Klassische Moderne aus der Sammlung Brabant auf Haus Opherdicke in Holzwickede

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Karl Hofers „Tessiner Landschaft“ (1925/27) auf Haus Opherdicke in Holzwickede. ▪

Von Achim Lettmann ▪ HOLZWICKEDE–„Die Dorfstraße in Ostpreußen“ hat Gustav Wunderwald (1882– 1945) ganz nüchtern und schlicht gemalt. Das Bild von 1927 führt die Hausformen vor, setzt auf gedeckte Farben, die die Fassaden kenntlich machen.

Das ist ohne jedes Pathos und fern jener politischen Indienstnahme, die später im NS-Staat von Künstlern erwartet wurde, wenn sie Ostpreußen thematisierten. Wunderwalds Sachlichkeit erhält im Gemälde „Zollamt in Memel“ (1925) gar etwas Naives, so beiläufig und nett ist das gelbe Postfahrrad abgestellt. Diese Bilder sind ab Sonntag auf Haus Opherdicke in Holzwickede zu sehen. Sie gehören zur Ausstellung „AußenWelten, InnenRaum“, die 94 Bilder der Sammlung Brabant zeigt. Es ist bereits die dritte Ausstellung des Kreises Unna, die die Bestände des Sammlers Frank Brabant präsentiert.

Das Jahr 1933 war für viele Künstler ein Bruch in ihrer Karriere. Von dem gebürtigen Kölner Wunderwald weiß man, dass er von 1936 bis 1943 Werbefilme der Ufa koloriert hat. In der Sammlung Brabant sind viele Bilder von Künstlern, die unter der NS-Diktatur gelitten haben. Man nennt sie die „verschollene Generation“. Und Frank Brabant will sie bekannter machen.

In der Schau auf Schloss Opherdicke sind 55 Künstler vertreten. Lucien Adrion zum Beispiel, der Pariser Straßenszenen malte und einen Platz im Gemälde „14. Juli“ (20er Jahre) mit Lampions umspannt: gelb, weiß, rot. Sein „Seineufer in Paris“ ist leicht und flirrend, wie ein Strandspaziergang mit Eiffelturm.

Bilder der klassischen Moderne sind der Schwerpunkt der Schau. Die Figuration, betont Thomas Hengstenberg als Fachbereichsleiter Kultur des Kreises, sei wieder hochdotiert auf dem Kunstmarkt. Und die Ausstellung präsentiert auch zeitgenössische Positionen. Hengstenberg möchte künftig, dass das Haus Opherdicke bevorzugt Kunst der klassischen Moderne ausstellt. Die Sammlung Babant bleibt dafür ein Fundus von über 400 Bildern. Eine weitere Schau ist in Vorbereitung.

Neben Bildern von Xaver Fuhr, Otto Herbig, Otto Möller und Ludwig Weninger begeistern die Künstler aus der ersten Reihe. Herrliche Zeichnungen lassen sich entdecken. Ludwig Meidners „Betrunkene Straße“ (1915) bringt Häuser zum Schwanken – Expressionismus einmal ganz amüsant. Lyonel Feiningers „Pariser Häuser“ (1920) ist eine Architekturkaskade, klar komponiert. August Macke verwischt die Konturen seines „Mädchen unter Bäumen“ (Bleistift, 1911).

So hält die Ausstellung auch Pechstein, Jawlensky, Radziwill und Felixmüller bereit. Hannah Höchs feine „Straßenszenerie“ (1912) ist ein Holzschnitt, der zwischen Häuserblocks eine Abstraktion zeigt – als Bild im Bild. Karl Hofer wird mit „Tessiner Landschaft“ als gegenständlicher Maler geführt, der sich auch zur Zeiten der Abstraktion nach 1945 nicht von seiner Bildauffassung abbringen ließ.

Quelle: wa.de

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