Klavierfestival Ruhr eröffnet mit Khatia Buniatishvili

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Kraftvoll, zupackend und sinnlich: Khatia Buniatishvili beim Klavierfestival Ruhr in Mülheim. ▪

Von Edda Breski ▪ MÜLHEIM – Zum Auftakt kommt der Jubilar zu Ehren: Im Liszt-Jahr ehrt das Klavierfestival Ruhr den Komponisten auch im Eröffnungskonzert. In der Mülheimer Stadthalle spielte die 24-jährige georgische Pianistin Khatia Buniatishvili, die bereits in den vergangenen Jahren zu Gast war, eine Auswahl vom Mephisto-Walzer bis zur „Trauergondel”, flankiert von Brahms, Beethoven und Strawinsky.

Gewichtige Töne, denen gewichtige Lobesworte vorangingen: Das Klavierfestival geht in die Präsentierphase, zum ersten Mal seit der Umwandlung in eine Stiftung mit Sitz in Essen. Herbert Lütkestratkötter, Schirmherr des Festivals, nannte es ein „Kind der Krise”, entstanden in der Stahl- und Kohlekrise Ende der 80er Jahre. Als Stiftung soll es nun auch finanziell dauerhaft gesichert sein. Im 23. Jahr orientiert sich das Festival weiter Richtung Rheinland, das östliche Ruhrgebiet rückt aus dem Fokus. Das Education Programme des Klavierfestivals, unterhalten durch den Förderverein, wird stärker präsentiert. Dabei geht es nicht nur um begabten Nachwuchs, der schon auf der Bahn Richtung Profikarriere unterwegs ist. 15 Klaviere sind inzwischen finanziert, die in Kindergärten ihren Platz gefunden haben. Damit erhalten nicht nur künftige Musiker einen ersten Anschub, auch das Publikum von morgen hofft man so heranzuziehen.

Der Mülheimer Auftakt-Abend ist zunächst einmal der Abend einer Tastenlöwin. Buniatishvili, die vor zwei Jahren beim Klavierfestival Ruhr ihr Deutschland-Debüt gab, ist eine kraftvolle Pianistin, eine, die sich in rasanten Läufen und Akkordgebirgen wohlfühlt. Liszts Mephisto-Walzer nimmt sie mit hohem Tempo, und zugleich kostet sie die Eigenheiten des Stücks aus: die teuflischen Diskantläufe, die reizvollen, launischen Stimmungswechsel. Ihr Spiel hat eine hohe Dichte, Buniatishvili steigert sich in einen Temporausch, lässt die Noten blitzen und funkeln, dass es eine Freude ist. Eine temperamentvolle, eigenwillige Darbietung einer jungen Frau, die einen Exzentriker wie Glenn Gould zu ihren Vorbildern zählt.

Auch in der exzessiven Rhythmik und den Farben von Igor Strawinskys „Trois mouvements de Petrouchka” fühlt sich die Solistin zu Hause. Sie prunkt im prächtigen Gestus der „Danse russe”, die grelle Festfreude der „Semaine grasse” formt sie in Klangclustern und schweren Akkordschlägen nach. Buniatishvili lässt es gerne donnern, ihr Spiel hat eine immense Farbigkeit und reißt durch ihren zupackenden Gestus mit.

Nicht immer ist sie so überzeugend: Beethovens Sonate Nr. 23 „Appassionata” reißt sie förmlich auseinander, in dem Bestreben, einen modernen Zugang zu finden. Doch die extremen Ritardandi unterstreichen eben nicht nicht die Zerrissenheit des Hauptthemas im Kopfsatz, der ohnehin immer wieder stockt und in eine andere Richtung springt. Statt dessen fehlt der musikalische Fluss letztlich völlig. Unterstrichen wird dies durch Unsicherheiten Buniatishvilis, zwei Mal greift sie an exponierter Stelle daneben. Ihr kraftvoller Zugriff wirkt da nur noch bemüht.

Im zweiten Satz schält sie die Thematik aus ihrem Kontext heraus, fühlt sich empfindsam in sie hinein und isoliert sie weiter, bis sie einsam im Raum steht. Der dritte Satz dient ihr wiederum zur Darstellung ihrer Kraft.

Liszts Notturno Nr. 3 in As-Dur ist ein langer, intim empfundener Strom, ebenso wie die „Trauergondel”, die Liszt auf den Tod seines Schwiegersohns Richard Wagner schrieb. Buniatishvili zeichnet die Melodien vorsichtig nach, empfindet die dunklen Stimmungsfarben sensibel nach. Die Brahms-Intermezzi Nr. 2 opus 117 und Nr. 2 aus den „Sechs Klavierstücken” opus 118 spielt sie versunken, zwei Dämmerstücke zum Atemholen. Die Tastenlöwin ruht aus.

Quelle: wa.de

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