion, besonders das Adagio, das er recht eindimensional romantisch auffasste. Er nahm sich zurück, spielte die Kadenz im ersten Satz mit einem zauberhaften Flirren, den dritten versah mit leisem Humor, alles aber mit einem Gleichmaß, das nicht zu den Stimmungsschwüngen des Konzerts passen mochte, und so weich, dass einige Noten im Nebel versanken. Ähnlich spielte er die Gershwin-Variationen auf „I got rhythm”: Das Orchester experimentierte, erfreute sich an Gershwins Verspieltheit, etwa, als die Violinen die zweite Variation mit einem Auftakt so samtig wie einen Wiener Walzer versahen oder die vierte extrabreit swingen ließen. Thibaudet gab mit weichstmöglichem Ansatz den Ohrenschmeichler zu Sloanes eher kantiger Phrasierung.

Mit den Sinfonischen Tänzen aus der “West Side Story” stellte sich das Orchester noch einmal solo vor. Sloane bewegte sich mit verhaltenen Tempi, satten, wuchtig-dunklen Sounds und dramatischen Akzenten auf dem Grat zwischen großorchestralem Auftrumpfen und struktureller Lesart. Das funktionierte besonders in der Cool Fugue, die die BoSys auf der Spitze ihres Könnens zeigte: effektvolle, hart abgegrenzte Linien, atemberaubender Drive und Musiker, die an ihren Parts viel Freude hatten: wie die Trompeter, die swingten, als wollten sie einer Bigband Konkurrenz machen.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare